Niederländer wegen DDoS-Angriff auf Spamhaus verhaftet

Angeblich handelt es sich um den Inhaber des umstrittenen Webhosters Cyberbunker. Spanische Behörden haben sein Haus in Barcelona durchsucht und Computer, Datenträger sowie Smartphones beschlagnahmt.

Die spanische Polizei hat einen Niederländer verhaftet, der an einer der größten Cyberattacken in der Geschichte des Internets beteiligt gewesen sein soll. Wie die BBC berichtet, handelt es sich um den 35 Jahre alten Sven Kamphuis, Inhaber und Geschäftsführer des niederländischen Webhosters Cyberbunker. Sein Unternehmen soll hinter dem DDoS-Angriff auf Spamhaus stecken, dessen Auswirkungen Ende März vor allem in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden zu spüren waren.

Spamhaus kämpft gegen Spam

Dem Bericht zufolge nahmen die spanischen Behörden Kamphuis aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Gewahrsam. In einer Presseerklärung teilte die niederländische Staatsanwaltschaft mit, dass auch das Haus des Tatverdächtigen durchsucht sowie Computer, Datenträger und Mobiltelefone beschlagnahmt wurden. Ein Auslieferungsantrag liegt den spanischen Behörden demnach schon vor.

Die niederländische Staatsanwaltschaft hat allerdings noch nicht offiziell bestätigt, dass es sich bei dem Verhafteten um Sven Kamphuis handelt. In ihrer Pressemitteilung erwähnt sie nur die Initialen „SK“ beziehungsweise spricht von einem Mann namens „K.“. Auf Nachfrage von TechWeekEurope wollte sich ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auch nicht zu der Person äußern. Allerdings geht aus Kamphuis‘ Facebook-Seite hervor, dass er in Barcelona lebt.

Spamhaus zufolge, das E-Mail-Dienste weltweit im Kampf gegen Spam unterstützt, hatten die DDoS-Angriffe im vergangenen Monat ein Volumen von bis zu 300 GBit/s. Sie seien damit sechsmal größer gewesen als ähnliche Attacken, mit denen unter anderem Websites von Banken ausgeschaltet wurden. Der Angriff selbst habe sich gegen die DNS-Server (Domain Name System) von Spamhaus gerichtet, die Domain-Namen in IP-Adressen übersetzen. Angeblich kam es durch die große Menge an Daten, die das Domain Name System trafen, weltweit zu einer Drosselung des Datenverkehrs im Internet.

Hintergrund war vermutlich ein Streit zwischen Spamhaus und Cyberbunker. Der Webhoster, der sein Hauptquartier in einem ehemaligen NATO-Bunker hat, erlaubt es seinen Kunden, anonym zu bleiben. Es akzeptiert nahezu jeden Kunden. Einzig Kinderpornografie und terroristische Aktivitäten werden nach Unternehmensangaben nicht toleriert. Spamhaus wiederum führt Cyberbunker auf einer seiner schwarzen Listen, mit denen E-Mail-Anbieter ihre Kunden vor Spam schützen.

Unterstützer von Kamphuis haben inzwischen Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Auf Pastebin drohen sie mit „dem größten Angriff, den die Menschheit je im Internet erlebt hat“. Unter anderem wollen sie gegen Medienunternehmen vorgehen, die Kamphuis‘ Ruf geschadet haben sollen.

[mit Material von Tom Brewster, TechWeekEurope]

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