Paypal versendet versehentlich Gewinnbenachrichtigungen

Tausende wurden über eine Gutschrift in Höhe von 500 Euro verständigt. Das Problem: Die Verlosung hat noch gar nicht stattgefunden. Paypal entschuldigt sich via Facebook. Einen Rechtsanspruch für die "Gewinner" gibt es möglicherweise dennoch.

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Paypal hat zu Tausenden Gewinnbenachrichtigungen über je 500 Euro verschickt. Was auf den ersten Blick wie eine Phishing-Attacke wirkt, ist nach seiner Darstellung schlicht ein Versehen. Eine Anwaltskanzlei weist jedoch darauf hin, dass Empfänger der Mail gute Chancen haben, tatsächlich an das Geld zu kommen.

Der Betreff der Mails lautet „Willste? Kriegste. Sie haben 500 Euro gewonnen“. In Wirklichkeit hat das fragliche Gewinnspiel jedoch noch gar nicht stattgefunden. Eine Teilnahmebedingung lautet, dass man eines der zahlreichen Sommer-Angebote mit PayPal bezahlt. Erhalten haben die Nachricht zahlreiche PayPal-Nutzer, auch ohne teilzunehmen. Wie viele betroffen sind, lässt sich derzeit nicht abschätzen.

Im Text heißt es: „Schauen Sie gleich mal in Ihrem PayPal-Konto nach, denn dort haben wir Ihnen die 500 Euro gutgeschrieben. Sie können Ihren Gewinn ab sofort einlösen.“ Korrigiert wird dies auf Paypals Facebook-Seite, wo das Unternehmen mitteilt, dass es durch einen technischen Fehler zu dieser Gewinnmitteilung gekommen sei.

Gewinnspielbenachrichtigung von Paypal

Doch dies dürfte juristischen Ansprüchen nicht genügen, wie die Anwaltskanzlei Wilde Beuger Solmecke in Person von Rechtsanwalt Christian Solmecke mitteilt: „Ob eine Gewinnzusage vorliegt, muss durch Auslegung ermittelt werden, hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom vom 19. 2. 2004 – III ZR 226/03 entschieden. Abzustellen ist nur auf das äußere Erscheinungsbild der Gewinnzusage. Bei einer klaren Scherzerklärung wären keine Gewinne auszuzahlen. Hier liegt der Fall jedoch anders. Die Mail ist optisch ansprechend gestaltet, der Nutzer wird mit seinem vollen Namen angeschrieben und es findet auch tatsächlich ein Gewinnspiel statt. Die Rechtslage ist also eindeutig. Die versprochenen 500 Euro sind zunächst einmal auszuzahlen.“

Solmecke führt weiter aus, dass dies auch für alle „Gewinner“ gilt, die auf Facebook von dem Irrtum erfahren haben. Eine derartige allgemeine Information sei keine Anfechtung im Rechtssinne. „Und eine Anfechtung wegen Irrtums wäre auch die einzige Möglichkeit für Paypal, wieder aus der Gewinnzusage herauszukommen. Diese Anfechtung muss unverzüglich erfolgen, nachdem Paypal von dem Irrtum erfahren hat. Erhalten die Nutzer heute oder über das Wochenende also keine Anfechtungs-E-Mail, kann der Gewinn tatsächlich eingeklagt werden.“

Der bei Gewinnspielen übliche und auch hier erfolgte Ausschluss des Rechtswegs hat Solmecke zufolge keine Auswirkungen darauf, denn diese Klausel beziehe sich gerade nicht auf die Gewinnbenachrichtigung.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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8 Kommentare zu Paypal versendet versehentlich Gewinnbenachrichtigungen

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  • Am 7. Juni 2013 um 19:32 von Klaus

    Tja…bei mir ist gerade eben die Anfechtung eingegangen. War wohl nix mit dem Geld :-(

    • Am 7. Juni 2013 um 20:57 von svenno

      Ich habe auf Nachfragen bei PayPal, wann denn der Gewinn ausgezahlt wird, auch die Anfechtung erhalten. :-( 500 Euro zum Wochenende wäre schön gewesen…

  • Am 8. Juni 2013 um 8:10 von Daniel

    Auch ich erhielt unverzüglich eine „Stornierung-Mail“.

    Schade eigentlich…….

  • Am 8. Juni 2013 um 10:06 von Walter R. Riedinger

    Ich glaube nicht an eine Panne. Das scheint mir eine gezielte Aktion von Paypal gewesen zu sein, um Tausende von Kunden, vor allem „schlafende“, zu veranlassen, ihr Paypal-Konto zu „aktieren“, sprich wieder einmal mit Paypal zu „arbeiten“. Dasss die „Anfechtung“ so prompt kam, passt genau in das Raster.

  • Am 9. Juni 2013 um 16:08 von thomas

    auch ich habe nach dem ich wegen fehlendem Geld auf dem Konto, eine Mail mit der Stornierung/Versehentlich… bekommen. Bin auch der Meinung PR-Gag….sollte man klagen!!

  • Am 10. Juni 2013 um 11:58 von Michael

    Hi,
    wer hier an ein Versehen glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Ich zahle sehr selten mit Paypal, da ich wenig bei Ebay und co kaufe. Es ist schon auffällig, dass nur die wenig-zahler diese Email bekommen haben, oder? Die kaufen dann natürlich sofort bei Ebay und co und wollen mit PayPal zahlen. Dann stellen sie fest, dass das Geld nicht drauf ist. Option 1: mit dem Verkäufer auf einen Rechtsstreit einlassen. Option 2: Trotzdem kaufen und aus eigener Tasche zahlen.

    Und das gibt schön viel Umsatz….

    In meiner Firma kann man noch nicht einmal eine Email an das gesamte Department (2.000 Mitarbeiter) schicken, ohne, dass das 4-Augen-Prinzip angewendet werden muss. Und dann verschickt PayPal versehentlich 3,5 Mio Gewinnbenachrichtigungen an inaktive Nutzer…

    Ich glaube das. Ich habe am 24.12. auch den Weihnachtsmann gesehen….

  • Am 10. Juni 2013 um 16:57 von Röser

    Ich habe auch sofort PAYPAL angemailt, erhielt dann auch eine Benachrichtigung.
    Mal abwarten was passiert.

    • Am 20. Juni 2013 um 21:14 von Ainer27

      Tja,

      Da kann man doch nur sagen, wer seine Kunden verarscht und das auf so dumme weise sollte nun das von den Kunden zu spüren bekommen.
      Super wäre doch, wenn die betroffenen 3,5 Mil. Betroffenen nun eine Weile gar nichts mehr mit PaPal zahlen.

      Dann wäre der Schaden vielleicht nicht mehr bei den Betroffenen, sondern beim Verursacher.

      Also Mitstreiter, auf zum Boykott

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