Mehr als nur Optik: Metro-style-Apps im Überblick

Mit Windows 8 führt Microsoft die WinRT-Plattform samt neuem Anwendungsmodell ein. Metro-style-Apps sollen längere Akkulaufzeiten ermöglichen sowie für die Finger- und Mausbedienung geeignet sein. ZDNet erklärt die Hintergründe.

Die Vorstellung der Consumer Preview von Windows 8 am Rande des Mobile World Congress in Barcelona ist ein starkes Signal: Mobilität und Tablets haben mittlerweile auch bei Microsoft einen hohen Stellenwert.

Um den Anforderungen in den Bereichen Touch-Bedienung und Akkulaufzeiten gerecht zu werden, hat Microsoft eine neue Plattform namens WinRT und ein neues Anwendungsmodell entwickelt. Es besteht parallel zur bekannten Desktop-Plattform.

Appifizierung

Apps sind für Microsoft von hoher strategischer Bedeutung, um den Stellenwert von Windows als Plattform zu stärken. Denn während man mit seinem Smartphone Webdienste wie Twitter, Ebay und E-Mail ganz selbstverständlich mit der zugehörigen App nutzt, verwendet man unter Windows dafür meistens den Browser. Mit der Einführung des Windows Store und den einfach zu installierenden Apps haben die Redmonder nun reagiert. Man kann davon ausgehen, dass die meisten Internet-Dienste demnächst auch unter Windows mit eigenen Apps aufwarten.

Design

Metro-style-Apps basieren auf einer von Microsoft entwickelten Designsprache namens Metro. Sie verbindet Einflüsse von modernem Design im Bauhaus-Stil, eine Nutzung von Typographie gemäß dem Schweizer Design und Bewegung. Erstmals in vollem Umfang zu besichtigen war dieser Stil bei Microsofts Smartphone-OS Windows Phone 7. Bei Metro geht es aber um nicht weniger als ein komplett neues App-Modell, bei dem die Themen Mobilität und alternative Eingabemethoden ganz oben stehen.

Plattform

Metro-style-Apps basieren auf der neuen WinRT-Runtime. Sie werden entweder in native Code (C, C++), managed Code (C#, VB.net) oder JavaScript geschrieben. Bei den ersten beiden Möglichkeiten wird die Oberfläche per XAML erzeugt, bei JavaScipt-Apps per HTML und CSS. Durch die Bereitstellung einer JavaScript-Umgebung unter Windows erschließt sich Microsoft den riesigen Kreis von Webentwicklern.

Mit dem Metro-style-Anwendungsmodell verlagert Microsoft die Suchfunktion von der App ins OS. Sie ist über die Charms-Bar auf der rechten Seite erreichbar, die über jeder App eingeblendet werden kann.

Auf diese Weise ist auch die Share-Funktion realisiert. Sie ermöglicht es, Informationen zwischen Apps auzutauschen. Markierter Text lässt sich so beispielsweise an die E-Mail-App oder an WordPress zur Weiterverarbeitung weitergeben. Ermöglicht wird das über so genannte Contracts, die angeben, welche Art von Informationen – etwa Bilder und Text – eine Anwendung annimmt.

Metro-style-Apps setzen auf WinRT auf. Sie werden in native Code, managed Code oder JavaScript geschrieben (Bild: Microsoft).
Metro-style-Apps setzen auf WinRT auf. Sie werden in native Code, managed Code oder JavaScript geschrieben (Bild: Microsoft).

Lizenzierung

Metro-style-Apps lassen sich nur aus dem Windows Store herunterladen, alternative Plattformen oder eine Distribution per Datenträger ist nicht vorgesehen. Entwickler, die eine App im Windows Store einstellen, müssen sich mit den Lizenzbedingungen von Microsoft arrangieren: Wie bei vergleichbaren Diensten kassiert Redmond einen Anteil von 30 Prozent. Allerdings nur bis zu einem Umsatz der App von 20.000 Dollar. Darüber gehen dann nur noch 20 Prozent an Microsoft.

