Neue Sicherheitslücken bei iPhone und Samsung-Handys entdeckt

iOS 6.1.3 enthält offenbar eine neue Passcode-Lücke. Sie lässt sich aber nur bei aktivierter Sprachwahl ausnutzen. Die Gerätesperre von Samsungs Android-Implementierung ist inzwischen vollständig nutzlos.

Die beiden Sicherheitsforscher, die schon im Februar Schwachstellen in der Gerätesperre des iPhone beziehungsweise bestimmter Samsung-Smartphones öffentlich machten, haben neue Wege gefunden, den Sperrbildschirm der fraglichen Geräte auszuhebeln. Laut Terence Eden ist es nun möglich, den Lockscreen von Samsungs Android-Smartphones vollständig auszuschalten. Zudem können Unbefugte auch nach der Installation von iOS 6.1.3 ohne PIN-Eingabe Bilder und Fotos ausspähen.

iOS Lockscreen

Der Nutzer „videosdebarraquito“ zeigt in einem Video, dass die Gerätesperre unter iOS 6.1.3 durch die Nutzung der Sprachwahl-Funktion überlistet werden kann. Dafür muss per Sprachbefehl eine Nummer gewählt, und während des Wahlvorgangs die SIM-Karte entfernt werden. Dabei wird das Gespräch beendet und der Zugriff auf Bilder und das Adressbuch ist möglich.

Davon betroffen sind in erster Linie iPhone 3GS und iPhone 4. Der Fehler lässt sich aber auch auf iPhone 4S und iPhone 5 reproduzieren, wenn der Sprachassistent Siri deaktiviert wurde, wodurch automatisch die anfällige Sprachsteuerung eingeschaltet wird.

iPhone-Nutzer können sich allerdings vor der Lücke schützen, indem sie auf älteren Modellen in den Einstellungen die Sprachwahl bei aktivierter Passcode-Sperre nicht zulassen. Auf iPhone 4S und iPhone 5 sollte stattdessen Siri eingeschaltet werden.

Passcode-Lücke in iOS 6.1.3Die Passcode-Sperre von iOS 6.1.3 lässt sich mithilfe der Sprachwahl aushebeln (Screenshot: Donna Tam / News.com).

Terence Eden wiederum präsentiert in einem Video, wie sich die Gerätesperre auf einem Galaxy Note 2 mit Android 4.1.2 nun vollständig abschalten lässt. Der Fehler steckt offenbar nur in Samsungs Android-Implementierung aber nicht in der Version, die Google selbst anbietet. Er glaubt, dass auch andere Smartphones der Koreaner betroffen sind.

Die Anfälligkeit hebelt nicht nur eine per PIN gesicherte Gerätesperre aus. Auch die Gesichts- und Mustererkennung sind unwirksam. Vom Sperrbildschirm aus muss ein Angreifer eine falsche Notrufnummer eingeben, um – wie schon zuvor – den Sperrbildschirm kurzzeitig zu überwinden.

Neu ist, dass bei einer mehrfachen Wiederholung des Vorgangs genug Zeit bleibt, um Googles Online-Marktplatz Play zu starten und per Spracheingabe nach „No Locking“-Apps zu suchen. Eine derartige Anwendung ist in der Lage, die Gerätesperre an sich zu deaktivieren. Nach der Installation der Anwendung erhält ein Unbefugter Zugriff auf alle Inhalte des Smartphones, ohne einen PIN oder ein Passwort eingegeben zu haben.

Eden hat Samsung nach eigenen Angaben Ende Februar über die Schwachstelle in der Gerätesperre informiert. Im Gegensatz zu der ersten Lücke habe er dieses Mal jedoch eine Antwort erhalten. Demnach soll ein Software-Fix in Arbeit sein und in Kürze veröffentlicht werden.

Nutzer, die sich noch vor Bereitstellung eines Updates durch Samsung vor der Lücke schützen wollen, können lediglich auf ein ROM eines Drittanbieters zurückgreifen. Im Forum der XDA-Developers wird seit 10. März ein aktualisiertes ROM angeboten, das den Fehler beheben soll.

[mit Material von Don Reisinger, News.com, und Zack Whittaker, ZDNet.com]

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1 Kommentar zu Neue Sicherheitslücken bei iPhone und Samsung-Handys entdeckt

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  • Am 21. März 2013 um 10:11 von Mac-Harry.de

    Android ist tendenziell unsicherer als iOS, doch diese neuen Erkenntnisse setzen dem noch eins oben drauf. Ein neues ROM als Schutz ist ja das allerletzte. Aus unternehmerischer Sicht kommt mir kein Android-Phone in unsere IT-Infrastruktur.

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