Über Tausend Foxconn-Angestellte in Chengdu randalieren

Es ging ums Essen und die Unterkünfte. Einer Zeitung aus Hongkong zufolge waren die Aufständischen auch mit ihrer Bezahlung unzufrieden. Foxconn bestreitet das. Es sieht sich nicht betroffen, da ihm die Unterkünfte nicht gehören.

Arbeiter in Foxconns Fabrik im chinesischen Chengdu haben diese Woche rebelliert. Der Zeitung Ming Pao aus Hongkong zufolge war es schon am Montag in nicht auf Firmengelände liegenden Unterkünften zu Zwischenfällen mit dem Sicherheitspersonal gekommen. Später sei die Situation eskaliert: Über tausend Foxconn-Angestellte sollen beispielsweise Feuerwerkskörper gezündet und mit Einrichtungsgegenständen geworfen haben.

Logo von Foxconn

Das Sicherheitspersonal soll die Polizei gebeten haben, die Unruhen zu unterdrücken. Es kam zu Dutzenden Festnahmen, wie in Berichten aus China steht. Gegenüber PC Magazine kommentierte Foxconn, es sei nicht Eigentümer der Unterkünfte und habe auch nur mittelbar von den Unruhen erfahren. „Wir wurden von der Polizei informiert, dass es am späten Montagabend zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Angestellten unserer Fabrik in Chengdu und einem Restaurantbesitzer kam. Uns wurde auch gesagt, dass die Angestellten anschließend zu ihrer Unterkunft außerhalb des Firmengeländes zurückkehrten, die Dritten gehören und von diesen auch betrieben werden. Zu diesem Zeitpunkt ließen sich wohl auch die anderen Bewohner in die Meinungsverschiedenheit verstricken, und man rief die Polizei, um die Ordnung wiederherzustellen.“

Foxconn habe der Polizei seine volle Unterstützung bei der Aufklärung zugesagt, hieß es auch. Ming Pao schreibt noch, die Aufständischen seien mit ihrer Bezahlung unzufrieden gewesen. Foxconn bestreitet dies.

Seitdem einige Arbeiter in den letzten Jahren auf dem Gelände von Foxconns Fabriken Selbstmord begangen haben, steht der Auftragsfertiger zunehmend wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen in der Kritik. Er wurde beschuldigt, Minderjährige zu beschäftigen, seine Arbeiter in unwürdigen Wohnverhältnissen unterzubrigen und sie zu überstrapazieren. Im letzten Jahr kam es gar zu einer Werksexplosion, bei der es Tote und Verletzte gab.

Apple reagierte Mitte Februar auf Vorwürfe, es interessiere sich nicht ausreichend für die Arbeitsbedingungen bei seinem Auftragsfertiger, und gab eine Prüfung durch die unabhängige Fair Labor Association (FLA) in Auftrag. Sie beanstandete schwere Arbeitsrechtsverstöße, exzessive Überstunden und Risiken für die Gesundheit der Angestellten. Foxconn musste daraufhin versprechen, es werde seine Fabriken bis Juli 2013 in Einklang mit den FLA-Richtlinien bringen. Arbeiter fürchten allerdings weiter, bei weniger Überstunden auch weniger Geld zu bekommen – und damit die Hoffnung auf kleine Ersparnisse jenseits der Lebenshaltungskosten aufgeben zu müssen.

Laut einem Bericht der Arbeitsrechtsgruppe Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour (Sacom) von Ende Mai sind strapaziöse Arbeitsbedingungen, erniedrigende Disziplinierungsmaßnahmen und beengte Wohnverhältnisse weiterhin „die Norm“ bei Arbeitern von Foxconns Fabriken in China. Manager der Fertigungsstätten, in denen unter anderem Hardware für Apple, Hewlett-Packard, Dell, Microsoft und Sony hergestellt wird, versuchten Arbeiter zu disziplinieren, indem sie sie zwingen, „Bekenntnisschreiben“ zu erstellen und laut vorzulesen sowie Toiletten zu putzen.

Arbeiter eines Apple-Zulieferers in Shanghai (Bild: Apple)
Arbeiter eines Apple-Zulieferers in Shanghai (Bild: Apple)

[mit Material von Don Reisinger, News.com]

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