Jede App darf auf bis zu fünf PCs installiert werden, ohne dass der Entwickler dafür eine Extra-Gebühr verlangen kann. Der verwendete Account ist davon zunächst unabhängig. So kann beispielsweise bei einem gemeinsam genutzten PC zu Hause eine App für alle Nutzer dieses Rechners bereitgestellt werden. In der Consumer Preview funktioniert das jedoch noch nicht.

Als Teil der Windows-Store-Dienstleistung erhalten Entwickler von Metro-style-Apps Speicherplatz auf den Microsoft-Servern. Dort lassen sich die Nutzereinstellungen ablegen. Somit kann der Anwender beispielsweise die Wiedergabe eines Videos auf einem anderen Rechner fortsetzen.

Fingerfreundlich

Wer sich mit den in Windows mitgelieferten Metro-style-Apps beschäftigt, sieht, dass viele Kontrollelemente relativ groß sind. Der Grund: Nach den Vorstellungen von Microsoft sollen die Apps für Maus- und Fingerbedienung gleichermaßen geeignet sein. Da der Finger weit weniger präzise ist als die Maus, braucht es größere Schaltflächen.

Dahinter liegt die Annahme, dass die IT-Umgebung künftig von einer Vielzahl von unterschiedlichen Formfaktoren besteht. Auf dem Tablet in der U-Bahn wird die App mit dem Finger bedient. Am Arbeitsplatz, wenn das Gerät in der Docking Station steckt und durch einen 23-Zöller ergänzt wird, lässt sie sich dann genauso mit der Maus nutzen.

Kehrseite der Medaille ist, dass Metro-style-Apps durch ihr platzintensives Layout im Vergleich zu klassischen Windows-Anwendungen eine deutlich geringere Informationsdichte haben. Dies wird zum Teil jedoch dadurch ausgeglichen, dass sie per Definition nur im Vollbild laufen. Das schafft mehr Platz, der genutzt werden kann.

Fensterlos

Zumindest wenn es um die Metro-Umgebung geht, gilt künftig das Motto: Windows ohne Fenster. Metro-style-Apps laufen grundsätzlich im Vollbild, ihre Größe lässt sich also nicht wie die von klassischen Anwendungen beliebig festlegen. Das erleichtert die Nutzung per Touch. In diesem Szenario wäre das ständige Größer- und kleinerziehen sowie das Verschieben eine Qual. Aber auch bei der Mausbedienung hat dieser Ansatz seine Vorteile, da der Screen immer voll ausgenutzt ist.

Auf Displays mit mindestens 1366 mal 768 Pixeln Auflösung unterstützt Windows 8 das Snap-Feature. Jede Metro-style-App kann dann rechts oder links am Bildschirm angedockt werden. Die Breite ist auf 320 Pixel festgelegt. Entwickler haben so die Möglichkeit, eine für ihre Anwendung sinnvolle Darstellung zu wählen. So zeigt beispielsweise die Music-App in dieser Darstellung nicht mehr die komplette Umgebung mit Albumcover an, sondern lediglich die Playlist.

Der Nachteil dieser Umgebung ist, dass Anwendungen nicht wie bisher völlig flexibel auf dem Bildschirm angeordnet werden können. Es ist jedoch möglich, den Desktop und Metro-style-Apps gleichzeitig darzustellen.

Ab 1366 mal 768 Pixel Auflösung ermöglicht Windows 8 den Snap-Modus. Eine Metro-App wird dabei mit 320 Pixeln Breite neben einer anderen dargestellt (Bild: Microsoft).
Ab 1366 mal 768 Pixel Auflösung ermöglicht Windows 8 den Snap-Modus. Eine Metro-App wird dabei mit 320 Pixeln Breite neben einer anderen dargestellt (Bild: Microsoft).

