EU bevorratet Seltene Erden für die IT-Produktion

Der Schritt soll die Abhängigkeit von China verringern. Von dort stammen derzeit über 90 Prozent der Weltproduktion. Auslöser könnte die Schließung von drei Minen in der Provinz Jiangxi gewesen sein.

Die EU hat mit der Bevorratung von Seltenerdmetallen begonnen. Das bestätigt Andrea Maresia, Sprecher von Antonio Tajani, dem EU-Kommissar für Industrie, gegenüber Reuters. In einem ersten Schritt bemühe man sich darum, die Lieferung der Rohstoffe aus Ländern außerhalb der EU, insbesondere Lateinamerika, Afrika und Russland sicherzustellen. Im zweiten Schritt beginne man Vorräte anzulegen, um von den Mengen, die sich bereits in der EU befinden, besseren Gebrauch zu machen.

Ohne die Seltenen Erden geht in der IT heutzutage nicht mehr viel. Erbium beispielsweise wird für aktive Komponenten in Glasfasernetzen benötigt, die LCD-Produktion verlangt Europium und die meisten Storage-Produkte enthalten Neodymium, Gadolinium und Dysprosium.

Reuters zitiert auch David O’Brock, CEO des europäischen Seltenerdproduzenten Molycorp Silmet. Er sei von den EU-Behörden angesprochen worden. Sie hätten sich auch für die verfügbaren Mengen an Tantal und Niob interessiert, da diese auch zu den strategischen Materialien zählten. Beide werden ebenfalls in Elektronikgeräten verbaut, das wegen der Abbaumethoden für das Ausgangsprodukt Koltanerz in Afrika umstrittene Tantal (PDF) zum Beispiel in Mobiltelefonen.

O’Brock wies darauf hin, dass es lohnenswerter sei, Anreicherungsprodukte als reine Elemente zu bevorraten, da der Bedarf an den unterschiedlichen Mineralen stark schwanke. Der Manager sieht die EU-Aktivitäten aber in erster Linie als Antwort auf Befürchtungen von Militärs: Das ebenfalls zu den Seltenen Erden zählende Lanthan wird zum Beispiel für Treibstoff mit hohen Oktanzahlen benötigt, wie ihn Militärflugzeuge verwenden. Ein Embargo könnte seiner Ansicht nach die Handlunsfähigkeit europäischer Armeen einschränken.

Aus China stammen Schätzungen zufolge zwischen 90 und 97 Prozent der weltweit geförderten Seltenen Erden. Das Land verfügt allerdings aber nur über ein Drittel der bekannten Reserven. Im vergangenen Jahr hatte es Förderquoten und Exportbegrenzungen eingeführt, um die allzu schnelle Ausbeutung der Rohstoffe zu verhindern. Jetzt wurden drei Minen in der Provinz Jiangxi geschlossen. Möglicherweise hat das die Aktivitäten der EU-Behörden ausgelöst.

Die bisher bekannten weltweiten Reserven Seltener Erden werden von der US Geological Survey auf rund 110 Millionen Tonnen geschätzt. Lagerstätten befinden sich außer in China vor allem in den USA, in Russland und anderen zentralasiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. China hat im Herbst vergangenen Jahres ein Embargo auf Seltenerdmetalle verhängt. Das trieb die Rohstoffkosten stark in die Höhe, weshalb die Suche nach Lagerstätten weltweit intensiviert wurde.

„In den letzten 20 Jahren ist die Nachfrage nach vielen Produkten gestiegen, in denen Seltenerdmetalle stecken. China hat aus seinen großen Vorkommen an Seltenen Erden und seinen niedrigen Lohnkosten Kapital geschlagen, bis fast jede Förderung von Seltenerdmetallen außerhalb Chinas schließen musste, weil sie mit den chinesischen Preisen nicht mehr konkurrieren konnten“, sagte Robert Castellano, Präsident von The Information Network damals.

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