Kodak Deutschland zunächst nicht von Insolvenz der US-Mutter betroffen

Alle Geschäfte werden nach Angaben eines Firmensprechers unverändert weitergeführt. Ihm zufolge ist jedoch eine Umstrukturierung zu erwarten. Der deutsche Betriebsratschef erklärte: "Wir machen uns Sorgen."

Die deutschen Standorte von Kodak sind laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zunächst nicht von dem in den USA eingeleiteten Insolvenzverfahren betroffen. Die hiesige Tochter mit knapp 1000 Mitarbeitern bleibe von dem Verfahren in den USA unberührt, zitiert das Blatt einen Firmensprecher. Das Traditionsunternehmen Eastman Kodak hatte am Mittwoch Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragt.

Logo von Kodak

Nach Angaben des Sprechers gehen die Geschäfte in Deutschland weiter wie bisher. Man sei in der Lage, allen Verpflichtungen nachzukommen. Die Produkte würden weiter vertrieben, Kodak Deutschland werde nach wie vor beliefert und auch die Fertigung von Druckplatten am niedersächsischen Standort Osterode laufe weiter.

Es sei jedoch zu erwarten, dass Kodak neu strukturiert werde, räumte der Sprecher ein. „Wirtschaftlich weiß man nicht, was in zwölf Monaten entschieden wird.“ In der Belegschaft herrscht daher große Verunsicherung. „Wir machen uns Sorgen“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende von Kodak Deutschland, Wolfgang Eisele. Momentan seien die deutschen Gesellschaften von dem Insolvenzantrag zwar nicht betroffen, was das aber langfristig bedeute, sei noch völlig unklar.

Am Hauptsitz in Stuttgart befinden sich Verwaltung, Vertrieb und Kundendienst mit 220 Angestellten. In Osterode produziert Kodak mit 560 Mitarbeitern Druckplatten. In kleineren Niederlassungen in Kiel und München sind jeweils 30 Personen beschäftigt. Der Rest der Mitarbeiter arbeitet im Außendienst.

Laut Betriebsrat hat es seit 1983 mehrere Kündigungswellen gegeben. Zu Hochzeiten waren am Stuttgarter Stammsitz 4500 Mitarbeiter beschäftigt. Betriebsratschef Eisele wirft dem seit 1896 in Deutschland aktiven Konzern vor, „in jüngster Zeit die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt“ und „viel zu spät auf die digitale Revolution reagiert“ zu haben.

Die Fortführung des Geschäftsbetriebs in den USA hat Kodak zunächst durch ein Massendarlehen der Citigroup über 950 Millionen Dollar sichergestellt. Der Verkauf geistigen Eigentums soll weiteres Geld in die Kassen spülen. Kodak hält rund 1100 Patente rund um Fotografie, die es versteigern könnte. In einem Versuch, den Wert seiner Patente zu demonstrieren und Lizenzgebühren einzutreiben, führt das Unternehmen derzeit Prozesse gegen Apple, HTC und Samsung. Sie sollen unerlaubt Kameratechniken von Kodak in ihren Produkten einsetzen.

Themenseiten: Business, Kodak, Patente

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