Apple steht in China wegen Garantiepraxis unter Beschuss

Eine Parteizeitung kritisiert in einem Titelbericht den Kundendienst des iPhone-Herstellers. Angeblich behandelt Apple chinesische Kunden schlechter als andere. Marktbeobachter vermuten eine gezielte Kampagne gegen die Dominanz ausländischer Smartphonehersteller.

Chinesische Staatsmedien haben Apple ins Visier genommen und werfen ihm vor, Verbraucher in China schlechter als in anderen Ländern zu behandeln. Marktbeobachter spekulieren über eine von der Regierung inszenierte Kampagne, um die Dominanz ausländischer Smartphonehersteller einzudämmen.

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Die Zeitung People’s Daily, Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas, brachte auf ihrer Titelseite einen kritischen Bericht über Kundendienst und Garantiepraxis des iPhone-Herstellers. Sie folgte damit dem chinesischen Staatsfernsehen, das sich Apple schon am 15. März anlässlich des Welt-Verbrauchertags vorgenommen hatte. Ein vielbeachtetes TV-Magazin stellte im Stil einer investigativen Reportage die Erfahrungen von Apple-Kunden dar.

Die Vorwürfe gelten vor allem der Ungleichbehandlung. Während Apple defekte iPhones etwa in den USA und Australien gegen neue Geräte austausche, nehme es in China Reparaturen vor und verwende dabei auch verkratzte Geräterückseiten erneut. Die Sendung sprach offenbar gezielt das Gefühl vieler Chinesen an, dass westliche Länder auf sie herabblicken und deren Markenhersteller sie schlechter behandeln. Neben Apple kam auch der deutsche Autohersteller Volkswagen ins Visier, der für ein fehleranfälliges Doppelkupplungsgetriebe kritisiert wurde.

Innerhalb einer Stunde nach der Sendung erschienen beim Mikroblogging-Dienst Weibo rund 50.000 Kommentare, in denen Apple überwiegend kritisch erwähnt wurde. „Als Apple-Fan trifft mich das schwer“, ließ der taiwanisch-amerikanische Schauspieler Peter Ho seine 5,3 Millionen Follower wissen. „Habt ihr im Sinne eures Gründers Jobs gehandelt? Wart ihr gerecht gegenüber den jungen Menschen, die ihre Nieren verkauften? Es stimmt wirklich, dass große Läden ihre Kunden schikanieren.“ Er löschte allerdings seinen Beitrag später wieder, nachdem ihm zeitliche Unstimmigkeiten und eine beauftragte Inszenierung vorgeworfen wurden.

People’s Daily kritisierte Apple auch dafür, auf Interviewanfragen zum Thema nicht zu reagieren. Eine Stellungnahme der Firma nannte die Zeitung „leer und selbstlobend“. Noch nicht reagiert hat Apple auch auf eine Anfrage von News.com zu den chinesischen Berichten. Der chinesische Markt ist für den iPhone-Hersteller zunehmend wichtig – in seinem letzten Quartalsbericht meldete er um 67 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar gewachsene Einnahmen in der Volksrepublik.

Die chinesische Regierung ist offenbar über die Marktentwicklung bei Smartphones beunruhigt. Während Apple und Samsung bei der Hardware dominieren, hat sich Android als Betriebssystem durchgesetzt. Dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie zufolge ist das Land „zu abhängig von Android“. Im Rahmen eines Fünfjahresplans fördert es Ubuntu Linux als Referenzarchitektur für Standardbetriebssysteme, die auf Desktop, Server, Cloud, Tablet und Smartphone zum Einsatz kommen sollen.

[mit Material von Josh Lowensohn, News.com]

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Themenseiten: Apple, China, Politik, Smartphone, iPhone

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