Klassiker in neuer Version: Ad-Aware 9.5 Free im Test

Die Antivirenlösung Ad-Aware glänzt durch Algorithmen, die Malware sogar an CPU-Befehlen erkennt. Bisher galt das Programm jedoch als langsam. In der Version 9.5 soll sich das ändern. ZDNet hat sie unter die Lupe genommen.

Ad-Aware 9.5 (zum Download) setzt die mit Version 8 begonnene Weiterentwicklung des ursprünglich nur für Spy- und Adware-Erkennung bekannten Programms konsequent fort. Hersteller Lavasoft lizenziert nun die Antiviren-Engine von Sunbelt, dem Hersteller von Vipre, und verbessert das Produkt kontinuierlich mit interessanten Eigenentwicklungen.

Grundlegende Änderungen in Lavasofts Abwehrtechnologie gab es erstmals mit der Einführung von „Genotype“ in Version 8.1. Die auf heuristischen Funktionen basierende Engine soll es ermöglichen, identische Codeschnipsel in verschiedenen Bedrohungsmutierungen zu erkennen. In Version 9 erhielt „Genotype“ Unterstützung für „Dedicated Detection“.

Diese Technologie schaut in Dateien, analysiert Code und erzeugt lose Muster um verwandte Malware-Familien zu finden. Das Unternehmen wirbt damit, dass eine einzige dedizierte Signatur Hunderttausende Bedrohungen erkennen kann. Wichtiger noch, Lavasoft geht davon aus, dass die dedizierte Erkennung die Häufigkeit von Fehlalarmen reduziert, indem mehr Vergleichspunkte erstellt werden.

Hinweis: Das Video zeigt die Vorgängerversion 9.0, die der aktuellen sehr ähnlich ist

Eine zweite, ebenfalls neue Engine mit dem Namen „MagmaShield“ arbeitet proaktiv. Sie emuliert Prozessoranweisungen und vergleicht dabei auf der CPU-Ebene erlaubte Operationen mit solchen, die im User-Mode verboten sind. Auf diese Weise lässt sich dynamisch prüfen, ob eine Datei beispielsweise durch die Installation eines Kernel-Mode-Treibers versucht, sich unerlaubt Zugang zum Kernel zu verschaffen. Entsprechende Erkenntnisse erlauben der Software, schneller auf eventuelle Bedrohungen zu reagieren.

Installation

Ad-Aware 9.5 Free lässt sich problemlos und einfach installieren. Das Installationsprogramm der aktuellen Version ist im Vergleich zu Ad-Aware 9 Free von rund 130 MByte auf nur 12 MByte geschrumpft, wobei allerdings weitere 80 MByte an Daten direkt nachgeladen werden. Insgesamt ist das Installationspaket somit deutlich kleiner als in der Vorgängerversion.

Ad-Aware installiert keinerlei unerwünschte Toolbars und versucht auch nicht, die Standardsuchmaschine im Browser auszutauschen, was einige kostenlose Mitbewerber gerne tun. Nach der Installation ist ein Neustart erforderlich, was bei Sicherheitssoftware auch zu erwarten ist. Die Installation selbst verläuft eher langsam und dauert einschließlich des Neustarts über fünf Minuten – immerhin schneller als einige ältere Versionen.

Benutzeroberfläche

Das User-Interface von Ad-Aware hat sich seit Version 8 kaum verändert und müsste dringend einmal aufgefrischt werden. Das Hauptprogrammfenster besitzt drei Symbole, über die man per Mausklick die Definitionsdateien und Engines aktualisieren kann, das System auf Viren scannt, oder den Status des Echtzeitschutzes „Ad-Watch Live“ überprüft.

Unter den Hauptsymbolen befinden sich Schaltflächen zum Zugriff auf den Virenscan-Zeitplaner und den Zugang zum Support. In der linken, unteren Ecke gibt es zudem eine Schaltfläche, mit deren Hilfe man zwischen einem einfachen Modus und einem erweiterten Modus umschalten kann. Der einfache Modus macht lediglich einige Optionen unsichtbar, die durch das Umschalten in den erweiterten Modus wieder sichtbar werden. Von absoluten Neulingen abgesehen, sollten eigentlich alle Benutzer gut mit dem erweiterten Modus von Ad-Aware zurechtkommen.

Hinweis: Die Bildergalerie zeigt die Vorgängerversion 9.0, die der aktuellen sehr ähnlich ist

Oben rechts ist eine Reihe von Schaltflächen, über die man ebenfalls auf die drei Funktionen des Hauptfensters zugreifen kann, sowie eine Vierte für den Zugriff auf „Extras“. Unter den vier genannten Schaltflächen befindet sich zudem noch eine Weitere, genannt „Einstellungen“. Es ist leider nicht ersichtlich, warum an dieser Stelle der Benutzeroberfläche die drei Hauptfunktionen erneut vorzufinden sind. Es wäre wünschenswert, dass hier zum Nutzen der Anwender das User-Interface etwas konsistenter ist.

