Experten fordern Open-Source-Einsatz auf australischen Wahlautomaten

Den Trend zu geschlossenen Systemen beurteilt die Informatikervereinigung CORE negativ. Sie fordert Transparenz in jeder Hinsicht. Das in Auftrag gegebene Programm iVote entspricht ihr zufolge nicht einmal Onlinebanking-Kriterien.

Ein Konsortium von Informatikern hat die australische Regierung aufgefordert, alle Wahlcomputerprogramme quelloffen zu machen, um Stimmmanipulation auszuschließen. Wenn Australien sich entscheide, auf elektronische Wahlsysteme umzusteigen, müssten auf diese Weise der Schutz der Privatsphäre, die Integrität, die Transparenz und die Überprüfbarkeit des Wahsystems gewahrt bleiben, schreibt die Computing Research and Education Association of Australia (CORE) in einer Eingabe (PDF) an das Parlament.

Die Computerwissenschaftler empfehlen, jeglichen Quelltext, aber auch Dokumentationen, Berichte und Sicherheitsüberprüfungen öffentlich zugänglich zu machen. „Es gibt genauso wenig einen Grund für einen geheimen, nicht überprüfbaren Wahlvorgang wie für irgendeinen anderen Geheimvorgang, der Stimmen ungeprüft ins Ergebnis überführt.“

Jedes Computerprogramm könne Fehler oder Sicherheitslöcher haben, die Manipulation durch Außenstehende ermöglichten. „Eines davon könnte die Ursache dafür sein, dass eine Stimme nicht wie vom Wähler intendiert gezählt wird, nicht korrekt übertragen oder nicht gezählt wird.“

Die Informatiker wenden sich gegen bisherige staatliche Ausschreibungen, insbesondere das im Staat New South Wales für den Einsatz vorbereitete iVote. „Der jüngste Trend auf Staats- und Bundesebene, elektronische Wahlsysteme geheimniskrämerischen privaten Anbietern anzuvertrauen, ist nicht mit dem Grad an Transparenz vereinbar, den wir von einer Wahl in Australien erwarten.“ Die Wahlkommission in New South Wales plane, nach Prüfung von iVote lediglich den Bericht der Tester zu veröffentlichen, der kaum Rückschlüsse auf die Sicherheit zulassen werde.

Konkret habe iVote eine Reihe Schwachstellen. Die Absicherung durch eine achtstellige Benutzernummer und eine sechsstellige PIN genüge nicht einmal den Anforderungen fürs Onlinebanking.

Besonders abgeneigt sind die Akademiker Wahlen übers Internet. Ein solches Verfahren könne nur eine letzte Zuflucht sein. Werde es genutzt, müsse man der Bevölkerung auch klarmachen, dass es weniger sicher sei als eine Briefwahl.

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1 Kommentar zu Experten fordern Open-Source-Einsatz auf australischen Wahlautomaten

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  • Am 21. April 2011 um 0:13 von Arnim Rupp

    So ein Quatsch
    Die Veröffentlichung des Codes bringt gar nichts, weil der Bürger nicht prüfen kann, ob tatsächlich dieser Code auf dem Wahlcomputer läuft. Er muss immer an irgendeiner Stelle eine Behörde trauen.

    Und selbst wenn der Code öffentlich wäre gibt es immer noch das Problem der Vertraulichkeit beim Kompilieren, siehe die Arbeit "Reflections on Trusting Trust" von Ken Thompson.

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