Browser als Betriebssystem: Google bringt Native Client

Damit können Web-Applikationen auf lokale Hardware oder auf Betriebssystemschnittstellen zugreifen. Das erste Release enthält die "Pepper 2"-Schnittstelle und Sicherheitsfunktionen. Geplant ist etwa noch eine Unterstützung für 3D-Grafiken.

Logo von Google Native Client

Google hat die erste Version seiner Native-Client-Plattform (NaCl) veröffentlicht. Mit dieser Technik erhalten Web-Applikationen direkten Zugriff auf die Hardware oder bestimmte Betriebssystemschnittstellen (APIs) eines Rechners – ebenso wie die kompilierten Programme, die lokal auf einem Rechner laufen. Die Software mit dem Codenamen „Arctic Sea“ ist in die Betaversion 10 des Browsers Chrome integriert. Sie muss jedoch durch Eingabe von about:flags in der Adressleiste aktiviert werden.

„Ein wichtiges Ziel war, dass die Entwickler erste Native-Client-Module für Chrome-Applikationen schreiben können“, schreibt „Arctic Sea“-Produktmanager Christian Stefansen im Chromium-Blog. Google habe mit dieser Version einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Projekt sei so umgestaltet worden, dass NaCl jetzt die Plug-in-Schnittstelle für Browser namens „Pepper 2“ (Ppapi) nutze. Das ist der Nachfolger der mittlerweile veralteten Npapi-Schnittstelle.

Ein weiterer großer Schritt: Einige Arbeiten an den Sicherheitsfunktionen der Plattform wurden jetzt beendet. NaCl hat jetzt zwei Sandboxes, eine innere und eine äußere, um den jeweiligen Client von Schadprogrammen aus dem Web abzukapseln. Eine automatische Update-Funktion soll Google ein schnelles Eingreifen ermöglichen, falls sich Sicherheitslücken auftun.

NaCl unterstützt jetzt neben allgemeinen Berechnungen auch Audio- und 2D-Grafikfunktionen. Google hat die Plattform zudem so überarbeitet, dass sich die Entwickler weniger darum kümmern müssen, auf welcher Hardware die Web-Applikationen laufen. Wer sich von der Leistungsfähigkeit der Plug-ins überzeugen möchte, findet Demo-Applikationen auf der Chrome-Site. Als nächstes – vielleicht schon in der nächsten NaCl-Version „Baltic Sea“ – ist eine Unterstützung für 3D-Grafiken, das lokale Dateisystem und WebSocket geplant. WebSocket will Google nach eigener Auskunft dazu nutzen, die Kommunikationen zwischen Browser und Server zu beschleunigen und um Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) zu ermöglichen.

Die Google-Enwickler wollen ihre Technik aber nicht auf den Browser Chrome beschränken. „Wir wollen viele Browser unterstützen. Allerdings sind einige Funktionen, die wir als notwendige Voraussetzung für ein marktreifes System ansehen, ohne die Hilfe des Browsers schwer zu implementieren. Beispiele wären Plug-ins, die außerhalb des Browser-Prozesses laufen (Out-of-Process-Plug-ins) und Schnittstellen für integrierte 3D-Grafik. Wir haben für diese Funktionen eng mit den Chromium-Entwicklern zusammengearbeitet und würden das auch gern mit Entwicklern anderer Browser tun“, heißt es in den NaCl-FAQ.

Google hat im Moment nur den Chrome-Browser, um seine Technik zu verbreiten. Ein wichtiger Einsatzort der Native-Client-Technik ist zudem das kommende Cloud-Betriebssystem Chrome OS. Außerdem ist noch eine Variation unter dem Namen PNaCl (Portable Native Client) in Arbeit. Sie läuft auf ARM-Prozessoren, die in praktisch allen aktuellen Smartphones stecken.

Themenseiten: Browser, Chrome, Cloud-Computing, Google, Google, Internet

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