Klickt man auf die Schaltfläche „System Scannen“, wird immer ein vollständiger Virenscan durchgeführt („Full Scan“). Es ist an dieser Stelle leider nicht möglich, eine Auswahl zwischen den in Ad-Aware verfügbaren Scan-Methoden zu treffen. Intelligente Scans („Smart Scans“) oder benutzerdefinierte Scans („Profile Scans“) können nur über den Zeitplaner ausgeführt werden. In dem Scan-Fenster befinden sich zudem Registerkarten, über die man zum Zeitplaner, der Quarantäne oder der Ausschlussliste gelangt.

Das Ad-Watch-Live-Fenster zeigt an, welche Arten von Echtzeitschutz aktuell ausgeführt werden. Der Prozessschutz ist standardmäßig eingeschaltet, während Datei-, Netzwerk- und Registryschutz nur in der Bezahlversion von Ad-Aware verfügbar sind. Einige Mitbewerber, wie zum Beispiel Avast, bieten diese Funktionen bereits in ihren kostenlosen Versionen an.

Funktionsumfang

Die beiden neuen Engines „Dedicated Dectection“ und „MagmaShield“ sind die wichtigsten Verbesserungen seit Ad-Aware 9 Free, auch wenn ein Anwender gar nicht mit diesen direkt in Berührung kommt. Lavasoft hat das Verhalten des Zeitplaners in Version 9 etwas verändert, welcher erst seit Version 8.3 in der kostenlosen Variante verfügbar ist.

Ad-Aware-Free-Benutzer können allerdings lediglich zwei Virenscans planen; bei einem Upgrade auf Ad-Aware-Pro wird diese Beschränkung aufgehoben. Bei beiden Versionen ist es möglich, intelligente, vollständige, sowie benutzerdefinierte Scans einzuplanen und diese wahlweise entweder täglich, wöchentlich, monatlich oder beim Start von Windows auszuführen.

Zusätzlich zu Viren- und Malwarescans gibt es in Ad-Aware 9.5 Free auch eine Löschfunktion für Surfspuren, „TrackSweep“ genannt. Diese wird über die Schaltfläche „Extras“ aufgerufen und ermöglicht das Löschen von Caches, Cookies, Verlauf, zuletzt besuchten URLs, sowie von Registerkarten in Internet Explorer, Firefox, Chrome und Opera. Eine „Toolbox“ enthält weitere Optionen, die allerdings nur in der Bezahlversion verfügbar sind, zum Beispiel zusätzliche Funktionen zum Prozessschutz.

Aufgrund einiger Einschränkungen fällt es schwer, Ad-Aware im direkten Vergleich mit seiner kostenlosen Konkurrenz positiv zu bewerten. So ist es zum Beispiel nicht möglich, während eines Virenscans andere Programmfunktionen zu benutzen. Zudem gibt es in der Scanfunktion weder eine Fortschrittsanzeige noch eine Pausetaste. Auch Netzlaufwerke lassen sich mit Ad-Aware Free nicht scannen.

Beim Echtzeitschutz kann das Programm mit Konkurrenten wie Panda Cloud Antivirus, Avast, AVG und Avira nicht mithalten. Ad-Aware fehlen außerdem weitere wichtige Funktionen, etwa ein Internetschutz und ein Ruhe-Modus, der verhindert, dass aktive, zeitkritische Programme, beispielsweise Spiele, unterbrochen werden. Die erweiterten Optionen zum Entfernen von Rootkits sind ebenfalls nur in der Bezahlversion verfügbar, sodass für Ad-Aware 9.5 Free insgesamt dasselbe wie für die Vorgängerversion gilt: Der Umfang der Grundfunktionen ist dürftig.

Der Funktionsumfang hat sich zwischen Version 9 und der neuen Version 9.5 nur minimal verändert. Grundlegend neue Funktionen sind in der aktuellen Version nicht hinzugekommen.

Leistung

Ad-Aware 9 Free benötigt fast zwei Stunden für den ersten vollständigen Scan auf einem normalen Computer und ist damit ziemlich langsam. Der schnelle, „intelligente“ Scan, der nur betriebsrelevante Verzeichnisse und Dateien auf Infektionen untersucht, braucht in dieser Version rund 4 Minuten und ist damit etwas langsamer als der Quick-Scan in Version 8.3. Die ermittelte, durchschnittliche Laufzeit ist hierbei das Mittel von drei individuellen Scan-Durchläufen, jeder direkt nach einem Kaltstart des Computers ausgeführt.

