Blue-Coat-Partner wegen Lieferung an Syrien zu Millionenstrafe verurteilt

Computerlinks FZCO hat die Strafe in Höhe von 2,8 Millionen Dollar akzeptiert. Blue Coat selbst soll nichts von dem Embargoverstoß gewusst haben. Es beendete die Zusammenarbeit mit dem Distributor nach den ersten Ermittlungsergebnissen 2011.

US-Behörden haben einen Schuldigen für die in Syrien eingesetzte Überwachungstechnik von Blue Coat gefunden. Das Handelsministerium verurteilte den Distributor Computerlinks FZCO mit Sitz in Dubai im Rahmen einer Einigung zu 2,8 Millionen Dollar (2,14 Millionen Euro) Strafe.

Blue Coat

Das Ministerium sieht es als erwiesen an, dass das Unternehmen Blue-Coat-Appliances des Typs ProxySG trotz Embargo an Syrien verkauft hat. In drei Fällen habe es „Transaktionen vorgenommen oder Handlungen unternommen in der Absicht, das Export- und Wiederexport-Verbot für Syrien zu umgehen.“

„Der heutige Vergleich zeigt, dass Firmen ernsthafte Konsequenzen drohen, wenn sie US-Exportbestimmungen verletzen. Sie ist das Resultat aggressiver Nachforschungen und Strafverfolgung im Fall gesetzeswidriger Umleitung von US-Technik nach Syrien“, kommentierte Untersekretär Eric Hirschhorn. „Es ist entscheidend, dass wir Techniken zur Unterdrückung der syrischen Bevölkerung aus den Händen der syrischen Regierung halten.“

Die Ermittler glauben, dass Blue Coat keine Kenntnis der Transaktion hatte. Im Zuge der Nachforschungen beendete es 2011 seinen Vertrag mit Computerlinks FZCO. Es begrüßte die jetzt verhängte Geldstrafe ausdrücklich. COO und President David Murphy sagte, man bemühe sich, eine Einhaltung der Handelsrichtlinien sicherzustellen. Im Zuge der Ermittlungen habe man in großem Umfang kooperiert. Sein Vertrieb läuft allerdings fast ausschließlich über Partner.

Reporter ohne Grenzen zählt Blue Coat Systems zu den Feinden des Internets. Seine Überwachungssysteme werden angeblich auch in Ägypten, Afghanistan, Bahrain, China, Indien, Irak, Russland, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt. Ein Menschenrechtsverstoß war in diesen Fällen bisher allerdings nicht nachweisbar.

Anlässlich der Entdeckung von Blue-Coat-Appliances in Syrien teilte 2011 ein Sprecher dem Wall Street Journal mit, jedes Gerät sende „automatische Statusmeldungen“ nach Hause. Blue Coat untersuche allerdings nicht die Herkunft dieser Meldungen. Das heißt im Klartext, dass Blue Coat technisch die Möglichkeit hätte, einen Missbrauch seiner Technik zu verhindern – dies aber nicht tut.

Seine Appliance ProxySG kann Internetverkehr filtern und auch verschlüsselte Kommunikation verhindern. Ein anderes Blue-Coat-Produkt, PacketShaper, wertet Internet-Traffic aus.

[mit Material von Tom Brewster, TechWeekEurope.co.uk]

Themenseiten: Blue Coat, Gerichtsurteil, Politik, Zensur, Überwachung

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