Facebook prüft Chats und Nachrichten auf kriminelle Aktivitäten

Ein Software-Tool markiert verdächtige Konversationen. Kriterien dafür sind die Beziehung der Beteiligten zueinander und auch der Inhalt. In mindestens einem Fall führt die Kontrolle zur Verhaftung eines mutmaßlichen Sexualstraftäters.

Facebook untersucht offenbar die Inhalte seiner Chats und Nachrichten auf kriminelle Aktivitäten. Facebooks Chief Security Officer hat gegenüber der Agentur Reuters bestätigt, dass verdächtige Inhalte genauer geprüft würden, um möglicherweise zusätzliche Schritte einzuleiten oder gar die Polizei zu informieren.

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„Ein Mann Anfang 30 hat mit einem 13-jährigen Mädchen aus Florida über Sex gechattet und für den nächsten Tag ein Treffen nach der Schule verabredet“ heißt es in dem Bericht über einen konkreten Fall. „Facebooks weitreichende, aber wenig diskutierte Technik für das Scannen von Nachrichten und Chats nach kriminellen Vorgängen markierte die Unterhaltung automatisch für Mitarbeiter, die sie gelesen und sofort die Polizei gerufen haben. Beamte übernahmen die Kontrolle über den PC des Mädchens und verhafteten den Mann am nächsten Tag.“

Facebooks Software konzentriert sich demnach auf Gespräche zwischen Mitgliedern, die nur lose miteinander verbunden sind. Kriterien dafür sind, dass sie erst seit Kurzem befreundet sind, keine gemeinsamen Freunde haben und nur wenig Kontakt pflegen. Das Tool berücksichtige aber auch Dinge wie Altersunterschied und den Standort von Personen.

Das Scan-Programm sucht Reuters zufolge auch nach bestimmten Formulierungen, die aus Chat-Protokollen von Kriminellen und Sexualstraftätern entnommen wurden. Die Analyse der Beziehung zwischen zwei Personen und des Inhalts ihrer Konversation muss sich entsprechend ergänzen, bevor sich ein Mitarbeiter eine Unterhaltung tatsächlich anschaut und entscheidet, ob die Behörden eingeschaltet werden.

„Wir wollten niemals eine Umgebung schaffen, in der Mitarbeiter private Gespräche prüfen. Von daher ist es sehr wichtig, dass wir eine Technik mit einem sehr geringen Anteil an Falschmeldungen verwenden“, sagte Sullivan gegenüber Reuters. Auch wenn es nur wenige Details über das Tool gibt, ist sehr wohl bekannt, dass Facebook mit der Polizei zusammenarbeitet. Als US-Unternehmen muss es sich an dortige Gesetze halten. Erst vor wenigen Monaten übergab das Soziale Netzwerk aufgrund eines gerichtlichen Beschlusses 62 Fotos, Nachrichten, Kontakte und Pinnwandeinträge eines Mordverdächtigen.

Seine Zusammenarbeit mit Strafverfolgern beschreibt Facebook im Hilfe- und Sicherheitsbereich unter den Titeln „Strafverfolgung und Rechtsangelegenheiten Dritter“ sowie „Information für Strafvollzugsbehörden„. Eine breitere Diskussion zu seiner Überwachungstechnologie wird das Unternehmen wohl vermeiden wollen. Vielen Nutzern könnte der Gedanke, dass ihre Unterhaltungen auf Facebook von einer Software überwacht werden, nicht gefallen.

[mit Material von Emil Protalinski, News.com]

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Stefan Beiersmann
Autor: Stefan Beiersmann
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