US-Staatsanwalt klagt Finder von iPhone-4-Prototyp an

Der Student soll das Gerät in einem Bierlokal aufgelesen haben. Ihm droht bis zu ein Jahr Gefängnis. Verleger und Redakteur des Blogs, der Bilder des Prototyps brachte, entgehen einer Anklage.

Die Staatsanwaltschaft von San Mateo County in Kalifornien hat ein Strafverfahren wegen Diebstahls gegen zwei Männer eingeleitet. Sie sollen im vergangenen Jahr einen Prototyp des iPhone 4 für 5000 Dollar an den Gadgetblog Gizmodo verkauft haben. Im April 2010 hatte der 22 Jahre alte Student Brian Hogan das damals noch nicht öffentlich vorgestellte Smartphone in einem kalifornisch-deutschen Bierlokal namens „Gourmet Haus Staudt“ gefunden. Dort war es einem Apple-Mitarbeiter, dem 28-jährigen Robert Gray Powell, abhanden gekommen, während er ausgiebig seinen Geburtstag feierte.

Ebenfalls angeklagt ist Sage Robert Wallower, der den Prototyp verschiedenen Web-Publikationen angeboten haben soll. Der frühere Verschlüsselungstechniker der US-Armee beteuerte im letzten Jahr in einem Interview mit ZDNet: „Ich habe das Gerät weder gesehen noch angerührt. Aber ich weiß, wer es gefunden hat.“

In dieser Bierbar im kalifornischen Redwood City soll ein Apple-Mitarbeiter vergangenes Jahr einen Prototyp des iPhone 4 verloren haben (Bild: ZDNet).
In dieser Bierbar im kalifornischen Redwood City soll ein Apple-Mitarbeiter vergangenes Jahr einen Prototyp des iPhone 4 verloren haben (Bild: ZDNet).

Gizmodo und der Blogbetreiber Gawker Media wurden nicht angeklagt, ebenso wenig wie die Mitarbeiter des Unternehmens. Das gilt auch für Redakteur Jason Chen, dessen Haus vergangenes Jahr während seiner Abwesenheit von einer Spezialeinheit der Polizei aufgebrochen und durchsucht worden war. Wie aus Dokumenten hervorgeht, die auf Anfrage von ZDNet und anderen Medien öffentlich gemacht wurden, drängte Apple die lokale Polizei schon am Tag nach der Veröffentlichung der Bilder zu Ermittlungen. Der Prototyp sei so wertvoll, argumentierte dabei ein Anwalt Apples, dass man nicht einmal einen Preis dafür nennen könne.

Die Entscheidung von Chen und Gizmodo, das verlorene iPhone für 5000 Dollar zu kaufen, erfolgte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht aus Habgier. Sie akzeptierte die Erklärung, dass der Kauf aus Zwecken der journalistischen Recherche erfolgte. Der besondere verfassungsrechtliche Schutz für journalistische Tätigkeit wurde damit auch einem Blog zugebilligt.

Wallower und Hogan können sich darauf freilich nicht berufen, obwohl der iPhone-Finder nach eigenen Angaben Apple telefonisch über den Fund informieren wollte und dabei abgewiesen wurde. Nach einem kalifornischen Gesetz aus dem Jahr 1872 ist des Diebstahls schuldig, wer verlorenes Eigentum findet und über den wahrscheinlichen Eigentümer informiert ist – aber „es sich für seine eigenen Zwecke aneignet“. Ein weiteres Gesetz des Staates sieht bis zu einem Jahr Gefängnis vor für jeden, der wissentlich Eigentum annimmt, das illegal beschafft wurde.

Hogans Anwalt Jeff Bornstein erklärte dazu: „Brian Hogan, der bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, bedauert zutiefst, dass er nicht mehr unternommen hat, um das in einem Lokal in Redwood City gefundene Mobiltelefon zurückzugeben. Obwohl wir nicht glauben, dass überhaupt eine Anklage hätte erhoben werden sollte, akzeptiert Brian die volle Verantwortung für das, was er getan hat. Wir arbeiten mit der Staatsanwaltschaft zusammen.“

Themenseiten: Apple, Business, Gerichtsurteil, Mobile, iPhone

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