US-Regierung fordert mehr Transparenz bei Domainvergabe durch ICANN

Ein Regierungsvertreter übt heftige Kritik an der Internetbehörde: Die ICANN muss ihre Entscheidungen besser erläutern und Regierungsratschlägen folgen. Die Festlegung von Top-Level-Domains funktioniert derzeit angeblich nicht gut.

NTIA-Chef Larry Strickland (Bild: ICANN)
NTIA-Chef Larry Strickland (Bild: ICANN)

Die US-Regierung verlangt von der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) mehr „Verantwortlichkeit“ und „Transparenz“. Anlässlich einer öffentlichen Sitzung des ICANN-Vorstands in San Francisco forderte Larry Strickling, Chef der National Telecommunications and Information Administration (NTIA), dass die Internetbehörde ihre Entscheidungen besser erläutern und den Ratschlägen nationaler Regierungen folgen „müsse“.

Strickling: „Es liegt noch Arbeit vor uns, um die ICANN, wie sie ist, zu dem zu machen, was sie sein sollte.“ Auf einigen Gebieten ließe die Arbeit der Behörde „zu wünschen übrig“. Seine Äußerungen beziehen sich vor allem auf die Regeln für die Einführung neuer Top-Level-Domains (TLD) wie zum Beispiel „.car“, „.love“, „.movie“, „.web“ oder „.wine“. Die USA hatten schon im Februar ein Vetorecht bei Top-Level-Domains gefordert.

Laut ICANN wurden auf der Tagung in San Francisco extra zwei Versammlungen für „Konsultationen“ mit Regierungen reserviert. Anfang März hatte die Behörde eine Liste mit 23 Punkten zusammengestellt, über die es Differenzen mit der Politik gibt. Dazu gehören außer dem Einfluss nationaler Regierungen unter anderem, wie viel Markeninhaber bei Domainnamen mitreden dürfen, die unter neuen Suffixen wie „.bank“ registriert werden.

Die Festlegung von TLDs funktioniert nach Stricklings Ansicht gegenwärtig nicht besonders gut. Eine Frage sei, „ob Regierungen gemeinsam im kollektiven Rahmen der ICANN agieren und ihre Interessen angemessen berücksichtigt finden können“. Die ICANN habe nicht angemessen auf eine Untersuchung vom April 2010 zu den Themen Verantwortlichkeit und Transparenz reagiert. Jetzt ergebe sich die Frage, „ob ICANN-Vorstand und -Management die Disziplin und Willensstärke haben, die Empfehlungen zur Kenntnis zu nehmen, und zeitnah auf seriöse und wirksame Weise umzusetzen.“ Die ICANN müsse mehr tun, um die Regierungen einzubinden.

Schützenhilfe bekommt Strickling von Ira Magaziner, einem Berater der Clinton-Administration, der maßgeblich an der Gründung der Behörde mitgearbeitet hat, und Vint Cerf, Informatiker, ehemaliger ICANN-Vorstand und jetziger Vice President bei Google. Beide forderten die ICANN in San Francisco auf, offener und zugänglicher zu werden. Man müsse „sich bemühen, die Transparenz zu verbessern. Es sollte erklärt werden, welche Gründe den Vorstand bei seinen Beratungen zu bestimmten Regelentscheidungen geführt haben“, sagte Cerf. „Hier gibt es noch großes Verbesserungspotential.“

Die Zuständigkeit der ICANN für die Verwaltung von Internetadressen endet am 30. September 2011. Die NTIA hat in einer Notiz die Frage gestellt, ob eine Verlängerung nicht geprüft werden sollte. Einige Regierungen fordern schon länger, der ICANN die Entscheidungskompetenz zu entziehen, und sie an eine Behörde der Vereinten Nationen wie der International Telecommunication Union zu übergeben. So weit will die NTIA aber nicht gehen.

Themenseiten: ICANN, Internet, Politik, Zensur

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