US Supreme Court erlaubt „Killerspiele“ für Kinder

Sie sind den Richtern zufolge ebenso schützenswert wie Bücher, Filme oder Musik. Computerspiele "kommunizieren Ideen und sogar gesellschaftliche Botschaften", urteilte das Gericht. Es kippt damit ein Verkaufsverbot in Kalifornien.

US Supreme Court

Das höchste amerikanische Gericht hat ein Verkaufsverbot für gewalthaltige Videospiele des Bundesstaats Kalifornien für verfassungswidrig erklärt. Es sollte den Verkauf und Verleih sogenannter Killerspiele an Personen unter 18 Jahren unterbinden. Nach Ansicht der Richter sind Computerspiele mit Büchern, Theaterstücken und Filmen vergleichbar – und fallen damit unter den Schutz der Meinungsfreiheit, die unter den 1. Zusatzartikel zur Verfassung fällt.

Auch Videospiele „kommunizieren Ideen – und sogar gesellschaftliche Botschaften“, schreibt Richter Antonin Scalia in der Urteilsbegründung (PDF). Sie bedienten sich dazu „gewohnter literarischer Hilfsmittel (etwa Charaktere, Dialoge, Handlung und Musik) sowie Funktionen, die dem Medium zu eigen sind (wie der Interaktion des Spielers mit der virtuellen Welt)“. Die Abstimmung fiel sieben zu zwei aus.

Scalia zufolge enthalten auch Bücher, die als angemessen für High-School-Studenten gelten, eine Menge Gewalt. Selbst die Märchen der Gebrüder Grimm, die man kleinen Kindern vorlese, seien in der Tat grimmig.

Zwar bestätigten die Richter, dass ein Staat Minderjährige schützen müsse – er dürfe jedoch nicht unbegrenzt entscheiden, welchen Ideen Kinder und Jugendliche ausgesetzt seien. Die USA hätten „keine Tradition, den Zugang von Kindern zu Darstellungen von Gewalt zu beschränken“.

Die Entertainment Merchants Association (EMA) begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Sie vermeide jedoch nicht die Bedenken vieler Eltern, erklärte Bo Andersen, Präsident und CEO der EMA. „Wie das Gericht aber festgestellt hat, trägt das Bewertungssystem des ESRB viel dazu bei, ‚zu gewährleisten, dass Minderjährige sehr gewalttätige Spiele nicht allein erwerben können und dass Eltern, die sich für die Materie interessieren, in der Lage sind, Spiele einzuschätzen, die ihre Kinder nach Hause bringen‘.“

Auch die Entertainment Software Association (ESA) zeigte sich zufrieden. „Der Supreme Court hat bestätigt, was wir immer schon wussten: Dass die Meinungsfreiheit sich ebenso auf Videospiele anwenden lässt, wie auf andere Formen kreativen Ausdrucks, etwa Bücher, Filme und Musik“, sagte Michael Gallagher, Präsident und CEO der ESA. Eltern und nicht Bürokraten der Regierung hätten nunmehr das Recht, zu entscheiden, welche Inhalte für ihre Kinder geeignet seien.

Themenseiten: Business, ESA, Gerichtsurteil, Konsole, Personal Tech, Politik, Zensur

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6 Kommentare zu US Supreme Court erlaubt „Killerspiele“ für Kinder

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  • Am 28. Juni 2011 um 19:55 von Thomas Busch

    USA gibt Killerspiele für Kinder frei
    Solange in den Vereinigten Staaten solche Rechtsprechung herrscht und solange Heere von gewissenlosen Film- und Spieleproduzenten die Produktion von erbärmlichsten Gewaltorgien fortsetzen, werden die USA von ihrer gewalttätigen und imperialistischen Aussenpolitik (Korea, Vietnam, Iran, Irak, Afghanistan, usw.) nicht ablassen.
    Und genaus das steckt auch hinter solchen Urteilen. Die USA brauchen stetigen Nachwuchs an Kanonenfutter, junge Männer die sich für den american way of life töten lassen. Da muss sich früh üben, wer ein Meister werden will (muss).
    Es ist jämmerlich mitanzuschauen, wie aus den USA stetig aber sicher ein Abschaum-Staat wird.

