Unitymedia will Grundverschlüsselung im Kabelnetz aufgeben

Um Kabel BW übernehmen zu dürfen, will Unitymedia die Grundverschlüsselung für digitale Free-TV-Programme aufgeben. Doch damit bietet das Unternehmen dem Kartellamt nur etwas an, was ohnehin selbstverständlich ist.

Liberty Global will Kabel BW kaufen. Da dem Unternehmen bereits Unitymedia gehört, prüft das Bundeskartellamt den Fall. Um die Kartellwächter milde zu stimmen, macht Unitymedia jetzt Zugeständnisse: Die Grundverschlüsselung für digitale Programme soll aufgehoben werden.

Das bedeutet, dass Kunden, die sich einen beliebigen DVB-C-Receiver ohne Smartcard kaufen, nicht nur die öffentlich-rechtlichen Programme wie ARD und ZDF digital empfangen können, sondern auch private FreeTV-Programme wie RTL und SAT.1. Bisher hatte Unitymedia dafür 2,90 Euro pro Monat Aufpreis verlangt.

Die zusätzlichen Kosten sind allerdings weniger entscheidend. Viel wichtiger ist, dass der Kunde Endgerätefreiheit besitzt. So kann er beispielsweise einen digitalen Receiver mit Festplatte nutzen, der unter Linux läuft und keine „Features“ wie Vorspulverbot für Werbung kennt oder bestimmte Sendungen nach Gutdünken des Programmanbieters gar nicht aufzeichnet.

Meiner Meinung nach sollte sich das Kartellamt auf den Deal nicht einlassen. Stattdessen sollte die Regulierungsbehörde einschreiten und generell verbieten, dass der Kabelanbieter das Endgerät faktisch vorschreibt, weil auch für Free-TV-Programme eine Smartcard erforderlich ist, die nur mit den Settop-Boxen des Netzbetreibers funktioniert.

Nun gilt es abzuwarten: Auf jeden Fall wird es interessant, wenn Kabelkunden in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen ab 2013 digitale FreeTV-Programme unverschlüsselt empfangen können, während der Rest der Republik bei Kabel Deutschland das weiterhin nur mit gebührenpflichtiger Smartcard in bestimmten Receiver-Modellen darf. Das kann kaum im Interesse des Kartellamts sein.

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