Hands-on: Synaptics ForcePad – die nächste Touchpad-Generation

Touchpads und Clickpads sind vielleicht bald passé. Die nächste Generation von Eingabegeräten, wie das ForcePad von Synaptics, ermöglicht die drucksensitive Interaktion mit dem Notebook.

Synaptics bereitet sich auf den Wechsel zu Windows 8 vor und möchte Notebook-Hersteller zum Umstieg auf eine völlig neue Art von TouchPad bewegen, das auf den Namen ForcePad hört. Die amerikanischen Kollegen von CNET haben sich kürzlich mit Vertretern des Unternehmens in New York getroffen, um das neue Touch-Interface, das auf bewegliche Teile verzichtet und das Prinzip um Druckempfindlichkeit erweitert, einmal anzutesten.

Seit Synaptics das Touchpad im Jahr 1995 erfand, ist die Bedienung mittels berührungsempfindlichen Eingabegeräten zu einem immer wichtigeren Teil der Interaktion mit moderner Technik geworden. Synaptics stellt mittlerweile auch Touchscreens für Smartphones, Tablets und Notebooks her.

Aber Notebook-Touchpads sind mit langsamen Reaktionszeiten, winzigen Maustasten und schlechter Unterstützung oder Umsetzung von Multitouch-Gesten gleichzeitig auch oft ein Ärgernis für den Anwender. Für etliche dieser Probleme sind die PC-Hersteller selbst verantwortlich, die ständig zwischen Lieferanten wechseln, um die Kosten zu senken. So kann es selbst innerhalb einer Notebook-Serie dazu kommen, dass Touchpads völlig unterschiedlich reagieren.

Eine weiterer Teil des Problems ist die antiquierte Vorstellung, dass man eine Art physischer Taste drücken will oder muss – egal ob es sich dabei um winzige linke und rechte Maustasten oder ganze Bereiche des Pads selbst handelt.

 

Das ForcePad erkennt 64 Druckstufen von bis zu fünf Fingern gleichzeitig.
Das originale Touchpad-Design opferte Gleitfläche für die Integration der linken und rechten Tasten, was die Navigation mit den Fingern erschwerte. Als nächste Evolutionsstufe kamen die Clickpads auf, bei denen es keine separaten Tasten mehr gab. Stattdessen wurden die Funktionen für den Links- und Rechtsklick in die unteren Ecken des Pads integriert. Das Pad selbst hat dabei an der der Tastatur zugewandten Seite Scharniere, so dass unterhalb der Gleitoberfläche eine ganze Teilfläche des Pads beim Mausklick heruntergedrückt wird. Solche Clickpads kamen beispielsweise in den letzten Generationen von Apples MacBooks zum Einsatz; mittlerweile werden sie aber auch von Dell, HP und anderen Herstellern verbaut.

Das Hauptproblem bei Clickpads liegt schlichtweg in der Unhandlichkeit dieses Scharnier-Designs. Da einfaches Tippen – gewöhnlich mit einem Finger für einen Links- und mit zwei Fingern für einen Rechtsklick – gut funktioniert, würde ein flaches, unbewegliches Pad, das weniger bewegliche Teile hat und Interaktionen nicht auf bestimmte Zonen auf dem Pad selbst beschränkt, den Vorzug erhalten.

Das neue ForcePad von Synaptics ist genau das, wonach auch im Testlabor gesucht wurde. Diese neue Art von Pad, das hoffentlich ab dem nächsten Jahr in den ersten Notebook zu sehen sein wird, hat überhaupt keine physischen Tasten mehr. Stattdessen handelt es sich hier um flaches, festes Pad, womit das das ganze Touchpad-Modul dünner ausfallen kann, was wiederum für das Design ultraflacher Notebooks hilfreich ist.

Das ForcePad erweitert das Touchpad-Konzept aber auch noch um die Druckempfindlichkeit. Ein ForcePad weiß genau, wie fest und mit wie vielen Fingern gerade gedrückt wird: Es kann derzeit 64 Druckstufen von bis zu fünf Fingern gleichzeitig erkennen.

Diese Standalone-Einheit ist nur für die Tests von Software- und Hardware-Designern entwickelt worden.
 

Während einer kurzen Hands-on-Demonstration zeigt Synaptics sowohl ein klobiges Standalone-ForcePad, das für Tests durch Software- und Hardware-Designer gebaut wurde und so nicht in den Handel kommen wird, sowie ein in einem bereits veröffentlichten Lenovo-Notebook installiertes ForcePad.

Zwei spezielle Software-Apps, die auch in dem Video der amerikanischen Kollegen zu sehen sind, demonstrieren dabei die Druckempfindlichkeit des ForcePads. Die eine App erfasst die Position und den Druck von bis zu fünf Fingern, während man in der zweiten ein Flugzeug steuert, indem unterschiedlich viel Druck durch zwei stationär aufliegende Finger ausgeübt wird.

Zumindest in dem angetesteten Demo-Setup fühlt sich die vollkommen flache, überall zum Tippen nutzbare ForcePad-Oberfläche komfortabel an und funktioniert ausgezeichnet. Das Hinzufügen einer „dritten Dimension“, in der der ausgeübte Druck eine Art Z-Achse darstellt, ist genau die Art von Ausstattungsmerkmal, mit dem Hersteller von Premium-Ultrabooks und Windows-8-Notebooks besser mit Apple konkurrieren können. Denn Apple-Notebooks integrieren die derzeit besten Touchpads – mit weitem Abstand zur Konkurrenz. Aber natürlich heißt das ja nicht, dass nicht auch Apple-Notebooks künftig ein ForcePad oder etwas ähnlich Fortschrittliches integrieren könnten.

Ausblick

Erste Notebooks mit dieser neuen Touchpad-Technik sollten nächstes Jahr auf den Markt kommen. Synaptics‘ ForcePad-Hardware wird aber bereits im Oktober im Rahmen eines studentischen Innovationswettbewerbs auf dem UIST-Symposium (User Interface Software & Technology) genutzt werden.

Überblick

Positiv weniger mechanisch bewegte Teile als Touch-/Clickpads
mehr Navigationsfläche, die überall „klickbar“ ist
Druckerkennung ermöglicht neue Nutzungsmöglichkeiten
Negativ wird erst ab 2013 in Notebooks verbaut
Zusammenfassung Wer die heutigen Touch- und Clickpads als suboptimal empfindet, darf sich auf nächstes Jahr freuen: Mit Synaptics‘ ForcePad – und sicherlich auch konkurrierenden Lösungen – kommt eine völlig neue Eingabetechnik auf den Markt, die sensibel auf den durch die Finger ausgeübten Druck reagiert.

[Mit Material von Dan Ackerman, CNET.com]

Themenseiten: Notebook, Synaptics

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