Angriff auf Yahoo und Microsoft in den Iran zurückverfolgt

Der Sicherheitsanbieter Comodo verliert neun digitale Zertifikate für HTTPS-Websites. Damit lassen sich manipulierte Sites als Seiten vertrauenswürdiger Anbieter ausgeben. Davon betroffen sich auch Mozilla, Google und Skype.

Den Diebstahl der SSL-Zertifikate hat Comodo in den Iran zurückverfolgt (Bild: Comodo).
Den Diebstahl der SSL-Zertifikate hat Comodo in den Iran zurückverfolgt (Bild: Comodo).

Comodo hat den Verlust von neun digitalen Zertifikaten eingeräumt. Sie können missbraucht werden, um manipulierte Webseiten als per HTTPS verschlüsselte Seiten vertrauenswürdiger Anbieter auszugeben. Inzwischen seien alle Zertifikate zurückgezogen worden, teilte das Unternehmen mit.

Gestohlen wurden die Zertifikate schon am 15. März bei einem Einbruch bei einem Partner von Comodo. Microsoft zufolge handelt es sich unter anderem um Zertifikate für den hauseigenen Dienst Live.com sowie für Google Mail, Yahoo, Skype und Mozillas Add-on-Website.

Die für den Diebstahl benutzten IP-Adressen hat Comodo in die iranische Hauptstadt Teheran zurückverfolgt. Der Fokus und die Geschwindigkeit, mit der der Angriff ausgeführt wurde, legen laut Comodo-CEO Melih Abdulhayoglu die Vermutung nahe, dass eine Regierung dahinter steckt. „Alle betroffenen Domainnamen haben mit Kommunikation zu tun – es gibt kein finanzielles Motiv.“ Mit Hilfe von nachgeahmten Websites könne eine Regierung Passwörter ausspähen, E-Mails lesen und andere Aktivitäten ihrer Bürger überwachen, selbst wenn die Verbindungen per SSL verschlüsselt seien.

Abdulhayoglu zufolge muss der Angreifer auch ein Netzwerk betreiben, um das Domain Name System so zu manipulieren, dass Nutzer beispielsweise auf eine gefälschte Google-Mail-Seite weitergeleitet werden. Für eine Regierung wie die des Iran, die die Telekommunikationsinfrastruktur des Landes kontrolliert, sei das kein Problem.

„Es ist auffällig, dass die betroffenen Domains sehr nützlich für eine Regierung sind, die die Internetnutzung von Dissidenten überwachen will“, schreibt Philip Hallam-Baker, Vizepräsident von Comodo, in einem Blogeintrag. „Der Angriff kommt zu einer Zeit, in der es in vielen Ländern in Nordafrika und der Golfregion Proteste gibt, die häufig per Internet und Social-Networking-Sites organisiert werden.“

Auch viele Browser-Hersteller haben die gestohlenen SSL-Zertifikate mittlerweile für ungültig erklärt. Laut Mozilla können Firefox 4.0, 3.6 und 3.5 sie erkennen und automatisch blockieren. Google hatte seinen Browser schon in der vergangenen Woche aktualisiert. Microsoft hat ein Update angekündigt.

Nach Ansicht von Jacob Appelbaum, einem Programmierer des Tor-Projekts, stellt der Angriff den Sicherheitsmechanismus des Internets in Frage, der auf signierten digitalen Zertifikaten beruht. „Das sollte als Weckruf dienen“, schreibt Appelbaum in einem Blogeintrag. „Wir müssen neue Methoden erforschen und entwickeln, die Vertrauen, Identität, Authentizität und Diskretion sicherstellen.“

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