Update: EU-Parlament verabschiedet niedrigeres Roaming-Limit

Die Regelung hat sich vor zwei Jahren eine Facebook-Kampagne ausgedacht. Ab Juli soll ein Limit von 29 Cent für die Telefonminute und von 20 Cent pro Megabyte Daten gelten. 2014 sinken die Preise erneut.

Das EU-Parlament in Brüssel stimmt heute über ein niedrigeres Limit für Roaminggebühren ab. Dies gilt als Erfolg der vor zwei Jahren auf Facebook gestarteten Kampagne „Europeans for Fair Roaming„, die inzwischen mehr als 150.000 Unterstützer hat.

Update: Das EU-Parlament hat den neuen Obergrenzen wie erwartet zugestimmt. Die Regelung tritt wie geplant zum 1. Juli in Kraft.

Plakat von Europeans for Fair Roaming

Betreiber von Mobilfunknetzen verlangen überproportional hohe Gebühren, wenn Anwender im Ausland telefonieren, SMS verschicken oder Datendienste nutzen. Sie rechtfertigen dies durch einen Mehraufwand bei der Abrechnung. Die Gegner glauben aber, dass diese Praxis einen einheitlichen europäischen Telekommunikationsmarkt verhindert und damit die europäische Wirtschaft schwächt.

Der zur Abstimmung stehende Vorschlag sieht eine Begrenzung ab Juli vor. Telefongespräche würden pro Minute auf 29 Eurocent (für Bundesbürger inklusive Mehrwertsteuer: 35 Cent) limitiert, SMS auf 9 Cent und das Megabyte Daten auf 20 Cent. 2014 sollen die Preise erneut sinken: auf höchstens 19 Cent für die Telefonminute und 6 Cent für die SMS.

„Wir haben im Mai 2010 angefangen“, sagt der Koordinator der Kampagne, Bengt Beier. „Aus einer Facebook-Aktion entwickelte sich Europeans for Fair Roaming. Unsere Unterstützer haben völlig verschiedene Hintergründe; es ist auch ein Dutzend Mitglieder des europäischen Parlaments dabei.“

Beier zufolge sind die Roaminggebühren für die Provider nur eine Möglichkeit, mehr Gewinn zu machen. In Österreich zahle er für ein Gigabyte an Daten etwa 4 Euro. Die gleiche Menge würde ihn im Ausland etwa 1200 Euro kosten. „Die tatsächlichen Kosten, um diesen Dienst bereitzustellen, können gar nicht so hoch sein.“ Die Zahl sei aber auch nicht aus der Luft gegriffen; die europäischen Betreiber hätten Verträge miteinander, in denen sie sich solche Summen garantierten. „Das ist ein praktisches System. Es treibt die Preise hoch, statt sie zu senken.“

Aktuelle und vorgeschlagene Preisobergrenzen auf der Endkundenebene (ohne Mwst.)

  derzeit 1. Juli 2012 1. Juli 2013 1. Juli 2014
Daten (pro MByte) keine 70 Cent 45 Cent 20 Cent
ausgehende Anrufe (pro Minute) 35 Cent 29 Cent 24 Cent 19 Cent
eingehende Anrufe (pro Minute) 11 Cent 8 Cent 7 Cent 5 Cent
SMS 11 Cent 9 Cent 8 Cent 6 Cent

Der Vorschlag sieht auch eine Entkoppelung von Diensten und Anwendern vor. Im Ausland soll jeder wählen können, welches Angebot er annimmt. Die Offerten könnte er per SMS empfangen. Dies soll aber erst 2014 verpflichtend werden.

Beier ist „zu 90 Prozent“ überzeugt, dass das Parlament in Brüssel die Regelung verabschieden wird. „Vertreter der europäischen Regierungen haben den Vorschlag Ende März abgesegnet. Wir sollten eine klare Mehrheit bekommen.“ Im Juni stünde dann allerdings noch eine Abstimmung im Ministerrat an.

[mit Material von Max Smolaks, TechWeekEurope]

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