FTC soll Facebooks Gesichtserkennung untersuchen

Datenschützer haben Beschwerde bei der US-Handelsbehörde eingelegt. Sie fürchten vor allem, dass Facebook die Funktion für eine Art biometrische Datenbank nutzt. Noch hat aber auch die EU keine offizielle Untersuchung eingeleitet.

Nach der Europäischen Kommission haben auch Datenschützer in den USA Facebooks Gesichtserkennung kritisiert. Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) hat Beschwerde (PDF) eingelegt und die US-Handelsbehörde FTC aufgefordert, die Funktion zu untersuchen.

„Die ‚Tag-Vorschläge‘ funktionieren von Mitgliedern hochgeladene Fotos in ein Bildidentifikationssystem um, das unter der alleinigen Kontrolle von Facebook steht“, schreiben die Datenschützer. Dies sei ohne das Wissen und die Zustimmung von Nutzern geschehen, ebenso ohne eine adäquate Abschätzung der Risiken.

Die Datenschützer fürchten, dass das Social Network die Informationen missbrauchen könnte. „Nutzer konnten in keinster Weise damit rechnen, dass Facebook ihre Fotos dazu verwenden würde, eine biometrische Datenbank aufzubauen.“

Laut EPIC verletzt das Social Network mit solchen Geschäftspraktiken nicht nur seine eigenen Datenschutzrichtlinien, sondern auch öffentlich gemachte Versprechen. „Sollte die FTC nicht unverzüglich tätig werden, besteht Grund zu der Annahme, dass Facebook die Gesichtserkennung routinemäßig automatisiert und Anwender keine Kontrolle mehr darüber haben, wie ihre Bilder zur Identifikation im Web genutzt werden.“

In den USA konzentrieren sich die Datenschützer auf die Gesichtserkennungsfunktion an sich, während die EU stärker Facebooks Praxis im Visier hat. Der größte Kritikpunkt: Facebook aktiviert die Funktion, ohne seine Mitglieder zu informieren.

„Das Taggen von Personen in Bildern sollte nur mit ihrer Zustimmung möglich und nicht standardmäßig aktiviert sein“, sagte Gérard Lommel, Mitglied der Mitglied der Artikel-29-Arbeitsgruppe, im Gespräch mit BusinessWeek. Die automatische Gesichtserkennung berge viele Risiken für Nutzer. Man werde gegenüber Facebook klarstellen, dass „so etwas so nicht passieren darf.“

Die Funktion sucht in hochgeladenen Bildern nach Gesichtern und fragt nach, ob eine gefundene Person mit einem Namen aus dem Facebook-Freundeskreis verknüpft werden soll. Sie macht auch Vorschläge, wer auf den Fotos abgebildet sein könnte.

Facebook stellte indes klar, dass derzeit noch „keine offizielle Untersuchung“ stattfinde. Man versorge die EU lediglich mit zusätzlichen Informationen, „von denen wir überzeugt sind, dass sie jegliche Bedenken ausräumen werden“, sagte Unternehmenssprecherin Sophy Tobias gegenüber Reuters.

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, European Union, Facebook, Federal Trade Commission, Internet, Networking, Privacy, Soziale Netze

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