Korruptionsverdacht im russischen Silicon Valley

Zwei Manager sollen über eine Tochtergesellschaft etwa 600.000 Euro veruntreut haben. In Skolkowo sitzen sowohl internationale Konzerne wie Cisco, IBM und Microsoft als auch russische Start-ups. Der russische Staat bietet ihnen Fördermittel und Steuererleichterungen.

Zwei Manager des selbst ernannten „russischen Silicon Valley“ in Skolkowo bei Moskau stehen unter Korruptionsverdacht. Die Polizei ermittelt Reuters zufolge, weil sie rund 24 Millionen Rubel (etwa 600.000 Euro) veruntreut haben sollen, mit denen die Regierung den Technologiepark förderte.

Einer der Verdächtigen, Kirill Lugowzew, ist Finanzdirektor der Skolkowo-Stiftung, sein möglicher Komplize Wladimir Chochlow Generaldirektor der Zoll- und Finanzfirma Skolkowo. Das 2009 von Präsident Dmitri Medwedew gestartete Projekt hat mit Steuererleichterungen und hervorragender Infrastruktur rund 300 internationale Konzerne angelockt, darunter Cisco, EMC, IBM, Intel, Microsoft, Nokia und Siemens. Russland hat rund 100 Millionen Euro in die Projektplanung investiert und übernimmt langfristig 50 Prozent der Finanzierung.

Neben diesen Großunternehmen aus dem Westen haben sich auch russische Start-ups in Skolkowo angesiedelt. Sie profitieren von den guten Verbindungen am Standort, aber auch von Fördermitteln, die zwischen 50.000 und 10 Millionen Dollar betragen können. Das strategische Ziel des russischen Staats ist dabei, „das internationale intellektuelle Kapital zu konzentrieren“ und herausragende russische Talente im Land zu halten.

In Skolkowo angesiedelte Firmen (Bild: Informationssite www.sk.ru)
Einige in Skolkowo angesiedelte Firmen (Bild: Informationssite www.sk.ru)

Der Agentur RIA Nowosti zufolge werden im Zuge der Polizeiermittlungen auch alle anderen Manager des Projekts überprüft. Chochlow wurde beurlaubt. Lugowzew ist von seiner Position zurückgetreten und soll zudem in seinem Zweitjob als Vorstand der russischen Energie-Agentur Rosenergo beurlaubt worden sein.

Das Geld haben die Verdächtigen möglicherweise veruntreut, indem sie eine Tochterfirma namens TFK Skolkowo gründeten, die vorgeblich für Zolloperationen zuständig war, aber mit rund zehn Angestellten (Einkommen zwischen 7500 und 15.000 Euro pro Monat) in zwei Jahren nur eine einzige durchführte. Sie mietete außerdem von Lugowzews Eltern Immobilien an, die sie auf eigene Kosten sanierten, schreibt RIA.

[mit Material von Max Smolaks, TechWeekEurope.co.uk]

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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