EU-Navigationssystem: Start der ersten Galileo-Satelliten verschoben (Live-Übertragung)

Neuer Termin für den Abschuss der Sojus-Trägerrakete ist der 21. Oktober um 12.30 Uhr. Ursprünglich war der Start für Donnerstag um 12.34 Uhr geplant gewesen. 3,5 Stunden später sollten die Satelliten in die Erdumlaufbahn eintreten.

Update vom 20. Oktober, 12.13 Uhr: Aufgrund von Problemen an der russischen Sojus-Trägerrakete wurde der Start der ersten beiden Galileo-Satelliten verschoben. Neuer unverbindlicher Abschuss-Termin ist der morgige Freitag um 12.30 Uhr.

Mit fünfjähriger Verspätung sollen heute die ersten beiden Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ins All geschossen werden. Der Start der Sojus-Trägerrakete ist für 12.34 Uhr angesetzt. Rund 3,5 Stunden später sollen sich die Satelliten von den Raketen abtrennen und in ihre Erdumlaufbahn eintreten.

Wie bei jedem Satelliten markiert die Abtrennung den Beginn der kritischen Start- und frühen Orbitphase (Launch and Early Orbit Phase, LEOP), in der der Flugkörper eine Reihe automatisierter und später ferngesteuerter Befehle ausführen muss. Dazu zählen etwa das Ausfahren der Sonnensegel zur Energieversorgung, das Einschalten der Kommunikation und anderer Systeme sowie das Durchführen der Erstkonfiguration. Dies alles muss zur rechten Zeit und in der richtigen Reihenfolge geschehen.

Überwacht wird die rund sieben Tage dauernde LEOP von einem Team von Ingeneiuren der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES. „Jedes unserer Teammitglieder steht für jahrzehntelange Erfahrung aus dutzenden Starts“, sagte Nigel Head, ESA-Mitarbeiter und Leiter des gemeinsamen LEOP-Teams. „Wir haben 2009 mit dem gemeinsamen Training begonnen und arbeiten seitdem sehr harmonisch zusammen.“ Operationszentrale ist der Kontrollraum des CNES-Zentrums in Toulouse. Er ist direkt mit den Bodenstationen und Netzwerken verbunden, die mit den Satelliten im Orbit kommunizieren werden.

Den ersten beiden Satelliten sollen bis 2015 18 weitere folgen. Erst dann stehen auch erste Dienste zur Verfügung. Voll installiert wird das System voraussichtlich 2019 sein. Insgesamt sind dafür 30 Satelliten nötig. Deren Start soll abwechselnd von Toulouse und dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt aus überwacht werden.

Nach Ende der LEOP übernimmt das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München die Überwachung der Satelliten. Es wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben. Die Nutzdaten für die Navigationsdienste werden vom italienischen Raumfahrtunternehmen Telespazio in Fucino, nahe Rom, verwaltet.

Ursprünglich war der Start der ersten Galileo-Satelliten für 2006 geplant gewesen. 2008 sollte das System bereits voll einsatzfähig sein. Die Pläne für eine europäische Alternative zum vom US-Militär entwickelten Global Positioning System (GPS) reichen allerdings bis ins Jahr 1994 zurück.

Watch live streaming video from eurospaceagency at livestream.com

Themenseiten: Business, European Union, GPS, Navigation

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu EU-Navigationssystem: Start der ersten Galileo-Satelliten verschoben (Live-Übertragung)

Kommentar hinzufügen
  • Am 20. Oktober 2011 um 10:07 von Rosi

    Galileo-Start: Live Übertragung
    Hallo, das Galileo-Startevent wird auf der deutschen ESA-Website übrigens von 11.00-12.45 auch live aus dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Oberpfaffenhofen übertragen: http://www.esa.int/esaCP/Germany.html

  • Am 20. Oktober 2011 um 12:41 von PH

    Galileo – kostenpflichtige Navis
    Hoffentlich bedeutet dieses neue unnütze da schon vorhandene System nicht das Ende der kostenlosen GPS-Signal-Nutzung?
    Wird dann das amerikanische GPS abgeschaltet oder verschlüsselt und wir zahlen dann eine Art ABO um die Signale von Galileo nützen zu „dürfen“?
    Als Autofahrer reicht mir die Genauigleit des heutigen GPS aus und ich will kein genaueres mitfinanzieren müssen das dann aber nur Konzernen geldwerten Vorteil bringt.

    • Am 21. Oktober 2011 um 10:21 von schulte

      @PH
      Sie werden sich keine Sorgen machen müssen, dass man GPS nicht mehr nutzen kann. Das Signal – ein Zeitsignal – wird unverschlüsselt aus dem All geschickt und trifft nicht auf ein einzelnes Land, sonder „bescheint“ die gesamte, vom Satelliten aus sichtbare Erdhalbkugel.
      Es gibt zu jeder Zeit immer auch Satelliten, die mit ihrem Signal sowohl die USA als auch Europa abdecken. Eine isolierte Betrachtung ist nicht möglich, weil auch nicht vorgesehen. Warum sollten die USA auch in Europa auf ein funktionierendes und allgemein akzeptiertes Satellitennavigationssystem verzichten?

      Ein Abschalten des GPS hätte zur Folge, dass alle Flugzeuge, alle Schiffe, alle Menschen, die sich z.B. in Afrika in der Wildnis auf das System verlassen, „blind“ wären.

      Als einzige und wirklich nur als theoretisch zu betrachtende Möglichkeit GPS (sowie GLONASS und COMPASS) auszuschalten, wäre überall in Deutschland Störsender zu installieren. Das würde aber auch dazu führen, dass alle internationalen Fluglinien auf GPS verzichten müssten. Von den rechtlichen Konsequenzen will ich gar nicht sprechen.

      Von daher sehe ich keinen Grund zu Besorgnis.

      Gruß
      schulte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *