Ein Gesundheitssystem fürs Buschkrankenhaus

SAP Research in Südafrika arbeitet an Software, die in technologisch wenig entwickelten Gegenden das Leben der Landbevölkerung verbessern soll. Eine davon ist PatHS (Patients Health System). Sie hat ihre Feuertaufe bestanden und bietet sich als Lösung für andere Entwicklungs- und Schwellenländer an.

Südafrika ist das Land der Gegensätze. Moderne, glitzernde Metropolen wie Johannesburg oder Kapstadt mit ihrer hoch entwickelten Infrastruktur symbolisieren das moderne Gesicht der „Regenbogennation“. Demgegenüber stehen die unterentwickelten ländlichen Gegenden, die jeden Komfort und jede moderne Ausstattung vermissen lassen. Das gilt auch für das Gesundheitswesen in diesen Landstrichen.

SAP Research in Südafrika hat gemeinsam mit lokalen Partnern eine Initiative gestartet, um diese unterentwickelten Gegenden Südafrikas mit einem IT-gestützten Gesundheitssystem zu versorgen. Kleine Kliniken in ländlichen Gegenden sollen mit einer minimalen IT-Infrastruktur ihre Patientenversorgung deutlich verbessern können.

Eine der am PatHS-Projekt beteiligten medizinischen Einrichtungen in Südafrika (Bild: Danie Smit/SAP).
Eine der am PatHS-Projekt beteiligten medizinischen Einrichtungen in Südafrika (Bild: Danie Smit/SAP).

Kliniken im ländlichen Bereich arbeiten in Südafrika meist ohne aufwändige Gerätemedizin und versorgen in der Regel Tausende von Patienten in einem Radius von mehreren hundert Kilometern. Das Projekt PatHS soll helfen, die Qualität der medizinischen Versorgung in diesen Landstrichen zu verbessern.

PatHS ist eine gemeinsame Entwicklung von SAP Research Südafrika, der Witwatersrand University South Africa (WITS) und der südafrikanischen Inathi Technology Holding. Ziel der Gemeinschaftsarbeit war es herauszufinden, wie die Informationstechnologie die medizinischen Behandlungen in kleinen Landkliniken unterstützen und verbessern kann. Gefördert wurde das Projekt auch von der am Rande des Krüger Nationalparks gelegenen Provinz Mpumalanga.

Ungünstige Voraussetzungen

„Wir wollten von Anfang an sicherstellen, dass wir die Umgebung und ihre Anforderungen genauestens verstehen, um das richtige ‚Rezept‘ für eine Gesundheitslösung zu finden, die sich in diesem Umfeld bewährt“, erklärt Danie Smit, bei SAP Research CEC Pretoria als Projekt Manager verantwortlich für PatHS. „Die Voraussetzung für eine bessere Gesundheitsvorsorge ist in einem solchen Umfeld eine gute Qualität von Informationen und Daten, die für die Grundversorgung der Patienten notwendig sind.“ Ziel von PatHS ist es, eine patientenorientierte, anwenderfreundliche Softwarelösung auszurollen, mit der Kranke besser betreut und ihre Daten verwaltet werden können.

Das Personal der Buschkliniken besteht in der Regel nur aus wenigen Krankenschwestern und -pflegern, die jeden Tag die medizinische Grundversorgung für mehrere Hundert Patienten sicherstellen. Lediglich kritische Fälle, wie eine mögliche HIV-Infektion oder Tuberkulose, werden an Ärzte in den Distrikt-Hospitälern überwiesen. Die Betreuung der Kranken erfolgt meist in einer sehr einfachen Umgebung mit unzureichender Infrastruktur. Eingeschränkte Strom- und Wasserersorgung, eine hohe Personalfluktuation sowie eine unzureichende Computerausstattung sind an der Tagesordnung. Eine durchgängige Patientenakte mit lückenlosen Krankenberichten zu führen, ist unter diesen Umständen schwierig.

Ziel: besserer Workflow

PatHS wurde entwickelt, um in solchen schwierigen Umgebungen die Gesundheitsversorgung zu verbessern und den Workflow in den Buschkrankenhäusern zu optimieren. PatHS basiert auf SAPs Business-Object-Lösungen, die dem Klinikpersonal einen besseren und flexibleren Zugang zu den Patientendaten ermöglichen. Dazu zählt neben einem ICT-Netzwerk auch ein neues User Interface für Applikationen, die speziell für ländliche Kliniken in Schwellen- und Entwicklungsländern entwickelt wurden.

