Yahoo trennt sich nach 20 Monaten von CEO Carol Bartz

Der Aufsichtsrat übermittelte ihr die Kündigung per Telefon. Zu den Gründen schweigt er. Bartz antwortete mit einer Mail an die Mitarbeiter von ihrem iPad aus. Vorläufiger Nachfolger ist der bisherige Chief Financial Officer Tim Morse.

Carol Bartz (Bild: Yahoo)
Carol Bartz (Bild: Yahoo)

Der Aufsichtsrat von Yahoo hat CEO Carol Bartz entlassen. Das teilte sie selbst in einem Rundschreiben den Mitarbeitern mit – laut Signatur von ihrem iPad aus. Die Leitung des Internetkonzern übernimmt vorübergehend Chief Financial Officer Tim Morse. All Things Digital war als erstes auf die Personalie aufmerksam geworden.

„Ich muss Ihnen leider sagen, dass mir der Vorsitzende des Aufsichtsrats gerade telefonisch gekündigt hat“, schreibt Bartz. „Es war mir ein Vergnügen, mit Ihnen allen zu arbeiten, und ich wünsche Ihnen für die Zukunft nur das Beste.“

Bartz hatte im Januar 2009 den Chefsessel vom Firmengründer Jerry Yang übernommen. Zu dem Zeitpunkt kämpfte das Unternehmen mit mangelnder Konkurrenzfähigkeit und geringen Profiten. Eine ihrer ersten Maßnahmen als CEO war eine umfassende Reorganisation, um unter anderem schneller auf die Wünsche von Kunden reagieren zu können. Allerdings gelang es Bartz nie, den an den Marktführer Google verlorenen Boden wieder gutzumachen.

Gerüchte, wonach der Aufsichtsrat nach einem Ersatz für Bartz sucht, halten sich schon länger. Auf Yahoos Aktionärstreffen im Juni hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Roy Bostock noch gesagt, man unterstützte „Carol Bartz und ihre Führungsriege“ sehr. Ein Sprecher bezeichnete die Spekulationen zudem als „unwahr“.

In einer Pressemitteilung nannte Bostock keine Gründe für Bartz‘ Abberufung. Er verwies lediglich auf die schwierige weltwirtschaftliche Lage während ihrer Amtszeit. Die Aussichten für das Unternehmen beurteilte er jedoch durchweg positiv. „Der Aufsichtsrat sieht enorme Wachstumsmöglichkeiten, die Yahoo nutzen kann. Wir haben talentierte Teams, denen erhebliche Ressourcen zur Verfügung stehen, und wir beabsichtigen, das Unternehmen auf einen Wachstumspfad zurückzuführen“, sagte Bostock.

Bartz hatte die Leitung von Yahoo nach dem gescheiterten Kaufversuch durch Microsoft übernommen. Seitdem sank der Preis der Yahoo-Aktie um rund die Hälfte. Dem fallenden Kurs begegnete sie unter anderem mit der Entlassung von mehr als 1000 Mitarbeitern sowie der Ankündigung, Geschäftsbereiche wie Yahoo Buzz, AltaVista, Delicious und AllTheWeb.com zu schließen. Der Aktienkurs erreichte jedoch nie wieder die von Microsoft gebotenen 33 Dollar je Anteilsschein.

Die Entlassung Bartz‘ gab Yahoo nach Börsenschluss in den USA bekannt. Investoren nahmen die Nachricht positiv auf. Der Kurs der Yahoo-Aktie kletterte im nachbörslichen Handel um 0,81 Dollar oder 6,27 Prozent auf 13,72 Dollar.

Themenseiten: Business, Google, IT-Jobs, Microsoft, Suchmaschine, Yahoo

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