Fachinformatiker Systemintegration: So sehen Ausbildung und Berufsalltag aus

Die IT ist eine schnelle, moderne und vielseitige Branche. Eigentlich dürfte es an Bewerbern um Ausbildungsplätze nicht mangeln - tut es aber jedes Jahr dennoch. ZDNet sprach mit drei jungen Fachinformatikern über Ausbildung und Beruf.

Alljährlich, wenn der Sommer zu Ende geht, beginnt in Deutschland die heiße Phase für die Vergabe von Ausbildungsplätzen. Eigentlich sollte bis dahin schon jeder Schulabgänger versorgt sein, es klappt jedoch nie. Die Gründe sind vielfältig: Entweder wohnen die Schulabgänger nicht dort, wo Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, oder sie bewerben sich lediglich auf ihnen attraktiv erscheinende Plätze, so das vermeintlich weniger attraktive Stellen unbesetzt bleiben.

Darunter leiden besonders Firmen aus der Informationstechnologie. Sie bieten unter anderem in den Ausbildungsberufen Fachinformatiker Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker Systemintegration oder IT-Systemkaufmann/frau Plätze an. Auch dafür, dass sie nur schwer Bewerber und noch schwerer Bewerberinnen finden, gibt es mehrere Gründe. So schrecken etwa schon die geforderten Mathekenntnisse manche Schulabgänger ab. Außerdem sind die passenden Ausbildungsberufe in der verhältnismäßig jungen Branche noch nicht so etabliert und bekannt wie andere. Fragen wie, “Wo kann man das überhaupt lernen?” und “Was macht man dann damit?” lassen sich nicht so einfach beantworten, wie bei einer Lehre in der Bank.

Schließlich klingt auch die offizielle Definition des Berufsbildes, wie sie Industrie- und Handelskammern oder die Bundesagentur für Arbeit geben, trocken und wenig aufregend. So “lockt” die IHK Köln etwa mit der Beschreibung: “Fachinformatiker/-innen mit der Fachrichtung Systemintegration sind qualifiziert für die Planung und Konfiguration von IT-Infrastrukturen wie Client/Server-Systeme, Telekommunikationsanlagen, Internetanschlüsse, Drucker und Modems bei Kunden oder im eigenen Unternehmen. Sie können fachlich beraten, betreuen Kunden und schulen die Anwender bei der Einführung neuer Systeme. Aufseiten der Anbieter ist ihr Arbeitsgebiet vor allem in Systemhäusern.”

In dieser Erklärung wird ein weiterer Grund für das mangelnde Interesse offenbar: Als typischen Arbeitgeber für einen Fachinformatiker Systemintegration nennt die IHK Systemhäuser. Da sie in der Regel nur mit anderen Firmen Geschäfte machen und so in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung treten, sind die Ausbildungsplätze anbietenden Firmen oft wenig bekannt und scheinen dadurch auch wenig attraktiv zu sein.

Einen guten und praxisnahen Einblick bekommen Interessenten etwa auf der Site von Christian Stobitzer. Er hat die Ausbildung selbst durchlaufen. Auch im Forum Fachinformatiker.de können sich Interessenten und Auszubildende informieren und austauschen. Dass die Ausbildung zum Fachinformatiker, sei es nun mit Schwerpunkt Systemintegration oder Anwendungsentwicklung, nicht nur etwas für Schulabgänger ist, zeigen zahlreiche Angebote im Web für teilweise oder sogar ganz geförderte Umschulungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen.

Im ersten Ausbildungsjahr kann man mit rund 650 Euro Ausbildungsvergütung rechnen. Dadurch sind viele darauf angewiesen, auch weiterhin bei der Familie zu wohnen – der Wechsel in eine andere, weit entfernte Stadt, in der man Miete bezahlen muss, ist damit nicht drin. Positiv ist, dass man sich mit dem erlernten Wissen schon schnell ein paar Euro Taschengeld dazuverdienen kann. Jemand, der sich “mit Computern auskennt” wird fast überall gesucht – nicht nur im Freundes- und Bekanntenkreis, der in der Regel für die kleine Hilfe nichts bezahlen will. Damit es durch Zusatztätigkeiten nicht zu Schwierigkeiten kommt, sollte man sich aber vorher mit dem Arbeitgeber absprechen.

Um den Ausbildungsweg und die Arbeit eines Fachinformatikers Systemintegration anschaulicher darzustellen, hat ZDNet mit drei Menschen gesprochen, die den Beruf inzwischen ausüben. Sie berichten, wieso sie sich für diese Ausbildung entschieden haben, welche Erfahrungen sie dabei gesammelt haben und was ihnen an ihrem Beruf gefällt und was sie nicht so mögen.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Fachinformatiker Systemintegration: So sehen Ausbildung und Berufsalltag aus

  • Am 5. August 2011 um 08:29 von BlogLeser

    Ausbildungserfahrungen
    Hallo,
    auch ich habe mich durch die Ausbildung (IT-Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung) gequält (2001-2003).
    Die Schule war mit dem, damals sicherlich, neuen Berufszweig komplett überfordert. Die Lehrer hatten teils (sorry folks) keinen Schimmer von IT – für den Lehrer, bei dem die Klasse das Programmieren hätte “lernen” sollen, war/ist HTML eine Programmiersprache… Meinen Wirtschaftslehre-Lehrer habe ich mehr Zeitung lesen sehen, als dass er an der Tafel stand…
    Zu guter Letzt hatte die kleine Firma in der ich war es durchaus erkannt zu was ein Azubi alles brauchbar ist: Hilfsarbeiten und all das, was sonst keiner machen wollte.
    Als ich den Ausbildungsverantwortlichen auf die Thematik “Lehrberuf” aufmerksam machte, war es geschehen: ich stand auf der Abschussliste.
    Naja… heute bin ich in dem Berufsfeld tätig und auch glücklich. Aber leider gibt es eben viel zu viele schwarze Schafe, die immer wieder versuchen den Lohn und die Wertschätzung zu drücken, wo sie nur können…. Real-Life eben.
    Aber: Der Beruf als Fachinformatiker an sich ist toll und macht, im richtigen Unternehmen, verdammt viel Spass!!

  • Am 5. August 2011 um 10:41 von ITSys

    in eine fremde Stadt ziehen
    bei 650€ Ausbildungsvergütung ist in eine fremde Stadt ziehen und Miete zahlen nicht drin? Ich bekomme wesentlich weniger Vergütung, wohne in einer fremden Stadt, zahle Schulgeld und muss wähernd der Schulzeiten auch noch in einer dritten Stadt übernachten.

    Machbar ist alles ;)

    Ich hätte mir für diesen Artikel noch ein paar praktische Hinweise gewünscht. Zum Beispiel welche Förderungsmöglichkeiten man in Anspruch nehmen kann und sollte.

    Und um auf den ersten Kommentar zu antworten: Der gemeine Azubi ist für allerlei Drecksarbeiten ideal. Denn man muss keine Fachkräfte dafür freimachen. Tut vielen aber auch mal ganz gut niedere Arbeiten zu verrichten. Man muss halt soviel Wissen mitnehmen wie man kann :)

    Hallo,
    machbar ist sicherlich vieles (wenn auch nicht alles). Die Aussage zur Miete orientiert sich an den Preisen in München. Da bleibt von dem Betrag nach Miete, Betriebskosten und ÖPNV-Kosten nicht mehr viel übrig. In anderen Städten ist das zugegebenermaßen aber sicher anders.
    Peter Marwan
    ZDNet-Redaktion

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