Datenschützer weltweit bitten Google um Stellungnahme zu Glass

Zehn Datenschutzbeauftragte schreiben einen gemeinsamen Brief. Sie stellen acht konkrete Fragen zu Wearable Computing und den Folgen für die Privatsphäre. Die Datenschützer wollen schon im Vorfeld informiert werden und die Datenbrillen selbst erproben können.

Zehn Datenschutzbehörden weltweit haben Google in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, offene Fragen zur Computerbrille Glass zu beantworten. Zu den Unterzeichnern gehören Datenschutzbeauftragte in Australien, Neuseeland, Kanada, Mexiko, Israel und der Schweiz. Mit Jacob Kohnstamm ist auch der Vorsitzende der Artikel-29-Datenschutzgruppe vertreten, dem unabhängigen Beratungsgremium der Europäischen Kommission in Fragen des Datenschutzes.

Vint Cerf mit Google Glass (Bild: Dan Farber)Vint Cerf mit Google Glass (Bild: Dan Farber)

Obwohl die Datenbrille in einer Erprobungsphase und noch gar nicht auf dem Markt ist, richtet sich kritische Aufmerksamkeit von Datenschützern und Politikern auf sie. Der US-Kongress ging bereits Datenschutzfragen hinsichtlich Google Glass nach. Ein australischer Senator bezeichnete Glass als „das Ende der Privatsphäre.“ Prominente Google-Mitarbeiter wie Chairman Eric Schmidt und Webpionier Vint Cerf betonten selbst wiederholt, dass für Wearable Computing wie Glass eine neue Etikette nötig sei. „Unsere gesellschaftlichen Konventionen haben nicht Schritt gehalten mit der Technik“, sagte Cerf. Google reagierte außerdem bereits auf datenschutzrechtliche Bedenken und kündigte an, dass die Computerbrille zum Marktstart keine Gesichtserkennung unterstützen wird.

Die Datenschützer aber wollen mehr darüber wissen und schon im Vorfeld informiert werden. Ihr eigenes Wissen über Google Glass komme „von Medienberichten, die viele Spekulationen enthalten.“ Sie bitten daher um eine Vorführung des Geräts und die Möglichkeit, es selbst zu erproben. In ihrem Schreiben stellen sie acht konkrete Fragen an den Internetkonzern. Sie betreffen die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften sowie die Vorkehrungen, die Google und die App-Entwickler zum Schutz der Privatsphäre treffen.

„Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Themen direkt in unsere Zuständigkeit als Datenschutzbeauftragte fallen und auch breitere moralische Fragen aufwerfen, die mit Wearable Computing verbunden sind“, heißt es in ihrem Brief. „Wir sind sehr interessiert daran, mehr über die Auswirkungen dieses neuen Produktes auf die Privatsphäre zu erfahren sowie die Schritte, mit denen Sie bei der weiteren Entwicklung von Google Glass sicherstellen, dass das Recht Einzelner auf ihre Privatsphäre rund um die Welt respektiert wird.“

„Wir sind noch in einer sehr frühen Phase“, heißt es in der Stellungnahme eines Google-Sprechers. „Wir denken sorgfältig darüber nach, wie wir Glass entwickeln, weil eine neue Technologie immer mit neuen Fragestellungen verbunden ist. Unser Glass-Explorer-Programm, das Menschen aus allen Gesellschaftsschichten erreicht, wird sicherstellen, dass unsere Nutzer zu aktiven Teilnehmern werden und die Zukunft dieser Technologie mitgestalten.“

Wie der britische Guardian vermutet, hat Google selbst all die ethischen Fragen noch nicht verstanden – und dafür seien die ersten Tests teilweise auch gedacht. Der Brief mache deutlich, dass die Folgen von Google Glass für die Privatsphäre ein kommendes Thema für Politiker und die breite Öffentlichkeit seien.

[mit Material von Josh Taylor, ZDNet.com]

Themenseiten: Datenschutz, Google, Google Glass, Politik, Privacy

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