Französisches Start-up will Handys per Photovoltaik-Film laden

Die 0,1 Millimeter dicke Folie lässt sich auf das Display des Mobiltelefons aufbringen. Sie kostet Hersteller rund einen Euro. Sechs Stunden Sonnenlicht laden den Akku vollständig auf. Erste Geräte sollen 2012 auf den Markt kommen.

Logo der Firma Wysips

Das französische Start-up Wysips hat eine transparente, 0,1 Millimeter dicke Photovoltaik-Folie entwickelt. Diese kann auf das Display eines Handys oder eines Smartphones aufgebracht werden und wandelt das Licht der Sonne oder einer Lampe in Strom um. Nach Angaben von Wysips-Gründer Ludovic DeBlois und seinem Partner Joël Gilbert sind sechs Stunden Sonnenlicht nötig, um den Akku vollständig aufzuladen. Für ein Gespräch von 30 Minuten reiche bereits eine Stunde aus. Die Ladezeit in geschlossenen Räumen beträgt ungefähr einen Tag.

Die Forscher versprechen, dass die von ihnen entwickelte Folie weder den Bildschirm verdunkelt noch die Touchscreenbedienung einschränkt. Die Wysips-Folie biete nicht nur eine längere Autonomie des Akkus, sie könne in Schwellenländern mit starker Sonneneinstrahlung Ladegeräte sogar vollständig ersetzen. Als Nebeneffekt ließen sich dann Mobiltelefone für diese Märkte zu deutlich niedrigeren Preisen und mit spürbar geringerem Ressourcenverbrauch produzieren. Die Folie will Wysips den Herstellern zu einem Preis von unter einem Euro verkaufen.

DeBlois steht nach eigenen Angaben bereits in Kontakt zu Herstellern und Mobilfunkbetreibern: „Die ersten Handys mit unserer Folie werden in der ersten Hälfte des Jahres 2012 auf den Markt kommen.“ Mobiltelefone sieht der Anbieter zwar als erstes, aber nicht als einziges Einsatzgebiet seines Produkts. Weitere Anwendungsbeispiele seien das autonome Aufladen von Laptops, Uhren oder digitalen Plakatwänden. Berechnungen der Forscher zufolge soll eine Plakatwand von 4 mal 3 Metern ein Drittel des Stromverbrauchs eines Haushaltes mit zwei Kindern abdecken können – falls nicht elektrisch geheizt wird.

Der Gedanke, Solarenergie für den Betrieb mobiler Geräte zu nutzen, ist nicht neu. Beispielsweise bietet Vodafone in Indien schon seit Sommer 2010 ein mit Solarzellen betriebenes Mobiltelefon an. Um vollständig aufgeladen zu sein, muss das Gerät acht Stunden direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Das VF 247 bietet dann nach Angaben von Vodafone acht Tage Standby und vier Stunden Sprechzeit. Das recht einfach gehaltene Telefon wird trotz der Solarzellen auch mit einem Ladegerät ausgeliefert und kostet umgerechnet knapp über 20 Euro.

Samsung hatte auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona ein solargetriebenes Touchscreen-Handy präsentiert. Das Modell Blue Earth wird aus recyceltem Kunststoff gefertigt und besitzt einen „Eco Mode“, mit dem sich Bildhelligkeit, Hintergrundbeleuchtungsdauer und Bluetooth energiesparend einstellen oder abschalten lassen. Das Touchscreen-Handy kostet in Deutschland derzeit ohne Vertrag zwischen 90 und 110 Euro. Ebenfalls auf dem MWC 2010 hatte NTT Docomo ein wassergeschütztes, solarbetriebenes Mobiltelefon vorgestellt.

Auch Motorola hat schon an einem Solar-Handy gearbeitet. Dabei wurde die Bildschirmoberfläche des Mobiltelefons auf die Solarzellen gesetzt. Das Problem mit der schlechten Lichtdurchlässigkeit des Displays versuchte Motorola durch die Verwendung von neuen Flüssigkristallen zu lösen.

Außerdem gibt es schon seit fast drei Jahren immer wieder Gerüchte über Solarzellen für das iPhone. Sie erhielten 2010 durch zwei Patentanträge des Herstellers neue Nahrung: Im Januar wurde ein Antrag von Apple für ein Patent zur Stromversorgung mobiler Geräte mit Solarzellen bekannt, im Juni ein weiteres für die Integration von Solarzellen in Touchscreens. Vorteile der Wysips-Lösung gegenüber den bisherigen Versuchen scheinen die geringen Kosten und die wesentlich breiteren Einsatzmöglichkeiten der Technologie zu sein.

Themenseiten: Business, Displays, Forschung, Mobil, Mobile

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