W3C intensiviert Arbeit an Tracking-Schutz

Eine dreitägige Klausur soll wichtige Fragen klären. Bis Juni will die Arbeitsgruppe einen Standard vorlegen. Dem nutzerfreundlichen "Do Not Track" steht "Do Not Target" gegenüber. Es entzieht den Datensammelvorgang der Anwenderkontrolle.

Das World Wide Web Consortium hat sich zu einer dreitägigen Klausur zusammengefunden, um sich über die Details des Tracking-Schutzes „Do Not Track“ zu verständigen. Die Tracking Protection Working Group hofft, einen großen Schritt auf dem Weg zu einer Standardisierung im Juni voranzukommen.

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Das Meeting dürfte auch Aufschluss geben, wer sich letztlich in der Arbeitsgruppe durchsetzen kann: die Anhänger der Privatsphäre oder Firmen, die von Werbeeinnahmen leben und ihre Nutzer deshalb möglichst genau kennen möchten. Dem ursprünglichen Mozilla-Vorschlag „Do Not Track“ steht die Alternative „Do Not Target“ gegenüber. „Do Not Track“ ermöglicht es dem Nutzer, jegliche mehrere Websites übergreifende Aufzeichnung seiner Aktivitäten zu untersagen. „Do Not Target“ dagegen entzieht den eigentlichen Sammelvorgang seiner Kontrolle; die Anwender können lediglich definieren, welche Werbeformen sie nicht sehen möchten.

Zu den Teilnehmern der Tagung gehören Wissenschaftler und Juristen sowie Vertreter etwa von Apple, AT&T, Google, Microsoft und Yahoo, aber auch der US-Außenhandelsbehörde FTC und von Datenschutzgruppen wie der Electronic Frontier Foundation (EFF). Durch die von der Regierung Obama im Februar angekündigte „Consumer Privacy Bill of Rights“ (Grundrechtekatalog fürs Internet) hat die Diskussion eine politische Dimension bekommen: Die Regierung verankerte darin Tracking-Schutz als Bürgerrecht.

Interessenvertreter der Werbebranche sehen „Do Not Track“ als Todesstoß für ihr Geschäft an und vergleichen es gar mit dem Stop Online Piracy Act (SOPA) und dem Protect IP Act (PIPA). Randall Rothenberg, Präsident und CEO des Interactive Advertising Bureau (IAB), formuliert es so: „Bedrohungen unserer Branche sind sehr real. Die erheblichen Gefahren erfordern sogar mehr Protest als SOPA und PIPA.“ Er nennt „Do Not Track“ explizit, das er als Blacklisting legitimer Websites für Nachrichten, Unterhaltung und Shopping bezeichnet. Die Politik habe hier das W3C infiltriert.

Firefox, Internet Explorer und Safari implementieren Do Not Track bereits – aber in einer Version, die auf Freiwilligkeit beruht. Die besuchte Website kann selbst entscheiden, ob sie die vom Anwender vorgegebenen Einstellungen respektiert oder nicht.

[mit Material von John Fontana, ZDNet.com]

Themenseiten: Big Data, Browser, Datenschutz, Facebook, Google, Internet, Kommunikation, Microsoft, Mozilla, Politik, Privacy, W3C

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