Linux-Distributionen für die Datenrettung

Unter Linux existieren sehr viele nützliche Werkzeuge, die sich ausgezeichnet zur Datenrettung eignen. Diverse Distributionen bieten diese Tools in einer Sammlung an. Parted Magic, Trinity Rescue Kit und SystemRescueCD zeigen, was sie können.

Datenverlust ist der Albtraum eines jeden Computer-Benutzers. Er kann jeden ereilen. Im schlimmsten Fall handelt es sich um eine defekte Festplatte. Hier helfen nur noch professionelle Dienste, die oft sehr teuer sind. Liegt kein physikalischer Fehler bei der Hardware des Massenspeichers vor, kann man unter Umständen sogar die Daten von einer aus Versehen formatierten Festplatte wiederherstellen.

Einige Linux-Distributionen haben sich auf Datenrettung spezialisiert. Damit können Sie nicht nur auf Linux-Partitionen, sondern auch auf Medien mit Mac-OS-X- und Windows-Dateisystemen zugreifen. In diesem Artikel werden die bekanntesten Distributionen für Datenrettung vorgestellt.

Parted Magic

Das Projekt Parted Magic wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um eine Live-CD zum Partitionieren in der Tasche zu haben. Über die Jahre hat sich das auf Linux basierende Betriebssystem zu einem vollwertigen Datenretter gemausert. Immer wieder kamen wichtige System-Tools hinzu. Die Entwickler wählen dabei aus, was für IT-Techniker oder Administratoren wichtig und wertvoll sein könnte. Parted Magic startet standardmäßig in einen grafischen Modus.

Die Live-CD beinhaltet verschiedene Programme, die sich für Partitionierungs-Aufgaben eignen. Am bekanntesten ist hier die grafische Software GParted, das die Bibliothek libparted benutzt. In der aktuellen Version von Parted Magic ist GParted 14.0 enthalten. Das bringt Unterstützung für LVM mit sich.

Wer mit Linux ein wenig vertraut ist, kennt dieses Werkzeug. Es ist so etwas wie der Quasistandard unter den grafischen Partitionierern. Doch auch die Konsolen-Werkzeuge cfdisk, fdisk, gpart, parted, sfdisk und gdisk sind an Bord. Letzteres ist ein Tool, das mit dem GPT-Format umgehen kann. Um von GPT-Festplatten zu starten, brauchen Sie bekanntlich ein Mainboard mit einem EFI- Bios.

Dateisysteme

Wie die meisten Linux-Distributionen bringt auch Parted Magic die entsprechenden Tools für die Linux-Dateisysteme mit. Dazu gehören e2fsprogs, btrfs, reiser4progs, reiserfsprogs und xfsprogs. Um auf Windows-, Mac- und alte DOS-Dateisysteme zugreifen zu können, sind ntfs-3g, ntfsprogs, hfsplus, diskdev_cmds und dosfstools dabei. Mittels fsarchiver können Sie die Inhalte eines Dateisystems in eine komprimierte Archiv-Datei sichern.

Ebenso bietet Parted Magic einige Benchmark-Tools zum Testen der Laufwerksgeschwindigkeit mit. Hier finden sich die üblichen Verdächtigen wie Bonnie++, dbench und IOzone wieder. Diese haben eigentlich weniger mit Datenrettung zu tun. Es schadet aber nichts, wenn man sie zur Hand hat. Das Paket runden curlftpfs, EncFS, FUSE, sshfs und vmfs-tools ab.

Auf den ersten Blick sieht Parted Magic aus wie eine Linux-Live-CD für Endbenutzer. Doch einen Webbrowser oder LibreOffice findet man nicht. Alle Programme sind Hardcore-Profi-Tools (Screenshot: partedmagic.com).
Auf den ersten Blick sieht Parted Magic aus wie eine Linux-Live-CD für Endbenutzer. Doch einen Webbrowser oder LibreOffice findet man nicht. Alle Programme sind Hardcore-Profi-Tools (Screenshot: partedmagic.com).

Parted Magic Werkzeuge

Manchmal kommt es vor, dass Administratoren oder Servicetechniker defekte Boot Loader wiederherstellen müssen. Für diesen Fall ist Parted Magic ebenso gerüstet. Das Betriebssystem stellt hierfür Tools zur Verfügung, die mit den meisten Situationen umgehen können. Im Einzelnen sind das grub, HDT, install-mbr, lilo, Memtest86+, ms-sys und syslinux.

Da Parted Magic per Standard in eine grafische Oberfläche startet, bringt es natürlich auch diverse grafische Werkzeuge mit sich. Sollte sich auf dem Patienten ein mit TrueCrypt verschlüsseltes Volumen befinden, ist dieses Tool natürlich von Vorteil.

Des Weiteren können Sie mit Xfburn Daten direkt auf CD oder DVD brennen. GSmartControl ist eine grafische Oberfläche für smartctl. Damit können Sie interne Festplatten auf ihren Gesundheitszustand prüfen. Als Internet-Browser ist in der neuesten Version Mozillas Firefox vorhanden. Disk Eraser erlaubt das sichere Löschen von Festplatten mittels dd, shred oder nwipe. Das bekannte Tool zum Editieren von CD- und DVD-Abbildern ISO Master ist ebenfalls mit von der Partie. Dem Dateimanager SpaceFM wurden zwei Plugins spendiert. Somit lassen sich Samba-Freigaben direkt einbinden und Sie können ClamAV direkt aus dem Dateimanager nutzen.

Wichtige Konsolenprogramme

Parted Magic bringt auch viele Konsolenprogramme mit sich. Linux-Kennern dürften viele davon gut bekannt sein. Mit extundelete und ext3grep können Sie gelöschte Dateien von ext3- und ext4-Dateisystemen wiederherstellen.

Mittels safecopy können Sie unter Umständen Dateien von defekten Datenträgern retten. Ebenso für das Retten von Daten sind PhotoRec und TestDisk zuständig. Mit Clonezilla und Ghost4Linux befinden sich zwei Tools an Bord, mit denen Sie recht komfortable Partitionen oder ganze Festplatten zu duplizieren.

Der freie Virenscanner ClamAV ist ebenfalls vorhanden. Natürlich haben die Entwickler auch an rsync, Midnight Commander, mdadm und OpenSSH gedacht. Mit rTorrent ist sogar ein konsolenbasierter BitTorrent-Client an Bord.

Eine Liste mit Programmen, die sich in Parted Magic befinden, gibt es auf der Entwickler-Seite, die allerdings nicht ganz aktuell ist. Es fehlt zum Beispiel Ghost4Linux. Die aktuelle Version können Sie aus dem Download-Bereich der Projektseite herunterladen. Es gibt drei Varianten. Die erste sollte den meisten Anwendern dienen. Die i486-Ausgabe ist für ältere Rechner mit i586- oder PII-Prozessoren gedacht. Die Variante x86_64 ist nicht wirklich ein 64-Bit-Betriebssystem. Allerdings können Sie nur mit dem Kernel dieser Ausgabe in eine chroot-Umgebung von x86_64-Rechnern wechseln.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Linux-Distributionen für die Datenrettung

  • Am 23. November 2012 um 07:36 von folkarus

    Parted Magic hatte bei mir immer einen aktuellen Firefox als Web Browser. Wundert mich das unter den screenshot steht das keiner dabei wäre.

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