EU-Studie: Breitband-Internet ist 26 Prozent langsamer als von ISPs versprochen

DSL-Anschlüsse liefern im Durchschnitt sogar nur 60,3 Prozent der beworbenen Geschwindigkeit. Sie erreichen europaweit nur 7,2 MBit pro Sekunde. Für eine Weiterführung der Breitbandstudie sucht die EU-Kommission noch freiwillige Tester.

Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse einer Studie zu Breitbanddiensten (PDF) in Europa veröffentlicht. Demnach erhalten Verbraucher nicht die Download-Geschwindigkeiten, für die sie bezahlen. Im Durchschnitt stehen ihnen nur 74 Prozent der versprochenen Geschwindigkeit zur Verfügung. Die Zahlen basieren auf einer im März 2012 durchgeführten Umfrage unter 9000 Nutzern in den 27 Mitgliedstaaten sowie in Kroatien, Island und Norwegen.

Am besten schnitten dabei Kabelanschlüsse an. Sie bieten laut EU 91,4 Prozent der versprochenen Geschwindigkeit. Im Glasfasernetz (FTTx) sind es bis zu 84,4 Prozent. Bei klassischen DSL-Anschlüssen erhalten Verbraucher sogar nur 60,3 Prozent der vom ISP genannten maximalen Bandbreite.

Breitband-Studie der EUDSL-Anschlüsse liefern im Durchschnitt in Europa nur 60,3 Prozent der zugesagten Geschwindigkeit (Bild: EU-Kommission).

„Dies ist das erste Mal, dass die Differenz zwischen den beworbenen und den tatsächlichen Breitbandgeschwindigkeiten durch vergleichbare und zuverlässige Daten aus allen EU-Mitgliedstaaten bestätigt wird“, sagte Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. „Die Verbraucher brauchen mehr Informationen dieser Art, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Deshalb werden wir eine weitere Studie dieser Art in Auftrag geben. Wir sehen diese ersten Ergebnisse als weiteren Beleg für die Notwendigkeit eines echten vernetzten Binnenmarkts.“

Europaweit ermittelte die Studie eine durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit von 19,47 MBit pro Sekunde in Spitzenzeiten. FTTx-Dienste erreichten mit 41,02 MBit pro Sekunde die höchste Geschwindigkeit, gefolgt von Kabel mit 33,10 MBit pro Sekunde und DSL-Diensten mit 7,2 MBit pro Sekunde.

Laut EU gibt es aber auch große Unterschiede zwischen einzelnen Mitgliedstaaten. DSL-Anschlüsse in Großbritannien und Frankreich böten Verbrauchern nur etwas mehr als 40 Prozent der der beworbenen Geschwindigkeit und damit erheblich weniger als der Durchschnitt von 60,3 Prozent. Deutschland hingegen liege mit 75,1 Prozent deutlich darüber. Ein möglicher Grund dafür seien unterschiedliche Werbepraktiken in den einzelnen Ländern.

Um genauere Zahlen zu erhalten, will die EU die Studie mit weiteren Messungen bis Ende 2014 fortführen. Dafür sucht sie noch freiwillige Tester. „Ausgewählte Verbraucher erhalten ein kleines Gerät, das sie mit ihrem privaten Internetanschluss verbinden. Über dieses Gerät wird eine Reihe automatisierter Tests durchgeführt, wenn die Verbindung nicht genutzt wird. Es erfasst Geschwindigkeit und Leistung des Breitbandanschlusses“, heißt es auf der Website der Kampagne „SamKnows“.

[mit Material von Jo Best, ZDNet.com]

Themenseiten: Breitband, DSL, European Commission, Internet, Studie, Telekommunikation

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