EU-Datenschützer kritisieren Facebooks Gesichtserkennung

Sie birgt ihrer Ansicht nach Gefahren für die Anwender. Die Datenschützer bemängeln, dass die Funktion standardmäßig aktiviert ist. Facebook räumt Versäumnisse bei der Information seiner Mitglieder ein.

Die Europäische Kommission will eine Untersuchung der von Facebook klammheimlich auch in Deutschland ausgerollten Gesichtserkennung einleiten. Das hat Gérard Lommel, Mitglied der Artikel-29-Arbeitsgruppe, im Gespräch mit BusinessWeek angekündigt. Seine Arbeitsgruppe berät die Kommission in Datenschutzfragen.

Die Datenschützer kritisieren, dass Facebook das Feature von vornherein aktiviert, ohne seine Mitglieder darüber zu informieren. „Das Taggen von Personen in Bildern sollte nur mit ihrer Zustimmung möglich und nicht standardmäßig aktiviert sein“, sagte Lommel. Die automatische Gesichtserkennung berge viele Risiken für Nutzer. Man werde gegenüber Facebook klarstellen, dass „so etwas so nicht passieren darf.“

Das Feature sucht in hochgeladenen Bildern nach Gesichtern und fragt nach, ob eine gefundene Person mit einem Namen aus dem Facebook-Freundeskreis verknüpft werden soll. Es macht auch Vorschläge, wer auf den Fotos abgebildet sein könnte.

„Wir schlagen die Tags vor, um Nutzern dabei zu helfen, ihre Freunde in ihren Fotos zu erkennen“, sagte ein Facebook-Sprecher gegenüber ZDNet. „Das ist etwas, was derzeit mehr als 100 Millionen Mal täglich passiert. Die Vorschläge werden nur gemacht, wenn neue Fotos hochgeladen werden, und es werden nur Freunde vorgeschlagen. Wenn jemand nicht möchte, dass sein Name vorgeschlagen wird, kann er das Feature in den Privatsphäreeinstellungen deaktivieren.“

Im Dezember hatte Facebook mit dem weltweiten Rollout begonnen und damals angekündigt, auf Rückmeldungen zu hören und über eine breitere Einführung zu informieren. „Wir hätten während der Einführung Nutzern deutlicher sagen müssen, wann ihnen das Feature zur Verfügung steht. Tag-Vorschläge sind jetzt in den meisten Ländern erhältlich, und wir werden weitere Updates in unserem Blog veröffentlichen“, so der Sprecher jetzt.

Wie All Things Digital berichtet, erklärte Google-Chairman Eric Schmidt kürzlich auf der Konferenz D9, er persönlich habe bei Google die Arbeit an einer Gesichtserkennung beendet, obwohl sie schon entwickelt worden sei. Apple hatte sich im vergangenen Jahr indes durch die Akquisition des Unternehmens Polar Rose in diesem Bereich gestärkt.

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, European Union, Facebook, Internet, Networking, Privacy, Soziale Netze

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