Infineon kündigt nach deutlichem Gewinnrückgang Kurzarbeit an

Infineon hat seine Bilanz (PDF) für das vierte Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2012 (bis 30. September) vorgelegt. Demnach gingen die Einnahmen nach IFRS nach Zuwächsen von 51 und 21 Prozent in den beiden Vorjahren um 2 Prozent auf 3,904 Milliarden Euro zurück. Der Konzernjahresüberschuss schrumpfte von 1,119 Milliarden Euro auf 427 Millionen Euro. Im Rekordergebnis des Vorjahrs waren allerdings einmalige Erlöse aus dem Verkauf des Mobilfunkgeschäfts an Intel enthalten.

Das Gesamtsegmentergebnis sank im Jahresvergleich von 786 Millionen Euro auf 527 Millionen Euro. Die Segmentergebnis-Marge reduzierte sich von 19,7 auf 13,5 Prozent. Sie liegt damit innerhalb des prognostizierten niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereichs. Das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten verschlechterte sich von 744 auf 432 Millionen Euro.

“Die Staatsschuldenkrise und die nachlassende Wachstumsdynamik in Asien haben die Weltwirtschaft belastet. Mit dem konjunkturellen Gegenwind ist Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr gut zurechtgekommen. Wir haben unsere Ziele erreicht”, sagte Reinhard Ploss, seit sechs Wochen Vorstandschef von Infineon, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Neubiberg bei München. Allerdings werde der konjunkturelle Gegenwind stärker. “Und wir sehen nicht, dass er sich schnell drehen wird.”

Als Reaktion will der Halbleiterhersteller jetzt in einigen Bereichen Kurzarbeit einführen. Werke die nicht ausgelastet sind, sollen vorübergehend geschlossen und die Zahl von Zeitverträgen reduziert werden. Neueinstellungen wird es vorerst ebenfalls nicht mehr geben.

Um sich für die nächsten Monate zu rüsten, will Infineon die Kosten weiter senken, wie Ploss schon vor der Vorstellung der Jahresbilanz mehrmals betonte. Im nächsten Geschäftsjahr sollen die Investitionen um 100 Millionen auf 400 Millionen Euro gekürzt werden. Weniger brisante Projekte will man verschieben.

Reinhard Ploss (Bild: Infineon)

Reinhard Ploss (Bild: Infineon)

Im vierten Quartal des Fiskaljahres 2012 sank der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um ein Prozent auf 982 Milliarden Euro und damit weniger stark als von Analysten erwartet. Das Nettoergebnis aus fortgeführten Geschäften verbesserte sich von 90 auf 129 Millionen Euro. Das Gesamtsegmentergebnis schrumpfte hingegen von 126 auf 116 Millionen Euro. Auch die Gesamtsegmentergebnis-Marge ging zurück, von 12,7 auf 11,8 Prozent. Der Konzernüberschuss betrug 138 Millionen Euro gegenüber 82 Millionen Euro im Vorquartal. Der unverwässerte Aktiengewinn stieg von 0,08 auf 0,13 Euro.

Um die Anleger milde zu stimmen, kündigte das Unternehmen eine gegenüber dem Rekordjahr 2011 unveränderte Dividende von 12 Cent je Aktie an. Sollten Aufsichtsrat und die kommende Hauptversammlung im Ferbruar 2013 dem Vorschlag des Vorstands zustimmen, entspräche dies einer Ausschüttungssumme von rund 129 Millionen Euro.

Infineon macht vor allem die Unsicherheit wegen der teilweise hohen Staatsschulden für die aktuell schwierige Situation verantwortlich. Viele Kunden hielten sich derzeit mit Investitionen zurück. Daran werde sich voraussichtlich auch in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2012/13 nichts ändern. Daher gehe man von einem Umsatzrückgang zwischen 5 und 9 Prozent aus. Vor allem im Industriesektor sei mit deutlich sinkenden Einnahmen zu rechnen, während das Minus in den Bereichen Automotive, Sicherheit und Energie eher gering ausfallen soll.

Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahrs 2013 erwartet Infineon einen Umsatzrückgang “um einen niedrigen Zehnerprozentsatz” und eine Gesamtsegmentergebnis-Marge zwischen 4 und 6 Prozent. Im Gesamtjahr werde der Konzernumsatz voraussichtlich um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz sinken. Die Gesamtsegmentergebnismarge soll “im mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz” liegen.

Die Börse nahm die Zahlen und den Ausblick positiv auf. Der Kurs der Infineon-Aktie stieg vorübergehend auf 5,61 Euro. Gegen 13 Uhr lag das Papier noch über fünf Prozent im Plus bei 5,53 Euro.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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