Fraunhofer stellt H.264-Nachfolge-Codec HEVC im September vor

Er benötigt bei gleicher Qualität in etwa die halbe Bandbreite. Davon profitieren Smartphone-Übertragungen und Handynetzbetreiber. Durch Kacheln wird das Dekodieren auf Mehrkern-Systemen zusätzlich beschleunigt. Das Problem: Er ist lizenzpflichtig.

Das Fraunhofer Institut und Ericsson werden mit HEVC den Nachfolgestandard von H.264 im September vorstellen. HEVC steht für High Efficiency Video Coding. Bei gleicher Qualität soll das Verfahren nur die halbe Bandbreite von H.264 in Anspruch nehmen. Wie der Vorgänger hat es einen Nachteil: Es verwendet patentierte Techniken und ist daher mit Lizenzzahlungen verbunden.

Logo der MPEG LA

Der Zeitplan sieht nach jahrelanger Entwicklungsarbeit vor, dass HEVC alias H.265 ab 6. September auf der TV-Branchenmesse IBC in Amsterdam zu sehen sein wird. Eine finale Version des Standards soll im Januar folgen – ungefähr zehn Jahre nach dem Start von H.264.

Zu den Unterschieden zählt, dass HEVC Videoframes in Blöcke von 64 mal 64 Pixeln aufteilt, H.264 aber in solche mit 16 mal 16 Pixeln. Frames lassen sich außerdem in mehrere „Kacheln“ untergliedern und separat bearbeiten, was den Eigenschaften von Mehrkern-Prozessoren entgegenkommt und so die Dekodierung auf solchen Systemen beschleunigt. Als maximale Auflösung sind 7680 mal 4320 Pixel vorgesehen. Aufgrund der reduzierten Bandbreitenanforderungen ist HEVC aber auch für Smartphones interessant, auf denen eine weit geringere Auflösung genügt.

Das Fraunhofer Institut argumentiert, HEVC sei nötig, um hochauflösendes Video zu unterstützen, ohne die Zahl der Fernsehkanäle zu reduzieren. Als Technikentwickler will es mit Lizenzen verdienen. Ericsson dagegen stellt in Amsterdam Ausrüstung vor, mit der Anbieter Inhalte auf Mobilgeräte bringen können. Hinter HEVC stehen außerdem etwa Microsoft, Qualcomm und Samsung, die alle in der MGEG LA organisiert sind, die wiederum Lizenzgebühren für H.264 und künftig wohl auch H.265 eintreibt.

Ein Erfolg von HEVC wäre allerdings ein Problem für Google und Mozilla, die seit Jahren um einen freien Videostandard fürs Web kämpfen. Google hat einen Codec namens VP8 zu diesem Zweck öffentlich gemacht. Für Mozilla besteht das Problem im Konflikt zwischen Patentrechten und Open-Source-Lizenzen wie der von Firefox. Google hatte daher angekündigt, seine Unterstützung von H.264 aus Chrome zu entfernen, aber zunächst aus praktischen Gründen einen Rückzieher gemacht.

Die MPEG LA dagegen ging im Jahr 2011 gegen V8 vor. Im Februar dieses Jahres begann sie, durch den freien Codec verletzte Patente zu sammeln, um auch ihn lizenzpflichtig zu machen. Bis heute wird eine solche Lizenz aber nicht angeboten.

Mit WebRTC haben die Widersacher zuletzt ein neues Konfliktfeld gefunden. Es handelt sich um einen Entwurf für einen Standard, um Echtzeit-Chats inklusive Audio und Video im Web abzuhalten. Google möchte V8 zum verpflichtenden Codec für WebRTC machen, und auch Timothy Terriberry von Mozilla sagt: „Wir sind absolut der Meinung, dass WebRTC unbelastet bleiben sollte.“ Die MPEG LA schlägt H.264 vor. Audio-Codec-Designer Jean-Marc Valin fasst die Lage so zusammen: „Es gibt nicht nur weiter keinen Konsens, welcher Codec verwendet werden soll, sondern es gibt auch keine wirklichen Schritte, um überhaupt einen Konsens zu finden.“

[mit Material von Stephen Shankland, News.com]

Themenseiten: Ericsson, Fraunhofer, Google, HDTV, Microsoft, Mozilla, Patente, Samsung, Streaming

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