Ex-Palm-CEO Jon Rubinstein nennt Verkauf an HP „eine Verschwendung“

Rückblickend hält er die Entscheidung von Aufsichtsrat und Aktionären für falsch. Gescheiterte Verhandlungen mit Netzbetreibern hätten den Verkaufsdruck bewirkt. Laut Rubinstein haben Microsoft, Apple und Android viel von Palms WebOS übernommen.

Der frühere Palm-Chef Jon Rubinstein bedauert den Verkauf Palms an HP und hat ihn als „Verschwendung“ bezeichnet. Drei Jahre nach der Übernahme des Smartphone-Pioniers durch Hewlett-Packard für 1,2 Milliarden Dollar erklärte er, rückblickend habe sich die Verkaufsentscheidung von Aufsichtsrat und Aktionären als falsch erwiesen.

„Hätten wir gewusst, dass sie es dichtmachen und ihm nie eine wirkliche Chance zum Aufblühen geben würden, was für einen Sinn hätte es dann ergeben, das Unternehmen zu verkaufen?“ fragte er in einem Interview mit Fierce Wireless. Im August 2011 hatte HP angekündigt, die Entwicklung und den Verkauf von WebOS-Geräten einzustellen – einschließlich der erst kurz zuvor eingeführten TouchPad-Tablets und der WebOS-Smartphones.

Jon Rubinstein 2011 bei der Vorstellung eines Tablets mit WebOS (Bild: James Martin / CNET)Jon Rubinstein 2011 bei der Vorstellung eines Tablets mit WebOS (Bild: James Martin / CNET)

Für den überraschenden Strategiewechsel verantwortlich war der inzwischen wieder ausgeschiedene HP-CEO Léo Apotheker. Sein Vorgänger Mark Hurd hegte noch die Erwartung, das von Palm entwickelte Mobilbetriebssystem WebOS könne sich zur Basis für viele HP-Geräte und über den Smartphonemarkt hinaus entwickeln. Die Apotheker-Nachfolgerin und heutige HP-Chefin Meg Whitman entschied später, WebOS unter einer Open-Source-Lizenz freizugeben.

Rubinstein, der mit der Palm-Übernahme zu HP kam und dort zuletzt als Senior Vice President für Produktinnovationen zuständig war, schied im Januar 2012 wieder aus. Er ist ein früherer Apple-Veteran, der als Vater des iPod und rechte Hand von Steve Jobs galt. Heute sitzt er in den Aufsichtsräten von Amazon sowie Qualcomm.

In seiner Nachbetrachtung räumte Rubinstein aber auch ein, dass ein Verkauf Palms praktisch unvermeidlich war. „Palm lag im Sterben, als ich dort ankam“, sagte er. Die Probleme verschärft hätten schließlich gescheiterte Verhandlungen mit führenden Netzbetreibern. „Wir hatten fast Abkommen mit Verizon und Vodafone erzielt, und beide sagten in letzter Minute ab.“ Das sei der Grund gewesen, warum die damalige Markteinführung neuer Geräte beim kleineren US-Mobilfunkanbieter Sprint erfolgte.

Der frühere Palm-Chef meint heute, dass WebOS seiner Zeit voraus war und großen Einfluss auf andere Plattformen hatte. „Nicht nur auf mobile Plattformen“, sagte er. „Wenn Sie sich die Benachrichtigungen bei Mac OS X ansehen, das sieht auch wie bei WebOS aus. Wir haben viele Dinge getan, die sehr, sehr innovativ waren. Dazu gehörten ganz offensichtlich Multitasking, Benachrichtigungen, Synergy, wie wir mit mehreren Karten umgingen. Es gibt eine lange Liste von Dingen, die von Microsoft, Apple und Android übernommen wurden.“

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: Betriebssystem, HP, Mobile, Palm, Smartphone, Übernahmen

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