Anonymous nimmt betrügerische Unternehmen ins Visier

Eine neue Fraktion des Hackerkollektivs will sie enttarnen und Anleger schützen. Zu den Mitgliedern von "Anonymous Analytics" sollen neben Computerexperten auch Analysten und Wirtschaftsprüfer gehören.

Das Hackerkollektiv Anonymous weitet seinen Aktivismus auf die Wirtschaft aus. Die neue Untergruppe „Anonymous Analytics“ will beispielsweise Unternehmen aufspüren, die ihre finanzielle Situation zum Nachteil ihrer Anleger falsch darstellen. Sie sieht ihre Aufgabe darin, „Firmen zu enttarnen, die zu einer schlechten Unternehmensführung neigen und in umfangreiche betrügerische Aktivitäten verstrickt sind“.

Die Mitglieder von Anonymous Analytics wollen „mit unkonventionellen Mitteln an Informationen kommen“, wie sie auf ihrer Website erklären. Zum Team gehörten Analysten, Wirtschaftsprüfer, Statistiker, Computerexperten und Anwälte. Ihre investigativen Berichte sollen jedoch ausschließlich auf Informationen beruhen, die auf legalem Weg erworben und vor einer Veröffentlichung gründlich überprüft wurden.

Als erstes ist ein Agrarkonzern ins Visier der Internetaktivisten geraten, der an der Börse von Hongkong notiert ist und zuvor als eines der wertvollsten Unternehmens Chinas galt. Ein 38-seitiger Bericht (PDF) von Anonymous Analytics wirft Chaoda Modern Agriculture vor, Anleger und Investoren getäuscht, Geschäftsberichte gefälscht und über eine Tarnfirma Gelder abgeschöpft zu haben. Es handle sich um einen der größten Betrugsfälle an der Hongkonger Börse, der sich seit elf Jahren hinziehe. Die Führungsspitze des Unternehmens habe über 400 Milllionen Dollar verschwinden lassen und weitere Anlegergelder in hochriskante Investitionen gesteckt. Das Unternehmen habe kaum noch Überlebenschancen und könne schon bald seine Börsenzulassung verlieren.

Trotz der ungewöhnlichen Herkunft des Reports berichtete die Nachrichtenagentur Reuters ausführlich darüber. Hongkonger Behörden bestätigten inzwischen, dass sie gegen Chaoda ermitteln. Die Aktien des Unternehmens fielen daraufhin um 26 Prozent, bevor ihr Handel ausgesetzt wurde. Insgesamt verloren sie sogar rund drei Viertel ihres Wertes seit Ende Mai, als eine chinesischsprachige Zeitschrift in Hongkong dem Unternehmen falsche Angaben über die von ihm bewirtschafteten Anbauflächen vorwarf.

Gegenüber der Financial Times bezeichnete ein Anonymous-Sprecher es als „logischen nächsten Schritt“, betrügerische Unternehmen ins Visier zu nehmen: „Wir glauben, dass wir hier etwas beitragen können.“

Die Website von Anonymous Analytics hat einen Postkasten für zweckdienliche Hinweise eingerichtet. Größere Unternehmen in westlichen Ländern müssen sich jedoch noch nicht wirklich fürchten. „Wir müssen mit kleineren Unternehmen beginnen, um unsere Mittel und Erfahrungen zu erweitern, und uns in der Nahrungskette langsam nach oben arbeiten“, erklärte der Sprecher weiter. „Wir würden gerne den nächsten Madoff zu Fall bringen, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir uns nicht übernehmen.“

Themenseiten: Anonymous, Big Data, Datenschutz, Hacker

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