IBM zieht sich aus Supercomputer-Projekt „Blue Waters“ zurück

Der finanzielle und technische Aufwand für den Petaflops-Rechner übersteigt alle Erwartungen. Nun sucht das NCSA einen neuen Auftragnehmer. Der Supercomputer ist für wissenschaftliche Aufgaben wie Wettersimulationen konzipiert.

Aus Kostengründen hat IBM den Bau eines Supercomputers der Petaflops-Klasse abgesagt. Geplant war ein vielseitig nutzbarer Supercomputer für akademische Forschung, den IBM im Auftrag der University of Illinois für das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) bauen sollte. Gesucht wird nun ein neuer Auftragnehmer für das Projekt Blue Waters.

IBM und NCSA begründeten in einer gemeinsamen Erklärung, warum der Vertrag aufgelöst wurde: „Die innovative Technologie, die IBM letztendlich entwickelte, war komplexer und hätte erheblich größerer finanzieller und technischer Aufwendungen bedurft – über die ursprünglichen Erwartungen hinaus. NCSA und IBM haben in enger Zusammenarbeit verschiedene Vorschläge untersucht, um eine weitere Teilnahme von IBM am Projekt zu ermöglichen. Wir konnten uns jedoch nicht auf einen gemeinsamen Plan für die künftige Weiterentwicklung einigen.“

Das Projekt Blue Waters war 2006 gestartet. Im Jahr 2007 bekam IBM den Auftrag für den Bau des Supercomputers, den das Unternehmen auf Grundlage seiner Power7-Prozessoren durchführen wollte. Nach dem Ausstieg wird IBM bereits erhaltene rund 30 Millionen Dollar zurückzahlen, wie NCSA-Verwaltungsdirektor John Melchi gegenüber ZDNet bestätigte.

Die Organisation ist jetzt auf der „sorgfältigen“ Suche nach einem anderen Auftragnehmer, der das Projekt für den ursprünglich bewilligten Betrag von 208 Millionen Dollar ausführen kann. „Es gab keine Debatte über eine inflationsbedingte Anhebung dieser Summe“, sagte Melchi.

Das Projekt zielt auf die Entwicklung eines Supercomputers mit einer Spitzenleistung von rund 10 Petaflops und einer verlässlichen Leistung von einem Petaflops für allgemeine Anwendungen. Letzteres bezieht sich auf die Leistung, die eine typische wissenschaftliche Anwendung erwarten kann.

„Wir nehmen nicht nur einen einfachen Algorithmus, von dem klar ist, dass er auf einer großen Maschine rasend schnell abläuft, sondern bringen Anwendungen aus der realen Welt auf den Supercomputer“, erklärte er. „Unser Schwerpunkt liegt wissenschaftlichen Anwendungen aus der Praxis statt auf simplen Benchmarks.“

Melchi bezog sich damit auf oft genannte Spitzenwerte wie die des Messprogramms Linpack, die für Leistungsvergleiche bei den schnellsten Supercomputern der Welt herhalten müssen. Als schnellster Rechner der Welt gilt derzeit der von Fujitsu entwickelte „K Computer“ mit einem Rmax-Score von 8,16 Petaflops. Im Mai kündigte Cray die neue Supercomputer-Architektur XK6 an, die bis zu 50 Petaflops erreichen soll.

John Melchi erwartet die Vollendung von Projekt Blue Waters mit einem neuen Auftragnehmer bis Ende 2012. Der Computer soll dann für eine breite Palette von Anwendungen zum Einsatz kommen – beispielsweise Wettersimulationen, Wettervorhersagen, Kosmologie und die Analyse komplexer biologischer Systeme.

Themenseiten: Business, Hardware, IBM, Supercomputing

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