Unix: Renaissance zwischen Mainframes und x86

Oft belächelt spielen Unix-Rechner in vielen Firmen dennoch immer noch eine wichtige Rolle. Den Markt dominieren nach wie vor IBM und HP - wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen.

IBMs AIX ist vor kurzem 25 Jahre alt geworden. Das Aufsehen, dass der Konzern darum machte, verwunderte viele: Ist Unix nicht schon längst tot – zerrieben zwischen starken x86-Rechnern und geschrumpften Mainframes? Doch Totgesagte leben länger: Unix und Linux erfahren auf bestimmten Systemen eine Renaissance, wenn es auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit ankommt.

Tatsächlich haben es die Unix-Werker nicht leicht, sich zwischen Multicore-Intel-Boliden und Superrechnern vom Typ Cray oder IBM System Z zu behaupten. Eine sichtbare Folge davon: Während die weltweiten Verkäufe von System Z laut Gartner im vierten Quartal 2010 erstaunlich anstiegen, fielen die Unix-Umsätze im gleichen Zeitraum bei den meisten Anbietern in den Keller: bei HP um 15,3 Prozent und bei Oracle (inklusive Sun) sogar um 45,8 Prozent.

„Nur IBM wusste seinen Unix-Marktanteil weltweit mit einem Wachstum um 2,7 Prozent auf nunmehr 38,3 Prozent auszubauen“, so Adrian O’Connell, Analyst bei Gartner. Gemessen am Umsatz legte IBM weltweit sogar um zehn Prozent auf 42 Prozent zu.

Jürgen Wiegand, Direktor für die Power-Plattform bei IBM Deutschland, sieht die Vorteile von Unix auf Power-Prozessoren in erster Linie bei Zuverlässigkeit und Hochverfügbarkeit, aber auch bei der Performance. „Power7 ist sowohl Itanium2 als auch Suns Sparc-Prozessoren überlegen.“ Auf Power laufen sowohl AIX und Linux als auch IBM i, die Virtualisierung und Hochverfügbarkeit der Plattform nutzen könnten. „Der Unix-Markt ist in Deutschland eine halbe Milliarde Euro groß, und wir dominieren ihn.“

Als eigentlichen Business-Nutzen der Unix-Systeme nennt Wiegand die Vorteile des Betriebssystems AIX 7.1. Dieses biete Multithreading-Fähigkeit, Skalierbarkeit und „massive Parallelität“. Letztere wird beispielsweise auch von IBM Watson ausgenutzt. „Nicht nur die Cores sind parallelisiert geschaltet, sondern auch die Programmausführung erfolgt entsprechend parallelisiert“, so Wiegand.

Jürgen Wiegand, Direktor Power Platform bei IBM Deutschland (Bild: IBM).
Jürgen Wiegand, Direktor Power Platform bei IBM Deutschland (Bild: IBM).

Der Knackpunkt sind die Workloads: Durch Virtualisierung und Scheduling lassen sich maximale Auslastungsraten für bestimmte Workloads erzielen. „Unsere Power- und AIX-Systeme laufen bei unseren Kunden mit 60, 70 oder 80 Prozent Auslastung“, sagt Wiegand. „Ich habe einen Kunden, der fing bei 70 Prozent an und trieb die Maschine bis auf 98 Prozent hoch.“

Auch die Hochverfügbarkeit sei optimiert: „Eine AIX-Maschine ist im Schnitt pro Jahr nur 15 Minuten unten. Die durchschnittliche Wiederanlaufzeit liegt bei elf Minuten. Ich habe bei AIX im Jahr also eine knappe halbe Stunde Nichtverfügbarkeit.“

Wer heute einen Unternehmensberater zwecks Effizienzsteigerung der IT um Rat bitte, so Wiegand, der bekomme Outsourcing empfohlen. Doch mit der Power-Plattform sei das unnötig. Und das erkennen dem IBM-Manager zufolge immer mehr Banken, die vom Mainframe auf Power umsteigen, Versicherungen, die auf Power komplexe Analysen fahren, aber auch Logistiker, die die Lieferkette kalkulieren, und Ingenieure, die viele Simulationen im Rapid Prototyping nutzen.

Hewlett-Packard

Auch HP sieht geschäftskritische Anwendungen wie ERP, Datenbanken oder Core-Banking bevorzugt auf Unix-Systemen.“ Entgegen der weit verbreiteten Meinung können die hohen Arbeitslasten auf Unix-Systemen oftmals nicht kosteneffizienter auf Standard-Servern – sprich x86-Systemen – abgebildet werden“, erklärt Michael Garri, Leiter Business Development für Business Critical Systems bei HP Deutschland.

Michael Garri, Leiter Business Development für Business Critical Systems bei HP Deutschland (Bild: HP).
Michael Garri, Leiter Business Development für Business Critical Systems bei HP Deutschland (Bild: HP).

„HP hat im vergangenen Jahr mit den neuen Superdome-Servern der zweiten Generation auch neue Funktionen seines Unix-Betriebssystems HP-UX auf den Markt gebracht“, so Garri weiter. „Dabei wurde ein Augenmerk auf die Weiterentwicklung in den Bereichen Sicherheit, Verfügbarkeit und Virtualisierung gelegt.“ Gleichzeitig habe HP die Lizenzierung verändert: Anstelle von CPU-Kernen bilden nun die Sockel die Berechnungsgrundlage. „Damit konnten wir die effektiven Lizenzierungskosten um bis zu 50 Prozent senken.“ Das erkläre auch die gesunkenen Umsätze, von denen die Marktforscher berichten.

„Zudem haben wir HP-UX in das Architekturkonzept Converged Infrastructure integriert und damit die Verwaltung von gemischten Systemumgebungen deutlich vereinfacht.“ Damit können Unternehmen die gesamte Infrastruktur – von x86-Servern über Netzwerkkomponenten und Speicher bis hin zu den Mission-Critical-Integrity-Blades – über ein Management-Werkzeug verwalten und für beide Systemwelten die gleichen Infrastrukturkomponenten verwenden. Das gilt auch für die Server der NonStop-Familie mit dem Betriebssystem NonStop OS, die für Anwendungen mit noch höheren Anforderungen – etwa nach Hochverfügbarkeit und Fehlertoleranz – ausgelegt sind.

Ebenso wie bei IBM sind hybride Systeme ein Unix-Wachstumssektor. „Bei der Vermarktung kommt es darauf an, die IT-Landschaft in heutigen Rechenzentren zu berücksichtigen“, erläutert Garri: „Die meisten Unternehmen haben heute eine heterogene IT-Landschaft, bestehend aus x86- und Mission-Critical-Systemen. Diese Heterogenität im Rechenzentrum können wir mit unserem Architekturkonzept Converged Infrastructure sowie mit HP-UX abbilden.“

IT-Leiter könnten so jedem Anwender und jeder Anwendung das richtige Betriebssystem bereitstellen. Die Zukunft von Unix ist zumindest bei HP vorerst gesichert.“ Für HP-UX 11i v3 bietet HP mindestens bis 2020 Support. Für das Jahr 2013 ist die Einführung von HP-UX 11i v4 geplant.“ Nun müssen nur noch die Umsatzzahlen stimmen.

Themenseiten: HP, IBM, IT-Business, Mittelstand, Technologien

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