Smart Meter: Mangelnde rechtliche Ausgestaltung erfordert gezielte Investitionen

Das Interesse an Smart Grids und den dafür notwendigen Smart Metern ist groß. Allerdings ist weitgehend unklar, was letztere überhaupt können müssen oder sollen. Im Gastbeitrag für ZDNet geht Rogério Zuim von Sentec dieser Frage nach.

Der Ausstieg aus der Atomenergie steht fest: Spätestens 2022 sollen in Deutschland alle Atommeiler abgeschaltet werden. Die Bundesregierung konzentriert sich nun darauf, erneuerbare Energien so schnell wie möglich auszubauen, um die drohende Lücke in der Stromversorgung zu schließen. Um Lastspitzen zu begegnen, muss die gesamte Infrastruktur mit intelligenten Netzen aufgerüstet werden, den sogenannten Smart Grids.

Das bedeutet, dass die reinen Transportnetze, die ursprünglich für eine einseitige Stromlieferung ausgerichtet waren, nun zu Kommunikationsnetzen werden. Idealerweise weiß der Verbraucher künftig, wann wie viel Strom zu welchen Preisen zur Verfügung steht. Der Schlüssel dafür ist der flächendeckende Einbau von intelligenten Zählern, auch Smart Meter genannt, die diese Information erheben und bereitstellen. Hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der technischen Mindestanforderungen besteht jedoch noch erheblicher Klärungsbedarf.

Fehlende Rahmenbedingungen erschweren Roll-Out

Rogério Zuim, der Autor dieses Gastbeitrags für ZDNet, ist Vice President European Sales bei bei Sentec (Bild: Sentec).
Rogério Zuim, der Autor dieses Gastbeitrags für ZDNet, ist Vice President European Sales bei Sentec (Bild: Sentec).

Obwohl Deutschland die Themen Umweltschutz und Energieeffizienz weltweit massiv vorantreibt, läuft die flächendeckende Einführung hierzulande noch schleppend. Die Hindernisse für die Einführung sind vor allem fehlende rechtliche Vorgaben und Unsicherheiten in der Kostenstruktur. So sind hinsichtlich letzterem beispielsweise die jeweiligen Verantwortlichkeiten noch nicht klar definiert. Auch steht noch nicht fest, welche technischen Anforderungen die in Deutschland eingesetzten Zähler erfüllen müssen.

Die Bundesnetzagentur hat zwar als Orientierung die technischen Mindestanforderungen für Messeinrichtungen festgelegt, diese bilden jedoch keine rechtliche Grundlage. Auch wurden noch keine klaren Vorgaben zu genauen Basisfunktionalitäten für Smart Meter festgelegt. Die einzelnen Regeln sind meist so komplex und unübersichtlich, dass die Umsetzung vor allem für kleinere Unternehmen zu einer kaum lösbaren Aufgabe wird. Ein weiteres Hindernis bei der Einführung von Smart Metern auf dem deutschen Markt ist die Unsicherheit hinsichtlich der Anerkennung der Investitionskosten durch die Bundesnetzagentur.

Was müssen die schlauen Zähler können?

In Anbetracht der unsicheren Kostenlage ist es wichtig, dass deutsche Unternehmen ihre Investition in Smart Meter optimal und so langfristig wie möglich planen. Die flächendeckende Installation von intelligenten Zählern ist immerhin mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Damit sich dieser rechnet, sollten die Zähler für mindestens zehn Jahre montiert und entsprechend upgradefähig sowie zukunftssicher sein. Um Unternehmen eine effiziente Investitionsgrundlage zu bieten, werden auch die Smart-Meter-Hersteller in die Pflicht genommen. Sie müssen Lösungen bereitstellen, die bei Abschluss der flächendeckenden Einführung nicht schon wieder veraltet sind. Zukunftssicherheit ohne Systemnachrüstung ist gerade in Deutschland das A und O aller neuen Zähler.