Akkuschonend

3 oder 6 Stunden? Die Akkulaufzeit eines Geräts kann je nach Anwendung völlig unterschiedlich ausfallen. Grund dafür sind die Stromsparfunktionen moderner Chips. So schalten beispielsweise moderne CPUs bei niedriger Auslastung komplette Kerne einfach komplett ab, damit diese keinen Strom verbrauchen und den Akku nicht unnötig belasten. Kurz gesagt: weniger ausgeführter Code bedeutet längere Akkulaufzeiten.

Aus diesem Grund laufen Metro-style-Apps nur, wenn sie tatsächlich auf dem Display zu sehen sind. Im Hintergrund werden sie automatisch eingefroren und bei Bedarf von Windows automatisch aus dem Speicher entfernt. Sie müssen so programmiert sein, dass dabei keine vom Anwender eingegebenen Daten verloren gehen und der aktuelle Zustand gespeichert wird.

Zwar unterstützen Metro-style-Apps im Hintergrund keine Hintergrundprozesse, es gibt aber einige Ausnahmen. So ist beispielsweise die Wiedergabe von Musik möglich. Zudem können Entwickler einen Download-Dienst nutzen, um Informationen aus dem Internet herunter- oder hochzuladen. Auch Communication-Apps wie ein Instant Messenger werden ständig ausgeführt.

Die Live Tiles auf dem Windows-Startscreen werden nicht von Hintergrund-Prozessen befüllt, sondern über einen internetbasierten Push-Dienst, den Microsoft betreibt und Entwicklern kostenlos zur Verfügung stellt. So fragt beispielsweise eine Reise-App nicht per Hintergrundprozess ständig ab, ob sich der Flugpreis geändert hat, sondern wird per Push benachrichtigt, wenn das der Fall ist. Obwohl die Auslieferung der Push-Information durch Microsoft erfolgt, muss für solche Apps im Hintergrund natürlich eine bestimmte Infrastruktur aufgebaut werden.

Metro-Style-Apps werden nur ausgeführt, wenn sie im Vordergrund und damit für den Anwender sichtbar sind. Hintergrundprozesse gibt es nicht. Das spart Strom und verbessert das Antwortverhalten auf langsameren Systemen. Jede App kann auf vom Betriebssystem bereitgestellte Dienste zugreifen, die etwa die Wiedergabe von Musik oder den Down- und Upload von Dateien ins Internet ermöglichen (Bild: Microsoft).
Metro-Style-Apps werden nur ausgeführt, wenn sie im Vordergrund und damit für den Anwender sichtbar sind. Hintergrundprozesse gibt es nicht. Das spart Strom und verbessert das Antwortverhalten auf langsameren Systemen. Jede App kann auf vom Betriebssystem bereitgestellte Dienste zugreifen, die etwa die Wiedergabe von Musik oder den Down- und Upload von Dateien ins Internet ermöglichen (Bild: Microsoft).

Ausblick

Mit den Metro-style-Apps verfolgt Microsoft dasselbe Prinzip wie Smartphone- und Tablet-Apps: begrenzter Funktionsumfang und einfache Bedienbarkeit. Sie ermöglichen die Bedienung per Touch und mit der Maus. Außerdem sorgen sie durch den Verzicht auf Hintergrundprozesse für lange Akkulaufzeiten.

Zumindest auf absehbare Zeit werden die Metro-Umgebung und der klassische Desktop parallel bestehen. Denn Metro eignet sich nicht für alle Anwendungstypen. Sehr umfangreiche Programme wie Photoshop oder Visual Studio benötigen weiterhin die Maus und lassen sich mit den derzeitigen Design-Zielen von Metro nicht vereinbaren.

Zumindest bei der ARM-Version von Windows 8 kann man den Desktop nur eingeschränkt nutzen. Er ist zwar vorhanden und kann wie gewohnt bedient werden. Allerdings lassen sich darauf keine Anwendungen installieren. Office 15 will Microsoft standardmäßig mitliefern.

Themenseiten: Betriebssystem, Microsoft, Windows

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