Wenig Lust auf Enterprise 2.0

Eine von Computacenter bei TNS Emnid in Auftrag gegebene Umfrage brachte es jetzt ans Licht: Deutsche haben wenig Lust auf Enterprise 2.0. Zudem unterscheiden sich die Antworten der verschiedenen befragten Generationen kaum. Taugt das Konzept nichts, oder wird es nur schlecht erklärt?

E-Mail ist doof und bald tot – so lautet auf den Punkt gebracht die Botschaft, die Experten, Vordenker, Trendforscher und seit einiger Zeit vermitteln. Zwar entdeckten ältere Menschen den Briefersatz gerade für sich, aber wer jung und dynamisch ist, kommuniziert heutzutage anders – etwa über Instant Messages, Social Networks oder eine der übergreifenden Kollaborationsplattformen, die alle Möglichkeiten in sich vereinen.

Soweit die Theorie. Über sie lässt sich auch trefflich reden. Erfolgsgeschichten aus der Praxis sind dagegen selten. Kritik wird oft als technikfeindliches Geschwätz abgetan. Schließlich entwickle sich heute alles viel schneller, man müsse mit der Zeit gehen und in Amerika machten das jetzt alle so. Als Indikator dafür, dass Enterprise 2.0 trotzdem noch nicht Alltag ist, kann die Aufregung gesehen werden, für die kürzlich eine Meldung des IT-Dienstleisters Atos Origin gesorgt hat, sich binnen drei Jahren von der internen E-Mail zu verabschieden.

Ein weiterer, vermeintlicher Todesstoß für die E-Mail kommt aus Potsdam: Die Innovationsschule des dortigen Hasso-Plattner-Instituts hat mit „Social Sounds“ den Prototypen eines Handydienstes vorgestellt, der Nachrichten als personalisiertes Radio für unterwegs hörbar machen soll. In der Ankündigung heißt es, der Dienst soll „bei jungen Leuten die E-Mail ablösen“. Bei näherer Betrachtung stellt sich dann aber heraus, dass der Service lediglich Nachrichten und Statusmeldungen aus unterschiedlichen Kanälen zusammenzuführt und diese von unterwegs aus zugreifbar macht. Zu den Kanälen gehört auch die E-Mail. Sie wird damit also nicht abgelöst, sondern nur in anderer Form genutzt.

E-Mail als Kommunikationsmittel noch nicht abgeschrieben

Die Vermutung, dass E-Mail als Kommunikationsmittel noch nicht ganz abgeschrieben ist, legen auch im Dezember veröffentlichte Ergebnisse einer Umfrage des britischen Marktforschungsunternehmens TNS nahe. Demnach ist Social Networking in Asien und Südamerika zwar beliebter als E-Mail, aber Nutzer verbringen im weltweiten Durchschnitt dennoch wöchentlich rund 4,4 Stunden mit Lesen und Schreiben von E-Mails. Für 72 Prozent ist dies nach wie vor die wichtigste Online-Aktivität.

Dass Zusammenarbeit mittels neuer Kommunikationstechnologien und Social Media von vielen Beschäftigten noch skeptisch gesehen wird, zeigt auch eine vom IT-Dienstleister Comptacenter bei TNS Emnid in Auftrag gegebene Umfrage. E-Mail (99 Prozent) und Festnetztelefon (97 Prozent) werden von den Befragten nach wie vor am häufigsten zur Kommunikation mit Kunden, Kollegen und Geschäftspartnern genutzt.

Nur 54 Prozent der Befragten setzen oft Laptops oder Smartphones ein. Noch weniger verwenden Angestellte Wikis, Foren oder andere Plattformen für den Wissensaustausch (36 Prozent) oder den Zugriff auf Unternehmensdaten von unterwegs (33 Prozent). Chat, Audio-, Video-, oder Webkonferenzen sind noch weniger verbreitet (15 Prozent). Nur jeder Zehnte der Befragten nutzt soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder LinkedIn beruflich „oft“ oder „sehr oft“.

Kaum Unterschiede zwischen den Generationen

Rund 60 Prozent aller Befragten, die mobile Geräte bisher nicht beruflich nutzen, lehnen deren Einsatz ab und sehen darin keine Arbeitserleichterung. Vom Zugriff auf Unternehmensdaten von zu Hause oder unterwegs versprechen sich nur 29 Prozent derjenigen eine Erleichterung ihrer Arbeit, die diese Möglichkeit bisher nicht nutzen. Entgegen der gängigen Meinung wurden in der Computacenter-Umfrage keine signifikanten Unterschiede zwischen den Generationen festgestellt. Beispielsweise wünschen sich die nach 1980 Geborenen, die sogenannten Digital Natives, nicht mehr Social Media im Unternehmen.

Nur die Vorteile nicht verstanden?

Die Skepsis werten die Initiatoren der Umfrage jedoch nicht als Indiz für eine generelle Ablehnung neuer Technologien. Sie führen für ihren Standpunkt auch Belege an: 89 Prozent der Befragten halten es für wichtig, mit modernen Kommunikationsmitteln im Berufsalltag umgehen zu können. 83 Prozent akzeptieren Innovationen und sind bereit, diese von Beginn an zu nutzen. Auch diesbezüglich ist der Unterschied im Antwortverhalten zwischen den Generationen verschwindend gering.

„IT-Strategien müssen den Nutzen neuer Technologien deutlicher machen, sonst tritt nach der großen Euphorie schon bald Ernüchterung ein“, sagt
Oliver Tuszik, CEO und Vorstandsvorsitzender von Computacenter in Deutschland, zu den Umfrageergebnissen. „Menschen muss der Mehrwert für ihren beruflichen und privaten Alltag aufgezeigt werden: weniger Geschäftsreisen, flexiblere Arbeitszeitmodelle und die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn das passiert, werden moderne Kommunikationsangebote auch gern genutzt.“

Überzeugt Sie diese Argumentation? Und wenn ja, wie nutzen sie die neuen Kommunikationsmöglichkeiten in Ihrem beruflichen Alltag?

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