E-Book-Anbieter gibt Apple die Schuld an seinem Scheitern

Apples "Agency-Modell" für den E-Book-Handel auf der iOS-Plattform macht ihn für Dritte unrentabel. BeamItDown kritisiert die Unzuverlässigkeit von Apple als Geschäftspartner. Seinen iFlowReader hatten sich sechs Millionen Nutzer heruntergeladen.

BeamItDown Software stellt seinen E-Book-Reader iFlowReader für die iOS-Plattform aufgrund Apples restriktiver Geschäftsbedingungen ein (Screenshot: ZDNet).
BeamItDown Software stellt seinen E-Book-Reader iFlowReader für die iOS-Plattform aufgrund Apples restriktiver Geschäftsbedingungen ein (Screenshot: ZDNet).

BeamItDown Software wird seinen Betrieb und die Weiterentwicklung der Software iFlow Reader zum 31. Mai 2011 einstellen. Das hat der amerikanische E-Book-Anbieter jetzt auf seiner Website bekannt gegeben. Als Grund nennt das Unternehmen die restriktiven Bedingungen für Apples Geschäftspartner: Der Konzern mache es völlig unmöglich, dass jemand außer ihm selbst profitabel zeitgenössische E-Books auf Geräten mit iOS anbietet.

„Wir haben alles auf Apple und iOS gesetzt, und dann hat uns Apple gekillt, indem es die Regeln mitten im Verlauf des Spiels geändert hat“, klagt das Unternehmen auf seiner Website. „Wir sind eine kleine Firma, die dachte, sie könnte ein besseres Produkt anbieten. Wir glauben, dass wir das auch geschafft haben – sind aber machtlos gegen Apples vollkommene Kontrolle der iOS-Plattform.“

Nach Angaben von BeamItDown haben sich sechs Millionen Nutzer den iFlowReader heruntergeladen. Unwirtschaftlich geworden sei das Geschäft dadurch, dass Apple von E-Book-Anbietern 30 Prozent des Preises jedes über die iOS-App verkauften E-Books beanspruche. Allerdings liege die durch das „Agency-Modell“ mögliche Bruttomarge unter 30 Prozent, so dass BeamItDown Software bei jedem verkauften E-Book Verlust machen würde.

Das „Agency-Modell“ wurde von Apple für jeden Verlag, der Bücher über Apples iBooks-App verkaufen will, verpflichtend gemacht. Es umfasst drei Schlüsselpunkte. Erstens wird der Publisher als Händler eingestuft. Das Unternehmen, das das E-Book verkauft, wird als „Agent“ des Händlers eingestuft, der eine Kommission erhält. Alle Agenten müssen Bücher zum selben Preis verkaufen, der vom Publisher festgelegt wird. Und alle Agenten erhalten eine Kommission von 30 Prozent auf den Verkaufspreis. Vor Einführung des „Agency-Modells“ boten Publisher laut BeamItDown Software Verkäufern üblicherweise 50 Prozent.

Da alle Agenten nur noch 30 Prozent erhalten, Apple aber eine Gebühr von 30 Prozent des Verkaufspreises verlangt, bleibt für sie unterm Strich nichts übrig. BeamItDown zufolge haben die sechs größten Verlage, von denen zusammen 90 Prozent aller verkauften E-Books kommen, das „Agency-Modell“ akzeptiert. Random House sei der letzte der großen Verlage gewesen und habe den Schritt am 1. März getan. Binnen acht Stunden seien die 17.000 Titel des Verlages am 28. Februar daher aus dem Sortiment von BeamItDown verschwunden – nur um am folgenden in Apples iBooks-Katalog aufzutauchen.

BeamItDown bedauert besonders, dass sich Apple als unzuverlässiger und willkürlich agierender Geschäftspartner erwiesen habe. Bereits im September 2009 habe man dem Konzern das geplante Geschäftsmodell vorgestellt, aber nur eine ausweichende Antwort erhalten. Der im November 2010 eingereichte iFlowReader sei wenige Tage später zugelassen worden. Daraufhin habe man erhebliche zusätzliche Investitionen in Lizenz-, Integrations- und Servergebühren getätigt, um den E-Book-Store am 2. Dezember 2010 zu eröffnen.

„Zwei Monate später änderte Apple die Regeln und drängte uns damit aus dem Geschäft. Sie verlangen jetzt 30 Prozent des Verkaufspreises jedes Buches, wohl wissend, dass dieser Betrag unserer gesamten Marge entspricht. Was wie eine vernünftige Forderung aussieht, wenn es von Apples außergewöhnlich guter PR-Abteilung vorgebracht wird, ist im Grunde eine Räumungsklage für alle E-Book-Verkäufer auf der iOS-Plattform.“

HIGHLIGHT

Praxis: Installation von Mac OS X 10.6 auf einem PC

Dank zahlreicher Entwicklungen der OSx86-Community lässt sich Snow Leopard auch auf PCs installieren. Wie das funktioniert und warum ein echter Mac immer noch besser ist, zeigt der ausführliche ZDNet-Testbericht.

Themenseiten: Apple, Business, E-Books, Mobile, Steve Jobs, iPad, iPhone

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu E-Book-Anbieter gibt Apple die Schuld an seinem Scheitern

Kommentar hinzufügen
  • Am 12. Mai 2011 um 20:10 von Felix

    So weit ist nicht mal Microsoft gegangen
    Was Apple da macht ist eine Frechheit. Das ist so als hätte Microsoft von jedem Song den iTunes auf Windows verkauft eine Provision von 30% verlangt. Damit hätten Sie iTunes auf Windows total unwirtschaftlich gemacht.

    Das gleiche macht Apple jetzt mit Musik, Videos und eBooks auf iOS. Wer immer noch denkt Apple sei eine coole, nette Firma verkennt die Realität.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *