Facebook testet Prozessoren von ARM und Tilera in seinen Rechenzentren

Die Chips von Intel-Konkurrenten könnten Facebooks Stromrechnung reduzieren. ARM-Server benötigen pro Knoten nur 5 Watt - bei Intel sind es 20 Watt. Vor einer breiten Einführung wartet Facebook allerdings auf die für 2013 angekündigten 64-Bit-CPUs von ARM.

Facebook setzt im Rahmen von Tests Prozessoren von ARM und Tilera in seinen Rechenzentren ein. Das Social Network will herausfinden, ob es Alternativen zur x86-Architektur verwenden kann, um seine Stromrechnung zu reduzieren und die Leistung seiner Server zu erhöhen.

Logo ARM

Zwei Hardware-Ingenieure erklärten, die Tests seien auf bestimmte Anwendungsbereiche ausgerichtet und erfolgten in normalen Alltagssituationen. Ein regulärer Einsatz sei aber erst mit der Einführung von 64-Bit-CPUs von ARM im kommenden Jahr geplant. „Ich glaube, ARM-64 ist deutlich interessanter für Rechenzentren“, sagte Matt Corddry, Manager für Hardware-Design bei Facebook. „Wir warten gespannt auf die Markteinführung, weil wir toll finden, was die ARM-Community macht.“

ARM ist vor allem als Entwickler von Prozessoren für Smartphones wie das iPhone 5 von Apple bekannt. Die Chips sind unter anderem wegen des RISC-Befehlssatzes beliebt, der etwas einfacher ist als Intels x86-Befehlssatz und den CPUs hilft, weniger Strom zu verbrauchen als Intels Produkte. Ein ARM-basierter Server von Calxeda benötigt nur rund 5 Watt pro Knoten, während Intels sparsamster Prozessor Xeon E3 etwa 20 Watt verbraucht. Ob Facebook aber tatsächlich Server von Calxeda nutzt, wollte das in Texas ansässige Unternehmen nicht bestätigen.

Ein oft genanntes Einsatzgebiet für ARM-Server ist Cloud-Computing, was ARM zufolge die Arbeitslasten von Servern verändert hat. Im Vordergrund stehe nun die parallele Verarbeitung einfacher Aufgaben. Das zunehmende Wachstum von Rechenzentren zwinge die Betreiber zudem, stärker auf den Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten zu achten.

Facebooks größtes Rechenzentrum in Prineville im US-Bundesstaat Oregon wird nach einem vollständigen Ausbau rund 80 Megawatt Strom benötigen. Bei einer angenommenen Effizienzeinstufung (PUE, Power Usage Effectiveness) von 1,25 wird Facebook künftig 64 Megawatt für Server, Netzwerk und Computing-Ressourcen verbrauchen. In diesem Maßstab hat ein Verbrauch von 5 Watt pro Server-Node im Gegensatz zu 20 Watt pro Server-Node erhebliche Auswirkungen. Facebook könnte so bei gleich bleibendem Energieverbrauch vier ARM-Server statt eines Intel-Servers betreiben.

Bei Servern mit CPUs von Tilera geht es hingegen weniger um Energieeffizienz und mehr um Leistung. Laut einer Fallstudie von Facebook (PDF) ermöglicht ein 64-Kern-Prozessor von Tilera, wenn er für einen Memcached-Server eingesetzt wird, eine Performancesteigerung von 67 Prozent gegenüber Chips von Intel.

Cloud-Firmen führen, im Gegensatz zu anderen Unternehmen, auf einem Server nicht unterschiedliche Applikationen aus, sondern „dieselbe Anwendung tausendfach verteilt auf unterschiedlichen Servern“, sagte Amir Michael, Manager of System Engineering bei Facebook. Aus diesem Grund sei es für Cloud-Unternehmen von Vorteil, bestimmte Anwendungen an die Besonderheiten einer Prozessor-Architektur anzupassen.

Facebook sendet damit ein klares Signal an AMD und Intel, dass sie nicht mehr die einzigen Hersteller von Server-Prozessoren sind. Michael zufolge ist der Einsatz von ARM-Servern bei Facebook nur noch eine Frage der Zeit.

[mit Material von Jack Clark, ZDNet.com]

Themenseiten: ARM, Facebook, Networking, Prozessoren, Server, Servers, Soziale Netze

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