Überblick: die Lage des deutschen Telekommunikationsmarktes

Der Absatz von SIM-Karten, die Zahl der versandten SMS, der Breitbandanschlüsse und die Menge übertragener Daten im Mobilfunk erreichen neue Höchstwerte. Der Umsatz mit TK-Diensten sinkt insgesamt jedoch leicht.

Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten sinken in Deutschland 2011 voraussichtlich auf rund 60,3 Milliarden Euro. Das sind 0,8 Prozent beziehungsweise rund 0,5 Milliarden weniger als 2010. Allerdings hat sich der Rückgang abgeschwächt: 2010 waren die Gesamtumsätze im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer aktuellen Marktstudie von VATM und Dialog Consult hervor.

Von den 60,3 Milliarden Euro entfallen 32,6 Milliarden auf das TK-Festnetz, 23,9 Milliarden Euro auf den Mobilfunkmarkt und 3,8 Milliarden auf die Kabelnetzbetreiber. Während der Umsatz mit Festnetzdiensten um 0,9 Prozent und der mit Mobilfunk sogar um 1,2 Prozent zurückgeht, können die Kablenetzbetreiber einen Zuwachs von 2,7 Prozent verbuchen.

Im Festnetzbereich legen in diesem Jahr alternative Anbieter (um 0,5 Milliarden Euro) und Kabelnetzbetreiber (um 0,1 Milliarden Euro) zu. Im Mobilfunk gehen die Umsätze 2011 insgesamt um 0,3 Milliarden zurück. Die Autoren der Studie führend das vor allem auf die Halbierung der Terminierungsentgelte in diesem Jahr zurück. Die schwierige Marktsituation macht sich auch bei der Zahl der Mitarbeiter bemerkbar. Insgesamt haben bei Telekommunikationsanbietern fast 4000 Menschen ihre Arbeit verloren, davon 3200 bei der Deutschen Telekom, gut 600 bei den Mitbewerbern.

Aus Sicht der Kunden positiv ist, dass die Zahl der Breitbandanschlüsse in diesem Jahr um rund 1,1 Millionen auf 27,5 Millionen zunimmt. An Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller (FTTH – Fiber to the Home) werden in Deutschland Ende 2011 rund 810.000 Haushalte angeschlossen sein. Dass ein Bedarf da ist, zeigt sich daran, dass das pro Breitbandanschluss verbrauchte Datenvolumen um knapp 16 Prozent zunimmt.

Bei Breitband ist die Deutsche Telekom mit einem Anteil von 45 Prozent der Endkunden nach wie vor führend im Markt. Im Festnetzbereich entfallen auf das Unternehmen 47,6 Prozent des Gesamtumsatzes. VATM-Präsident Gerd Eickers, der die Wettbewerbssituation insgesamt als positiv bewertet, sieht die Ergebnisse der Studie aber dennoch als Beleg dafür, dass der Wettbewerb im Festnetzbereich immer noch einer effizienten Regulierung bedarf.

Ein Grund dafür sei auch die Abhängigkeit der Wettbewerber von den Vorprodukten der Telekom. Je nach Einstiegsangebot für die Endkunden fließen bei den Wettbewerbern pro Euro Umsatz bis zu 69 Cent an die Telekom. Daran hat auch die Senkung der monatlichen Miete für die Teilnehmeranschlussleitung durch die Bundesnetzagentur im März dieses Jahres wenig geändert. Sie liegt nun 10,08 Euro – laut Eickers immer noch zu viel, trügen doch die Mitbewerber so weiterhin erheblich zum Umsatz der Telekom bei.

Viele neue Höchstwerte im Mobilfunkmarkt

Beim LTE-Ausbau seien dieses Jahr große Fortschritte erzielt worden: „In sechs Bundesländern dürfen Vodafone, Telefónica und Telekom jetzt schon frei ausbauen, da alle Ausbaupflichten erfüllt und damit die ländlichen Regionen dort bereits erschlossen sind“, so Eickers.

Das aus Mobilfunknetzen pro Nutzer abgehende Datenübertragungsvolumen steigt um 82 Prozent. 2011 machen die Datendienste fast 60 Prozent der Non-Voice-Umsätze im Mobilfunk aus. Neue Höchstwerte gibt es auch bei der Anzahl der im Markt befindlichen SIM-Karten (fast 111 Millionen) und der verschickten SMS (116,9 Millionen pro Tag).

Die Verbraucher telefonierten 2011 durchschnittlich 288 Millionen Minuten pro Tag per Handy und damit fast 5 Prozent häufiger als im Jahr zuvor (275 Millionen Minuten pro Tag). Die Autoren der Studie führen das insbesondere auf die zunehmende Verbreitung von Flatrates zurück. Per Festnetz werden übrigens täglich 633 Millionen Minuten kommuniziert. 2010 waren es noch 641 Millionen Minuten.

Das stimmt im Wesentlichen mit Zahlen überein, die im Mai der Bitkom unter Berufung auf die Bundesnetzagentur vorgelegt hat. Demnach stieg die Summe der Mobilfunkgespräche in Deutschland 2010 um fast sechs Prozent auf 180 Milliarden Minuten. Somit telefonierte jeder Bundesbürger 2010 im Schnitt gut drei Stunden im Monat mobil. Seit 2005 hat sich das Gesprächsvolumen laut Bitkom mehr als verdoppelt. Die Gesprächsminuten im Festnetz sind hingegen in den vergangenen Jahren bei knapp 200 Milliarden Minuten weitgehend konstant geblieben.

Deutschland im europäischen Vergleich

Allerdings sieht das in anderen Ländern schon anders aus. Wie der Bitkom auf Basis von Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat Anfang Oktober bekannt gegeben hat, verzichten in der EU immer mehr Haushalte auf einen Festnetzanschluss. Anfang 2011 telefonierten demnach 27 Prozent ausschließlich via Mobilfunk. Vier Jahre zuvor waren es noch 24 Prozent. Spitzenreiter im europäischen Vergleich sind Tschechien und Finnland. Dort wird in 81 beziehungsweise 78 Prozent der Haushalte ausnahmslos mobil telefoniert. Bitkom-Präsidiumsmitglied René Schuster führte den besonders hohen Anteil der Nur-Handy-Haushalte in den mittel- und osteuropäischen Staaten auf den vergleichsweise schlechten Ausbau des Festnetzes zurück.

In Deutschland telefonieren dagegen nur 12 Prozent der Haushalte ausschließlich mobil, ein Prozent mehr als 2007. Damit liegt Deutschland am unteren Ende der EU-Rangliste. Der Grund für die anhaltend hohe Festnetzdichte ist außer im gut ausgebauten Netz bei der Verbindung der Telefonanschlüsse mit Internetzugängen per DSL zu suchen. Telefon, Internet – und vermehrt auch Fernsehanschluss – werden meist günstig im Paket angeboten.

Allerdings besitzen laut einer Bitkom-Erhebung 61 Millionen Deutsche ein Mobiltelefon. Das entspricht 87 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren. Insbesondere Senioren haben im Vergleich zu den Vorjahren stark aufgeholt. Inzwischen verfügen knapp drei Viertel (72 Prozent) der Bundesbürger ab 65 Jahren über eine Mobilfunknummer. 2010 waren es erst 61 Prozent.

Deutschland liegt im EU-Vergleich bei der ausnahmslosen Handynutzung mit zwölf Prozent auf Rang 23 (Bild: Bitkom).
Deutschland liegt im EU-Vergleich bei der ausnahmslosen Handynutzung mit zwölf Prozent auf Rang 23 (Bild: Bitkom).

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