HPs neues Cloud-Modell für den deutschen Markt

Interessenten für Cloud Computing fragen immer häufiger nach dem Standort, an dem die Leistungen erbracht werden. Internationale Konzerne müssen darauf oft die falsche Antwort geben. HP will das nun für sich ändern.

Die Frage, an welchem Standort Cloud-Dienste erbracht werden, ist im vergangenen Jahr immer häufiger diskutiert worden. Grund sind Bedenken zum Datenschutz: Schließlich sind die meisten großen Cloud-Provider US-Firmen und unterliegen somit US-Recht. Dadurch haben amerikanische Behörden weitreichende Befugnisse. Das hat im Sommer unter anderem der britische Microsoft-Geschäftsführer Gordon Frazer eingeräumt.

In der Diskussion erhielten vor allem europäische, aber insbesondere deutsche Cloud-Anbieter Auftrieb: Firmen wie Fujitsu und T-Systems gingen mit dem Argument der Unabhängigkeit von der US-Justiz zum Angriff über, etablierte Anbieter wie Microsoft und HP gerieten in die Defensive.

Hewlett-Packard will jetzt den Spieß wieder umdrehen und bringt zur CeBIT ein neues Cloud-Angebot auf den deutschen Markt. Bei dem „HP cCell Services“ genannten Dienstangebot können die Kunden wählen, von welchem Betriebsort sie die Cloud-Dienste beziehen wollen: aus dem eigenen Rechenzentrum, von einem regionalen IT-Partner oder von HP selbst. Zielgruppe des neuen Angebots sind nach Angaben von HP sowohl Unternehmen und Verwaltungseinrichtungen als auch HP-Partner.

„Neue Spielregeln für Cloud Computing in Deutschland“

Der deutsche HP-Chef Volker Smid bewegt sich mit den c-Cells-Services auf deutsche Kunden zu (Bild: Hewlett-Packard).
Der deutsche HP-Chef Volker Smid bewegt sich mit den c-Cells-Services auf deutsche Kunden zu (Bild: Hewlett-Packard).

Die jeweiligen Nutzer können mit HP cCell Services den Standort und den Modus des Cloud-Betriebs an ihre technischen, geschäftlichen und regulatorischen Anforderungen anpassen. So können etwa HP-Partner schnell und ohne größere Investitionen ein eigenes Cloud-Angebot aufbauen und in verschiedenen Vermarktungsformen anbieten.

„Mit diesem Modell will HP neue Spielregeln für das Cloud Computing in Deutschland definieren und neue Maßstäbe in Sachen Flexibilität setzten“, sagte Michael Eberhardt, General Manager und Geschäftsführer für das Servicegeschäft des Unternehmens bei einer Vorstellung im Münchner Presse Club. Das neue Angebot soll auf der CeBIT 2012 im Rahmen der Cloud Computing World des Bitkom (Halle 4, Stand A58) erstmals der deutschen Öffentlichkeit gezeigt werden.

Zum besseren Verständnis: HP cCell Services sind gebrauchsfertige IT-Dienste, die über standardisierte Cloud-Zellen (cCells) bereitgestellt werden. Die dezentral betriebenen cCell-Dienste lassen sich über eine zentrale Makler-Plattform zusammenschalten, sodass sie über mehrere Cloud-Zellen hinweg genutzt oder über gemeinsame Marktplätze angeboten werden können. Kunden bezahlen für die Nutzung der HP cCell Services verbrauchsabhängig monatliche Gebühren. Abgesehen von einer einmaligen Installationspauschale fallen keine Investitionen und keine Fixkosten an, verspricht HP.

HPs Cloud-Modell für regionale Kunden und Partner

Cloud Computing biete große Chancen für Unternehmen und Verwaltungen, weil es Fixkosten reduziert, die Flexibilität erhöht und neue kollaborative Formen der Wertschöpfung ermöglicht, so HP. Doch der deutsche Markt stellt besondere Bedingungen. So kaufen beispielsweise Mittelständler ihre IT-Leistungen meist bei regional ansässigen System- und Softwarehäusern ein. Die IT-Versorgung der öffentlichen Hand erfolgt durch hunderte von öffentlichen, halböffentlichen und privaten IT-Dienstleistern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Zudem ist die Outsourcing-Quote in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Das Beratungs- und Analystenhaus PAC spricht etwa von 13 Prozent. Und sogar nur 5 Prozent der deutschen Mittelständler nutzen laut dem vom Hersteller zusammen mit TechConsult ermittelten Cloud Index Public-Cloud-Angebote.

„Cloud-Modelle werden sich hierzulande nur über den Mittelstand und die regionalen IT-Anbieter in der Fläche durchsetzen“, sagt Volker Smid, Vorsitzender der HP-Geschäftsführung in Deutschland. „Die dezentrale deutsche IT-Landschaft braucht ein dezentrales Cloud-Modell.“ Genau die biete man mit den HP cCell Services mittelständischen Unternehmen und der öffentlichen Hand.

Die HP cCell Services sollen die Vorteile des dezentralen Betriebs mit den Vorteilen zentraler, gemeinsam genutzter Cloud-Dienste kombinieren. Endkunden kommen beispielsweise auch dann in den Genuss von Cloud-Merkmalen wie variablen Kosten, Flexibilität und Schnelligkeit, wenn sie ihre Daten und Infrastruktur aus technischen, geschäftlichen oder regulatorischen Gründen nicht an einen Dienstleister auslagern können. Gleichzeitig erhalten sie Zugang zu einem reichhaltigen Angebot an IT-Diensten, die von HP oder dessen Partnern bereitgestellt werden. Software- und Systemhäuser wiederum können ihr eigenes Cloud-Angebot mit Diensten aus dem Standard-cCells-Angebot von HP und anderen HP-Partnern anreichern.

Als erster HP cCell Service ist ab Anfang März Rechenleistung auf der Grundlage virtueller Windows- und Linux-Server inklusive Speicher und Backup verfügbar. Weitere Applikations- und Infrastrukturdienste sollen im ersten Halbjahr 2012 folgen.

Mit seiner angepassten Cloud-Strategie, die der Hersteller auf der CeBIT dem breiten Publikum präsentiert, will er den Besonderheiten des deutschen Marktes Rechnung tragen (Grafik: Hewlett-Packard).
Mit seiner angepassten Cloud-Strategie, die der Hersteller auf der CeBIT dem breiten Publikum präsentiert, will er den Besonderheiten des deutschen Marktes Rechnung tragen (Grafik: Hewlett-Packard).

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