Foxconn räumt „Disput“ in chinesischem iPhone-Werk ein

Der Apple-Zulieferer dementierte die Unruhen am Freitag zunächst ganz. Jetzt bestätigte er die Arbeitsverweigerung von einigen Hundert Mitarbeitern der Qualitätskontrolle. Darüber hatten zuvor China Labor Watch sowie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Nach einem zunächst vollständigen Dementi hat Apple-Zulieferer Foxconn Unruhen in seinem Werk in Zhengzhou eingeräumt, die auf verstärkte Qualitätsanforderungen bei der Herstellung des iPhone 5 und damit weiter erhöhten Arbeitsdruck zurückzuführen waren. Am Sonntag räumte der Apple-Zulieferer gegenüber der Financial Times ein, dass über 200 Mitarbeiter der Qualitätskontrolle am Freitag die Arbeit verweigert hatten, um gegen den hohen Produktionsdruck zu protestieren. Außerdem bestätigte Foxconn-Sprecherin Liu Kun gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Securities Times, 300 bis 400 Mitarbeiter hätten am Freitag an einem zweistündigen Streik teilgenommen.

Foxconn-Baustelle in Zhengzhou (Bild: Jay Greene / News.com)

Aus Zhengzhou erfuhr die FT außerdem, dass Qualitätsinspektoren von Arbeitern bedroht oder sogar geschlagen wurden. Das Werk in Zhengzhou ist eines von zwei Werken in China, in denen Apples iPhone 5 hergestellt wird. Die Arbeiterschutzorganisation China Labor Watch (CLW) hatte von einem Produktionsstillstand nach einem Streik berichtet, an dem 3000 bis 4000 Arbeiter teilnahmen.

Foxconn hatte daraufhin zunächst behauptet, es sei lediglich einige Tage zuvor am 1. und 2. Oktober zu vereinzelten Zwischenfällen gekommen, die keinerlei Folgen für die Produktion gehabt hätten. „Jegliche Berichte über einen Streik von Mitarbeitern sind unzutreffend“, hatte es in einer ersten Stellungnahme Foxconns geheißen.

Einen Produktionsstillstand wollte der Auftragsfertiger auch hinsichtlich der inzwischen eingeräumten Unruhen am Freitag nicht zugeben. „Der Zwischenfall wurde durch eine emotionale Konfrontation zwischen Qualitätsinspektoren und Arbeitern an den Fertigungslinien ausgelöst“, erklärte Foxconn. „Nachdem wir die Probleme geklärt haben, nahmen die Arbeiter der Freitagsschicht ihre Arbeit wieder auf, und es hatte praktisch keine Auswirkungen auf die Fertigungslinien.“

Vom Ausstand der Qualitätskontrolleure wusste schon am Samstag die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, die sich auf einen Behördensprecher in Zhengzhou berief. Dieser hatte von rund 100 Qualitätsinspektoren berichtet, die am Freitag die Arbeit verweigerten, nachdem sie angeblich von Produktionsarbeitern verprügelt wurden. „Die Anweisung, die Qualitätsinspektionen für das iPhone 5 zu verstärken, kam von Apple nach vielfachen Kundenbeschwerden über optische Beeinträchtigungen des Mobiltelefons“, zitierte Xinhua den Sprecher.

Auch der von Foxconn dementierte CLW-Bericht sah die Qualitätskontrolleure im Mittelpunkt des Ausstands. Sie stehen zwischen den Fronten, da sie noch höhere Anforderungen durchsetzen müssen und damit den bereits schwer erträglichen Arbeitsdruck weiter steigern. Bei den strittigen Qualitätsanforderungen ging es um die Vermeidung auch kleinster optischer Beinträchtigungen, die Käufern des iPhone 5 schon beim Auspacken auffielen. Das neue iPhone ist zwar eloxiert, aber die schützende Schicht aus Aluminiumoxid ist nur 20 Mikrometer dick und offenbar weniger kratzresistent als Glas oder Edelstahl.

China Labor Watch ergänzte heute seinen Bericht mit Informationen von Arbeitern bei Foxconn Zhengzhou. Demnach haben am 5. Oktober morgens über 300 Qualitätsinspektoren die Arbeit verweigert, später sollen sich Qualitätsinspektoren anderer Werksbereiche dem Streik angeschlossen haben. Den Arbeitern zufolge sind in jeder Fertigungsstätte rund 100 Qualitätsinspektoren tätig. Bei mehr als 70 beteiligten Fertigungsstätten hätten schließlich 3000 bis 4000 Arbeiter an dem Streik teilgenommen.

Foxconn hatte auch schon die gewalttätigen Arbeiterunruhen in seinem Werk in Taiyuan heruntergespielt, bei denen Ende September rund 5000 Polizisten im Einsatz waren. Obwohl 2000 Arbeiter beteiligt waren und das Werk vorübergehend geschlossen werden musste, sprach der Auftragsfertiger von einem „Zwischenfall“ und einer „persönlichen Auseinandersetzung“.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

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