Google in Frankreich wegen Maps zu 500.000 Euro Schadenersatz verurteilt

Ein Handelsgericht in Paris entscheidet, dass der kostenlose Kartendienst das Wettbewerbsrecht verletzt. Damit folgt es der Argumentation des Konkurrenten Bottin Cartographes. Dieser hatte 2009 gegen Google geklagt.

Ein französisches Handelsgericht hat Google wegen unlauteren Wettbewerbs zur Zahlung von 15.000 Euro Geldstrafe und 500.000 Euro Schadenersatz an den gewerblichen Kartenanbieter Bottin Cartographes verurteilt. Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, sah es das Pariser Gericht als erwiesen an, dass der Internetkonzern mit dem kostenlosen Dienst Google Maps seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt hat.

Bottin Cartographes bietet Unternehmen in Frankreich ähnliche Services an wie Google mit Maps, verlangt dafür aber eine Gebühr. Dem Internetkonzern warf es vor, er verfolge die Strategie, Wettbewerber zu unterbieten und die Gesamtkosten für seine Dienste selbst zu tragen, bis er die Kontrolle über den Markt erlangt habe.

„Dies ist das Ende eines zweijährigen Kampfes, eine Entscheidung ohne Präzedenzfall“, zitiert AFP Jean-David Scemmama, Anwalt von Bottin Cartographes. „Wir haben die Unrechtmäßigkeit der Strategie bewiesen, mit der Google seine Wettbewerber verdrängt. Das Gericht hat die unfaire und missbräuchliche Art dieser Methoden erkannt.“ Es sei das erste Mal, dass Google wegen seines Kartendienstes verurteilt wurde.

Ein Sprecher von Google Frankreich erklärte, man werde Berufung gegen das Urteil einlegen. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass ein kostenloses hochwertiges Kartentool Internetnutzern wie Websites nützt.“ Es gebe weiterhin Wettbewerb in diesem Sektor, sowohl in Frankreich als auch international.

Frankreich ist generell kein gutes Pflaster für Google. Schon in der Vergangenheit sah sich der Konzern dort immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, er missbrauche seine dominante Stellung. Zudem verurteilte ihn ein Pariser Gericht im März 2011 wegen Urheberrechtsverstößen zu einer Geldstrafe von 430.000 Euro. Im selben Monat verhängte die französischen Datenschutzkommission CNIL wegen der Sammlung von WLAN-Daten im Zusammenhang mit Street View ein Bußgeld von 100.000 Euro.

Google Maps ist auch Gegenstand einer Ende vergangenen Jahres von der British Telecom (BT) in den USA eingereichten Klage. Ebenso wie der Android Market, die Internetsuche, Google Offers und Google+ soll der Kartendienst Patente des britischen Telekommmunikationskonzerns verletzen. BT fordert Schadenersatz in nicht genannter Höhe und will einstweilige Verfügungen gegen die Google-Produkte durchsetzen.

Der kostenlose Kartendienst Google Maps verstößt laut dem Pariser Handelsgericht in Frankreich gegen das Wettbewerbsrecht (Screenshot: ZDNet).
Der kostenlose Kartendienst Google Maps verstößt laut dem Pariser Handelsgericht in Frankreich gegen das Wettbewerbsrecht (Screenshot: ZDNet).

Themenseiten: Business, Gerichtsurteil, Google

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1 Kommentar zu Google in Frankreich wegen Maps zu 500.000 Euro Schadenersatz verurteilt

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  • Am 2. Februar 2012 um 19:42 von schulte

    Super Geschäftsmodell oder „ich werden reich!“
    Nimmt man die Geschehnisse dieses Artikels zu Grundlage und folgt man der Argumentation des Gerichts, dann wäre es jetzt in Frankreich ein Supergeschäftsmodell, eine kostenpflichtige Suchmaschine anzubieten, die zwar kein „Schwein“ braucht oder will, aber als Grundlage für eine Klage gegen Google herhalten kann.
    Ich schätze, da sind sicherlich 5 Millionen drin.

    Motto: Google missbraucht seine Vormachtstellung im Markt und bietet einen kostenlosen Suchdienst an, und zwar nur, um „mich“ (a.k.a. unsinniger französischer Suchmaschinenanbieter) kaputt zu machen.

    Man sollte einfach mal so aus Spaß darüber nachdenken, was passieren würden, wenn Googles Frankreich für nur 1 Stunde aus der digitalen Landkarte entfernen würde.
    Aber dazu ist Google wohl einfach zu cool.

    Gruß
    schulte

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