Wikipedia kämpft gegen Autorenschwund

Die Online-Enzyklopädie muss aktiv um Nachwuchs werben. Ihre unübersichtlichen Bearbeitungsregeln stehen in der Kritik. Gründer Jimmy Wales will nicht von einer Krise sprechen, hält das Thema jedoch für wichtig.

Jimmy Wales (Bild: Wikimedia)
Jimmy Wales (Bild: Wikimedia)

Die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter bei Wikipedia ist deutlich zurückgegangen. Die Online-Enzyklopädie will dem Autorenschwund durch vereinfachte Bearbeitungsprozesse entgegenwirken. Das erklärte Gründer Jimmy Wales auf einem Wikipedia-Jahrestreffen im israelischen Haifa. „Wir haben nicht genug Nachwuchs“, sagte Wales. „Es ist keine Krise, aber ich halte es doch für ein wichtiges Thema.“

Im März hatte die Website 90.000 aktive Autoren; bis Juni 2012 möchte sie 5000 weitere gewinnen. 1000 Administratoren sind für Wikipedia tätig, 15 Millionen Nutzer haben sich schon registriert. In einer Liste der weltweit meistbesuchten Websites steht die Enzyklopädie an fünfter Stelle.

Manche Freiwillige verabschiedeten sich, weil es die Enzyklopädie seit zehn Jahren gebe und damit weniger Bedarf für neue Artikel da sei, versuchte Wales die Abgänge zu erklären. Zudem sei der typische Mitarbeiter 26 Jahre alt, männlich und ein „Geek“, der sich früher oder später anderen Dingen im Leben zuwende. Aber auch die oft heftigen Auseinandersetzungen um einzelne Bearbeitungen könnten Freiwillige leicht vertreiben.

Wikipedia-Geschäftsführerin Sue Gardner will den Trend mit verschiedenen Maßnahmen umkehren. Mehr Universitätsprofessoren sollen angeregt werden, ihren Studenten das Schreiben von Wikipedia-Beiträgen als Aufgaben zu übertragen. Das Programm zielt vor allem auf Studenten in Indien, Brasilien, Kanada, Deutschland und Großbritannien.

Mehr Engagement soll auch WikiLove bringen. Dieses neue Feature erlaubt es Nutzern der Website, ein grafisches Symbol zu wählen – etwa ein Kätzchen, Sterne oder ein Dessert – und damit zusammen mit einer kurzen Nachricht ihre Anerkennung für einen Mitarbeiter der Site auszudrücken. „Es ist wie ein ‚Gefällt mir‘ bei Facebook“, erklärte Wales. Eine Umfrage unter Wikipedia-Bearbeitern hatte kürzlich ergeben, dass sie sich besonders durch Lob für ihre Bearbeitungen und Artikel motivieren ließen.

Wales musste gegenüber den 600 Teilnehmern in Haifa aber auch einräumen, dass das Regelwerk für die Inhalte zu unübersichtlich geworden ist: „Viele der Richtlinien für die Bearbeitung erschließen sich neuen Nutzern nicht.“ Daher sollen sie nun vereinfacht werden.

Themenseiten: Internet, Networking, Soziale Netze, Wikipedia

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2 Kommentare zu Wikipedia kämpft gegen Autorenschwund

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  • Am 5. August 2011 um 18:43 von Tom

    Uninteressant
    Wikipedia ist uninteressant. Da steht die gleiche Mainstreams*** drin, wie sie im Fernsehen geboten wird.

  • Am 5. August 2011 um 22:10 von Andy

    Reform zur Motivation ist simpel
    Es reicht vollkommen den besonderen Löschungsfanatikern in der deutschen Wikipedia die Rechte zu entziehen, und offenkundig gekaufte Artikel wie "Open XML" für die Dauerkorrigiereditierer zu sperren.

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