Mit kleinen Tricks und großen Schritten zu mehr Effizienz im Rechenzentrum

Die "Cloudisierung" der Rechenzentren zwingt dazu, die Arbeitsweise in ihnen grundlegend zu professionalisieren. Dazu gehört auch, alle denkbaren Effizienzreserven auszuschöpfen - seien die nun energetischer oder eher handwerklicher Natur.

Ausgelagerte, von Dienstleistern betriebene Rechenzentren, werden in Zukunft in vielen Unternehmen das Rechenzentrum im eigenen Haus ganz oder teilweise ersetzen. Das setzt die noch junge Datacenter-Branche einem ganz neuen Effizienz- und Automatisierungsdruck aus. Die Zeiten, als die Mitarbeiter schraubend unter Server-Schränken lagen, nähern sich endgültig dem Ende, denn mit solchen Prozessen lässt sich auf dem internationalen und konkurrenzintensiven Markt kein Blumentopf gewinnen.

Diesen Schluss konnte man jedenfalls aus den Präsentationen während der „Datacenter 2011“ in Nizza, einer vom Beratungsunternehmen Broad Group organisierten Kongressmesse, ziehen. Effizienzgewinne lassen sich vor allem auf zwei Ebenen erzielen: einmal durch handwerkliche Erleichterungen und Automatisierung, zum anderen, auf der energetischen Seite, durch pfiffige neue Ideen und Optimierung bereits existierender Technologien. Und die kommen nicht immer von den üblichen Verdächtigen in dem Markt.

Glasfaserverbindungen einfacher umstecken

Handwerkliche Erleichterungen beim Aufbau oder beim Umstecken von Glasfaserverbindungen, wie sie sich heute in Rechenzentren mehrheitlich durchsetzen, bietet ein neues System von Corning. Oft schaffen es nämlich Mitarbeiter mit etwas größeren Händen kaum, die Steckverbinder mit den feinen Fasern zu bestücken. Bei LANscape Premium Edge sind die Steckverbinderleisten an einem mobilen Träger befestigt, den man aus dem Gerät mit nur einer Hand herausziehen kann, so dass er erheblich besser zugänglich ist. Die einzelnen Fasern sind so vorbereitet, dass sie sich ohne großes Fummeln an den richtigen Stecker anschließen lassen. Angeblich verkürzt sich dadurch die für die Bestückung benötigte Zeit um 85 Prozent.

Sesam öffne Dich im Rechenzentrum

Ein weiteres, immer wieder brisantes Thema, ist die Rechenzentrums-Sicherheit: Einerseits sollen, wenn dies zum Beispiel aus technischen Gründen nötig ist, alle Schränke möglichst sofort zugänglich sein – andererseits ist es gerade für Betreiber mehrerer Rechenzentren an unterschiedlichen Orten auf Dauer wohl zu teuer, überall schnell greifbare, sicherheitszertifizierte Mitarbeiter bereitzuhalten. Eine Lösung stammt von TZ Infrastructure Protection. Sie besteht in einem elektronisch vernetzten Modul, das statt des mechanischen Schließhebels vorn und hinten an die Türen im RZ-Schrank montiert wird. Dazu kommen zwei Sensoren.

Dieses Modul lässt sich übers Internet remote von durch Passwort ausgewiesenen Mitarbeitern direkt ansprechen oder regelbasiert so steuern, dass es die Tür dann öffnet, wenn bestimmte Randbedingungen erfüllt sind, zum Beispiel einer der Sensoren eine erhöhte Temperatur anzeigt. Natürlich können Berechtigte Türen, die mit dem Modul bestückt sind, auch vor Ort öffnen und schließen.

Rechenzentrumsbau: klotzen, nicht kleckern

Effizienzgewinne lassen sich schon beim Rechenzentrumsbau erzielen, indem Data Center beispielsweise nicht mehr jeweils individuell entwickelt, sondern stärker standardisiert werden. Diesen Weg geht jetzt Colt. Nach einem Probejahr, in dem nur ein Rechenzentrums-Modul mit 500 Quadratmetern offeriert wurde, hat der Dienstleister nun drei weitere Modulgrößen (125, 250 und 375 Quadratmeter) im Programm. Diese sind jeweils in unterschiedlichen Sicherheitsstufen (Tier 2 bis 4) und für Stromlasten zwischen 750 und 3000 Watt pro Quadratmeter lieferbar.

Die Module lassen sich beliebig kombinieren, kommen als Bauteilsatz und lassen sich deshalb auch in schon bereits fertige Gebäude integrieren. Sie sind bis zu 90 Minuten feuerfest und kommen komplett mit Generatoren und Tanks, die für 72 Stunden Brennstoff in Reserve halten können.

RZ-Innovationen für die Umwelt

Weitere Innovationen befassen sich mit der Umwelteffizienz der Rechenzentren, die immer stärker schon beim Design eine Rolle spielt. Besonders die Kühlenergie, die oft über die Hälfte der Gesamtenergie verschlingt, macht den Betreibern zu schaffen und soll dringend reduziert werden. Wege dazu gibt es viele, beispielsweise die Kühlung mit Wasser aus einem Süßwassersee, in den das erwärmte Wasser dann einfach zurückgespeist wird. So macht es der Dienstleister Deepgreen Datacenter in der Schweiz.

Mit einer vereinfachten Luftkühlung durch eine neue mehrgeschossige Architektur übereinander liegender Kalt- und Warmgänge, so dass warme Luft automatisch nach oben abzieht, arbeitet ein neues Rechenzentrum des Dienstleisters Celeste in Paris. Thermische Räder erlauben eine extrem energiesparsame Luftkühlung. Von erfolgreich laufenden vergleichbaren Anlagen in den Niederlanden und den USA berichtet Robert F. Sullivan, Berater und Rechenzentrumsspezialst.

Sogar die Flüssigkühlung kommt wieder zu neuen Ehren, diesmal allerdings ohne das wegen der Korrosionsgefahr in Verruf geratene Wasser: In Paris wurden zwei Konzepte vorgestellt, die dielektrische (nicht leitende) Öle verwenden, welche aber hervorragend Wärme transportieren. Das interessanteste stammt von dem Newcomer Hardcore Computer, der mit der kühlenden Flüssigkeit das gesamte Innere seiner gekapselten Blade-Computermodule flutet. Wie Gründer und CEO Chad Attesley verlauten lässt, hat man bereits einen OEM-Vertrag mit IBM in der Tasche.

Themenseiten: Cloud-Computing, Colt, Corning, IT-Business, Rechenzentrum, Strategien

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