W3C-Chef: E-Books und Web wachsen zusammen

Der CEO des World Wide Web Consortium (W3C) Jeff Jaffe hat auf dem Mobile World Congress ein natürliches Zusammenwachsen von E-Books und Web angekündigt. “Das Web und Publizieren, das ist das Gleiche. Es gibt einfach keinen Unterschied mehr.”

W3C-CEO Jeff Jaffe auf dem MWC (Bild: CNET)

W3C-CEO Jeff Jaffe auf dem MWC (Bild: CNET)

Jaffe nannte gleich eine Reihe von Belegen. So basiert das offene E-Book-Format Epub in Version 3.0 auf XHTML, das mit HTML verwandt ist. Es verwendet außerdem die Webstandards CSS für Seitenformatierung und SVG für skalierbare Grafiken. Auch Amazon verwende in seinem proprietären E-Book-Format Webtechniken.

Und drittens versucht Browserhersteller Opera, Webstandards für E-Reader zu nutzen. Das Projekt leitet Operas CTO Håkon Wium Lie selbst – der Erfinder von CSS. Entwickler werden dafür laut CEO Lars Boilesen nur deshalb nicht eingestellt, weil man aufgrund des Wechsels zur Browserengine WebKit Ressourcen umverteilen könne.

“Es gibt bestimmte Aspekte des Web – die Verlinkung, Geschäftsmodelle wie Werbung, der Vertrieb -, die manche Verleger gern übernehmen würden”, sagte Jaffe auf dem MWC. “Das ist auf geschäftlicher Ebene unsere größte neue Initiative.” Das Buch könne durch Webtechniken natürlich auch interaktiver werden.

Interaktivität ist entscheidend für einen weiteren Bereich, in den Web-Techniken Jaffe zufolge drängen: Automobillösungen. Webstandard ermöglichen in In-Car-Systemen zum Beispiel Shopping, Navigation und übliche persönliche Kommunikationsdienste wie E-Mail oder Soziale Netze.

Die technischen Grundlagen habe man durch Mobiltelefone bekommen, erläutert Jaffe. Webanwendendungen mussten lernen, deren Sensoren – etwa für Beschleunigung oder Drehungen – zu nutzen. Das helfe nun bei der Interaktion mit Fahrzeugen. Man arbeite aber daran, die Ablenkung der Entwickler durch Treiber auf ein Minimum zu beschränken.

Während das Web solche neuen Richtungen einschlägt, gehen andere Bemühungen weiter – etwa Web-Video betreffend. Netflix beispielsweise hat vor zwei Jahren mit der Arbeit an einer webbasierten Plattform begonnen. Man begann mit HTML5 und setzte einen Kopierschutz (Digital Rights Management, kurz DRM) darauf. Für eine Standardisierung vorgeschlagene Verfahren ermöglichen es nun, Videostreams zu verschlüsseln und auch die Qualität an die verfügbare Bandbreite anzupassen.

Webtechniken gelten allgemein als Möglichkeit, die Barrieren zwischen PCs und anderen Geräten zu umgehen. Sie lassen Online-Anwendungen zu, die sich gar nicht erst mit der speziellen Hardware befassen, auf der sie laufen.

Schwierig bleibt es allerdings bisweilen, die Web-Philosophie und die Erfordernisse profitorientierter Firmen zusammenzubringen. So widersetzt sich der einflussreiche HTML-Standard-Entwickler Ian Hickson einem von einem DRM kontrollierten Video im Web. Deshalb wird der geplante Standard die Verschlüsselung einer separaten Software übergeben. Demnächst soll er in Browsern Einzug halten.

[mit Material von Stephen Shankland, News.com]

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