    • Am 1. Juli 2011 um 1:32 von A.Bundy

      AW: US Supreme Court erlaubt „Killerspiele“ für Kinder
      Haste dich verlaufen?
      Dein strunzdummes antiamerikanisches Propagandageschwafel kannste dort ablassen, wo es jemanden interessiert! Altermedia oder indymedia, is egal.

  • Am 29. Juni 2011 um 0:35 von Hugo Palm

    Grimms Märchen sind anders!
    Grimms Märchen sind eine Sammlung volkstümlicher Erzählungen, in denen archetypische Figuren die positiven bzw. negativen Charaktere wiedergeben. Das es für die Zeit, in denen sie aufgeschrieben wurden, auch mit Gewalt zu tun hat, will ich nicht von der Hand weisen. Der Vergleich mit Killerspielen hinkt aber total!
    Hier werden die Kinder aktiv am (virtuellen) Töten von anderen beteiligt. Die Erzählungen aus den Märchen ist aber endlich, das Spiel hat einen Resetknopf und suggeriert dem Kind, alle Opfer könnten wieder lebendig gemacht werden.
    Für Kinder bis 12 Jahren sind solche wirren Welten fatal, da sie die Realität verzerren. Also gehören solche Spiele zu recht auf den Index!

    • Am 29. Juni 2011 um 19:45 von DMGaina

      AW: US Supreme Court erlaubt ‚Killerspiele‘ für Kinder
      Nicht umsonst sind Spiele ab 18 auch ab 18.

      Es liegt an den Eltern das zu kontrollieren, nicht an der Regierung, außerdem ist der vergleich zu den Grimm Geschichten durchaus legitim und sogar in Spielen weitaus BESSER ausgeprägt als in Geschichten.

      In Spielen gibt es gute und böse Figuren, Spieler müssen mit ihren Konsequenzen leben und entscheidungen Treffen, ob sie aus habgier handeln oder ob sie den schwachen helfen wollen.

      Grimm Märchen sind und waren in meinen Augen immer totaler blödsinn, da sie wirklich das GUTE und BÖSE auseinandergezogen haben, „weil-es-so-ist“.

      Spiele sind wesentlich lyrischer und haben immer „Hintergrundgeschichten“ in diesen wird immer erzählt, warum der Böse eben der „böse“ ist und warum man das Recht verfolgen muss oder auch nicht. Warum das „gute“ Siegt und warum nicht.

      Natürlich ist es für wenige ignorante Menschen nicht nachzuvollziehen aber Computerspiele sind eine höhere lyrische Kunst und meiner Meinung, das perfekte Künstlerische zusammenspiel aus Musik, Grafischer Kunst, Emotionaler Geschichten und Interaktion.

      Spiele wie Fallout 3, oder Bioshock die zwar über einen hohen Gewaltgrad verfügen sprechen hier für sich.

      Beide sind nur ab 18 erhältlich… aber natürlich regen wir uns darüber auf, dass ein bisschen Blut fließt und verteufeln das gesammte Medium „Spiele“ und benennen es abwertend in „Killerspiele“ um.
      (Was für mich als angehender Spieleentwickler eine extreme Beleidigung ist.)

  • Am 29. Juni 2011 um 2:44 von A.Bundy

    Titten statt Knarren
    Würden in besagten Spielen hauptsächlich Titten statt Knarren zu sehen sein, hätte der gute Richter Antonin Scalia sicher ganz anders geurteilt.

    • Am 30. Juni 2011 um 11:19 von Roy

      AW: US Supreme Court erlaubt „Killerspiele“ für Kinder
      Ich verstehe die Hysterie hier keineswegs.
      Der Richter gab keine gewaltverherrlichenden Computerspiele für 12 Jährige frei. Wo lest ihr solche Unsinn? Diese Spiele werden wie starker Alkohol und Cigaretten ab 18 Jahren verkauft. Und lasst doch einfach den Begriff „Killerspiele“ einfach mal sein. Mit Lemmings waren damals schon Massenmord an der Tagesordnung. Moohrhuns omg… gleich wegsperren!
      Sry, selbst halte auch nichts von Counter Strike und anderen EGO Shootern, aber alles pauschal zu verteufeln und die Nutzer für dumm zu erklären zeigt mir jedenfalls keine geistige Reife der Kommentatoren.
      Ich glaube die Meisten Eltern haben nur Panik davor sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, weil sie die Art der Spiele, die Technologie und deren Umgang nicht verstehen und nicht beherrschen.

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