Oracle: „Die Tage von Itanium sind gezählt“

Angeblich gibt es ein Abkommen zwischen Hewlet-Packard und Intel. Es soll Oracle zufolge den Anschein aufrechterhalten, dass es noch eine Zukunft für die Itanium-Plattform gibt. Grund sind Servicegebühren für HPs Betriebssystem HP-UX.

Im juristischen Schlagabtausch mit Hewlett-Packard hat Oracle den Vorwurf erhoben, dass es Itanium-Prozessoren nur noch aufgrund eines „geheimen“ Abkommens mit Intel gibt. Das geht aus einer Eingabe an ein Gericht hervor, die in stark redigierter Form veröffentlicht wurde. Oracle versucht sich gegen eine von HP im Juni eingereichte Klage zu wehren.

Oracle erklärte den 64-Bit-Prozessor jetzt schon für tot: „HP hat geheime Vereinbarungen mit Intel darüber getroffen, weitere Itanium-Chips herauszubringen, sodass HP den Anschein aufrechterhalten kann, ein toter Mikroprozessor sei noch noch immer lebendig.“ In ihrem jüngsten Schreiben an das Gericht bezeichnen Oracles Anwälte die Situation sogar als Remake des Films „Immer Ärger mit Bernie“.

Oracle und HP streiten um Intels Itanium

Laut Oracle geht aus von HP erhaltenen Unterlagen hervor, dass die Einstellung von Itanium längst beschlossen ist, aber durch die vertragliche Vereinbarung mit Intel erst nach zwei weiteren Chip-Generationen erfolgen soll. Der Grund sind demnach die hohen Servicegebühren, die HP für sein Betriebssystem HP-UX verlangen kann, das auf Itanium läuft. Wechselten Kunden auf x86-Prozessoren und ein Betriebssystem wie Linux, verliere HP Serviceverträge: „Das ist ein Multi-Milliarden-Dollar-Problem für HP.“

Tatsächlich hatte HP im August einen Absatzrückgang bei geschäftskritischen Systemen um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bestätigt, den Grund aber vor allem in „Oracles kundenfeindlichem Verhalten“ gesehen. Mit der Klage wolle HP Oracle zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zwingen.

Oracle unterstellt HP gar, Intel zu bezahlen, um die Illusion einer langfristigen Zukunft für Itanium zu bewahren. HP wiederum sieht den Vorwurf als Teil einer Kampagne Oracles, um das erfolglose Servergeschäft von Sun zu stützen. Auch Oracle sei bekannt, dass die vertragliche Verpflichtung zwischen HP und Intel die Verfügbarkeit von Itanium mindestens bis zum Ende dieses Jahrzehnts garantiere: „Es ist Zeit für Oracle, von grundlosen Beschuldigungen abzulassen und seine Verpflichtungen gegenüber HP und unseren gemeinsamen Kunden zeitnah zu erfüllen.“

Ein Intel-Sprecher wollte die gegenseitigen Vorwürfe nicht kommentieren, da sein Unternehmen von der Klage nicht betroffen sei und sich grundsätzlich nicht zu möglichen vertraulichen Vereinbarungen äußere. Schon Ende März, als Oracle bekannt gab, keine Itanium-Software mehr zu unterstützen, hatte sich Intel-CEO Paul Otellini klar zu der Plattform bekannt. Mehrere Chip-Generationen der Itanium-Architektur befänden sich derzeit in Arbeit, und man komme planmäßig voran.

In seiner Klage vom Juni wirft HP Oracle vor, die Softwareentwicklung für Intels Itanium-Chips vertragswidrig eingestellt zu haben. Oracle wolle sich damit bewusst gegenüber dem Wettbewerb seitens HP abschotten und dessen Kunden schaden. Damit aber habe es eine lange bestehende Entwicklungsvereinbarung gebrochen. HP unterstellt Oracle, die Itanium-Unterstützung aufgrund der Übernahme von Sun Microsystems und dessen Servergeschäft eingestellt zu haben, das sich auf Intels x86-Chips verlässt. Oracle wolle Kunden überzeugen, dass es Itanium nicht mehr lange geben werde, und zum Wechsel auf x86-basierte Server wie die von Sun veranlassen. Itanium-Chips kommen vorrangig in High-End-Servern von HP zum Einsatz.

Themenseiten: Business, HP, Hewlett-Packard, Intel, Oracle, Prozessoren

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