Damit dies auch umgesetzt werden kann, sollten bei der Zählerplanung verschiedene Punkte beachtet werden. Selbst wenn die Kunden heute noch nicht alle angebotenen Funktionen der hochklassigen Smart Meter nutzen können, werden die Anforderungen mit der Weiterentwicklung anderer Technologien steigen. Wie schnell dies passieren kann, zeigt der Vergleich zwischen einem aktuellen Smartphone und einem Mobiltelefon mit dem Stand vor zehn Jahren. Hier liegen Welten zwischen den Fähigkeiten zur Datenübertragung. Da man Zähler aus Kostengründen, anders als Mobiltelefone, nicht einfach und schnell austauschen kann, sollte entsprechend geplant werden.

Da Energieversorger in ihren Konzepten sogar Anforderungen beachten müssen, die heute noch nicht einmal bekannt sind, gehört zu den wichtigsten Features eines zukunftsfähigen Smart Meters ein Flash-Speicher mit möglichst hoher Kapazität. Dort lassen sich Firmware-Images für Upgrade-Zwecke speichern sowie umfangreiche Daten für zukünftige Anwendungen – etwa die Benutzerprofilerstellung oder die Last-Disaggregation – nahezu ohne zusätzliche Kosten erfassen. Zusätzlich erleichtert die Verwendung von standardisierten Prozessorarchitekturen und Hardwareschnittstellen renommierter Anbieter die Aktualisierung von Designs: Smart Meter lassen sich so bei Bedarf schnell und effektiv erweitern.

Smart ist nicht gleich smart

Nicht jedes Messgerät, das sich Smart Meter nennt, ist wirklich so intelligent, wie sein Name verspricht: Ein Stromzähler wird nicht zum modernen High-Tech-Gerät, nur weil er eine Funkantenne besitzt oder sich per Fernzugriff bedienen lässt.

Ein echtes Smart Meter verfügt meist über multiple bidirektionale Kommunikationsschnittstellen, kann weitaus mehr messen als nur den Stromverbrauch und ermöglicht in der Regel sogar die Auswahl verschiedener Tarifoptionen – Möglichkeiten, die heute in den meisten Versorgungsnetzen noch nicht einmal angelegt sind. Die Datenübertragung sollte unabhängig von der Art und Weise (ob Powerline oder Chip) sicher sein – sowohl in Bezug auf die kontinuierliche Funktionsfähigkeit als auch bei der Absicherung vor unbefugten Zugriffen.

Gezielte Planung durch maßgeschneiderte Lösungen

Darüber hinaus müssen Energieanbieter individuelle und maßgeschneiderte Lösungen umsetzen. Immerhin unterscheiden sich Versorgungsgebiete im Hinblick auf ihre geografischen Merkmale oder Parameter wie die Bevölkerungs- und Bebauungsdichte. Je nach Land können zudem verschiedene IT-Systeme gebräuchlich sein. Auch die Kommunikationsanforderungen sowie die Infrastruktur sehen von Stromversorger zu Stromversorger anders aus.

In Anbetracht der noch unsicheren Lage hinsichtlich der Handhabung von Smart Metern auf dem deutschen Markt ist es also sinnvoll, die Einführung intensiv zu planen und die intelligenten Zähler von Anfang an dem individuellen Bedarf anzupassen. Unternehmen müssen vorab klären, wo das Gerät eingesetzt wird und was genau es an diesem Ort leisten muss. Wenn Anforderungen wie diese detailliert festgelegt sind, ist die Investition in die individuell konfigurierbare Technologie eines Qualitätsanbieters absolut sinnvoll. Wenn die eingesetzten Smart Meter langfristig auf hohem Niveau einsetzbar sind, zahlt sich das Modell intelligenter Zähler für Energieanbieter definitiv aus. So können sie die unsichere Lage überbrücken und sich als Smart-Meter-Pioniere positionieren.

AUTOR

Rogério Zuim ...

... ist Vice President European Sales bei Sentec. Das Unternehmen mit Sitz im britischen Cambridge entwickelt Produkte für Solaranalgen, Smart Meter, Smart Grids, Smart Home und Elektrofahrzeuge.

Themenseiten: Gastbeiträge, IT-Business, Mobile, Smart Grid

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