In der neuen Version 9.5 benötigt der gleiche Scan im Schnitt 5 Minuten und 37 Sekunden und ist somit, entgegen Angaben von Lavasoft, deutlich langsamer als seine Vorgänger. Dies überrascht etwas, da nach Angaben der Firma das Programm in der neuesten Version wesentlich schneller als seine Vorgänger sein soll. Die erzielten Ergebnisse deuten allerdings eher darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist.

Dieses Problem hat Lavasoft inzwischen offensichtlich erkannt und eine Bugfix-Version 9.51 angekündigt, die das Problem der sehr langsamen Scans angeblich beseitigt. Auf der Lavasoft-Website lässt sich allerdings bisher nur Version 9.50 herunterladen.

Ad-Aware wurde von Lavasoft bisher nicht bei unabhängigen Testlabors eingereicht, um die Effizienz seines Tools zur Gefahrenerkennung und Beseitigung von Schädlingen zu testen. Aufgrund mangelnder Daten lassen sich deshalb an dieser Stelle keine Angaben darüber machen, wie gut das Programm die Rechner der Anwender wirklich sichert. Das CNET-Labor hat Ad-Aware darauf geprüft, ob es die Performance eines Systems negativ beeinflusst und dabei festgestellt, dass das Programm im Schnitt weniger System-Ressourcen als andere Programme benötigt. Allerdings belegen die Ergebnisse auch, dass keines der in diesem Jahr bereits getesteten Produkte bei seinen Scans so langsam war wie Ad-Aware 9.5.

CNET-Labs-Benchmark-Ergebnisse der Lavasoft-9.5-Produkte*

Sicherheitslösung Boot-
zeit
Shut-
down-
zeit
Scan-
dauer
MS-Office Perfor-
mance
iTunes-
Deko-
dierung
Media-
Multi-
tasking
Cinebench
Ungeschütztes System 40,0 6,0 395 120 342 17.711
Durchschnitt aller getesteten Antivirenprogramme 57,4 19,2 1323 420 125 351 17.097
Ad-Aware 9.5 Pro Internet Security 54.4 16.9 2080 405 125 347 16.884
Ad-Aware 9.5 Free Internet Security 59,0 12,8 2076 406 123 342 17.132


*Alle Testmessungen in Sekunden außer Cinebench. Beim Cinebench-Test gilt: je höher die Puntkzahl, desto besser.

Wie man der obigen Tabelle entnehmen kann, fällt der vergleichsweise geringe Einfluss von Ad-Aware auf das Starten und Herunterfahren des Rechners positiv auf. Im Vergleich zur Konkurrenz verlangsamt die Software den Rechner bei diesen Vorgängen am wenigsten. Als Vergleichswert wurde hierbei der Laufzeit-Mittelwert aller in diesem Jahr getesteten Produkte herangezogen. Sowohl die Resultate des iTunes-Decodierungs-Tests, als auch die des Media-Multitasking-Tests, zeigen, dass das Programm den geringsten zeitlichen Einfluss auf aktive Programme hat.

In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass die Scans von Ad-Aware im Vergleich zur Konkurrenz mit Abstand am langsamsten sind. Selbst das zweitlangsamste Produkt scannt immerhin noch rund 200 Sekunden schneller als das Lavasoft-Programm. Im Schnitt ist die Konkurrenz sogar rund 700 Sekunden schneller als Ad-Aware.

Der geringe Einfluss auf die Performance der Rechner ist als sehr gut zu bewerten, allerdings achten die meisten Anwender eher auf die Scan-Geschwindigkeit – und die muss in Ad-Aware unseren Messungen zufolge noch erheblich verbessert werden. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil Lavasoft im Vergleich zum Wettbewerb eine eher untergeordnete Rolle spielt und darauf angewiesen ist, sich zu verbessern, um mit der etablierten Konkurrenz weiter mitzuhalten.

Fazit

Langjährige Fans werden zweifellos die Veränderungen bemerken, die an Ad-Aware vorgenommen wurden. Das Programm entwickelt sich nach einigen Fehlschritten in den letzten Jahren weiter in die richtige Richtung. Auch Ad-Aware 9.5 Free zeigt einige positive Verbesserungen und ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren im Bereich der Malware-Entfernung aus. Im Vergleich zu seiner Konkurrenz ist die kostenlose Version aber immer noch eher ineffektiv und hat weiterhin viel Spielraum nach oben.

Downloads

Themenseiten: Hacker, Lavasoft, Security-Praxis, Spyware

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