Computerarbeitsplatz in einer der am PatHS-Projekt beteiligten Einrichtungen (Bild: Danie Smit/SAP).
Computerarbeitsplatz in einer der am PatHS-Projekt beteiligten Einrichtungen (Bild: Danie Smit/SAP).

Das PatHS-Projekt unterstützt das Krankenpersonal heute dabei, die Krankengeschichte von Patienten Schritt für Schritt in das Computersystem einzugeben und zu verwalten. Früher wurden dafür Papierakten genutzt, die manuell ausgefüllt und händisch geführt wurden. Das war zeitintensiv und führte immer wieder zu Problemen, da die Krankenblätter unleserlich, nicht sorgfältig oder unvollständig ausgefüllt beziehungsweise Akten falsch abgelegt wurden. Oft verlor das Krankenhauspersonal Zeit, weil es nach Patientenakten und Dokumentationen suchen musste, die für eine Behandlung notwendig waren.

Die Agincourt Community Health Clinic (ACHC) liegt in einer ländlichen Gegend der Provinz Mpumalanga am Rande des Krüger Nationalparks. Hier wurde PatHS erstmals in einem praxisorientierten Pilotprojekt installiert. Die Klinik bietet verschiedene medizinische Behandlungen, etwa Kinder- und Jugendmedizin, die Betreuung von HIV-Patienten und die Behandlung zahlreicher anderer gesundheitlicher Probleme.

Projektstart mit Computertraining

Der erste Schritt zur Implementierung des Systems vor Ort war ein Basis-Computertraining. Das Krankenhauspersonal sowie die Schwestern und Pfleger in der ACHC sind zwischen 25 und 50 Jahre alt und hatten keine oder kaum Computerkenntnisse, bevor PatHS installiert wurde. Die meisten Probleme hatten die Computerschüler zunächst mit der Bedienung der Maus, der Eingabe über die Tastatur, der Einrichtung von elektronischen Ordnern sowie der Bedienung der Programme, darunter Microsoft Word und Excel. Nach der Basisschulung loben die meisten Klinikmitarbeiter die Möglichkeiten, die ihnen ein Computer am Arbeitsplatz eröffnet, und die Erleichterungen durch den PC-Einsatz im Klinkalltag.

Für viele der beteiligten Klinikmitarbeiter war das PatHS-Projekt der erste Kontakt mit Computern ((Bild: Danie Smit/SAP).
Für viele der beteiligten Klinikmitarbeiter war das PatHS-Projekt der erste Kontakt mit Computern (Bild: Danie Smit/SAP).

Heute werden die Patientendaten in jeder am PatHS-Projekt beteiligten Klinik in einer lokalen Client-Server-Architektur erfasst. Für die Identifikation und zur Verifikation der Daten werden bei jedem Klinikbesuch die Fingerabdrücke des jeweiligen Patienten aufgenommen und gespeichert. Das vereinfacht die Suche nach Patientenakten mit den aktuellsten medizinischen Befunden.

Die Entwickler des Projektes arbeiten auch daran, die Datenbank der Kliniken über GPRS-Datenverbindungen innerhalb des gut ausgebauten GSM-Mobilfunknetzes Südafrikas zu synchronisieren. Mehr als 80 Prozent der Südafrikaner nutzen heute schon Mobiltelefone, weshalb diese Geräte auch ein interessantes Hilfsmittel für die Gesundheitsprojekte in den ländlichen Gebieten des Landes sind.

Neben den Softwarefunktionalitäten, die den Arbeitsalltag und die verschiedenen Prozesse in der Klinik vereinfachen, geht SAP Resarch mit seinem Projekt auch andere Bereich der Klinik-IT an, beispielsweise Sicherheit, Backup, Change Management, Remote Support und permanente Schulung des Personals. Dieses Engagement soll den langfristigen Erfolg des PatHS-Projektes sicherstellen.

Fazit

In Südafrika hat PatHS hat seine Bewährungsprobe bestanden, der Erfolg hat sich herumgesprochen. Eine Reihe anderer afrikanischer Staaten hat bereits Interesse an der Gesundheitslösung angemeldet. „Natürlich gibt es noch eine Menge zu tun“, räumt Danie Smit ein, „aber unsere Initiative hat bereits heute das Leben vieler Menschen in den ländlichen Bereichen positiv verändert. PatHS ist auch ein Beitrag zum Projekt der Vereinten Nationen, die Gesundheitsvorsorge in den aufstrebenden Nationen wie Brasilien, Indien oder China nachhaltig zu verbessern.“

Themenseiten: Forschung, IT-Business, Medizin, SAP, Technologien

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